Das Kind des Saturn

Teresa Edgerton
Das Kind des Saturn

1. Roman der Trilogie ‚Die grünen Löwen‘
Heyne Verlag (1998)
OT: Child of Saturn
übersetzt von Barbara Ostropp
ISBN-10: 3453140206
395 Seiten
(sfbentry)

Der Chefzauberer ist spurlos verschwunden, das Reich verfällt, König und Hof erliegen der Dekadenz, und die böse Schwester (ihres Zeichens Hexe) schickt sich an, den Thron für ihren ungeratenen Sohn zu erobern … Kennen wir alles. Ebenso natürlich das bekannte Motiv des tumben Toren, welcher ausersehen ist, Reich und Krone zu retten – alt wie die Fantasy selbst, oder älter, möchte man meinen. Ein Parzival steckt in jedem dieser Helden in spe, denen es zuerst keiner ansieht und die sich dann selbstredend mausern. Da ist es egal, daß es in Edgertons Buch eine Heldin ist, Teleri, die sprichwörtliche graue Maus, Lehrling des verschwundenen Magiers Glastyn, welcher vor vielen Jahren, nach einer Zeit blutigen Interregnums, einen neuen König aus den Wäldern mitbrachte, der das Reich wieder einte, woraufhin Friede und Gerechtigkeit einzogen … Und weil das alles auch noch in einer Gesellschaft mit quasi-keltischer Spreche vonstatten geht, könnte man mitunter schnell in die Verlegenheit kommen, Merlin statt Glastyn zu lesen; die alten Legenden sind eben nicht tozukriegen, und ein Tolkien, welcher neue Mythen erfindet, wird wohl nur einmal pro Millenium geboren. Bis zum nächsten Mal nutzt der Fantasy-Markt fröhlich die tradierten Stoffe, und die Leser verschlingen die alten Zutaten in immer neuer Variation und Mischung. Warum auch nicht – eine meiner Lehrkräfte, ein wirklich begnadeter Germanist, meinte einmal, es gäbe in der ganzen Weltliteratur ohnehin nur sechs zentrale Motive, die ständig variiert würden. Lassen wir also Teresa Edgerton ruhig ihre Geschichte erzählen:

Im Königreich Camboglanna trifft Prinzessin Diaspad ein, Halbschwester des Königs Cynwas, welcher mit seiner Königin Sidonwy in Eintracht, aber ohne einen Erben lebt; wogegen Calchas, Diaspads Sohn, schon bereit steht, um die Krone zu empfangen. Dummerweise ist zu befürchten, daß sie eher an einen von Sidonwys Brüdern geht; daher möchte die zauberkundige Prinzessin selbst die Sache in die Hand nehmen. Was nun folgt, ist ein Wechselspiel aus kleinen Zaubereien und höfischen Intrigen, welche das Herrscherpaar entfremden sollen. Teleri bleibt das alles nicht verborgen, und sie beobachtet es mit Sorge, gleich dem jungen und edlen Ritter Ceilyn mac Cuel, dem persönlichen Beschützer der Königin, der es fast auf einen Lancelot bringt: aufrecht in Gedanken, unschlagbar mit dem Schwert, seiner Herrin treu ergeben. Nur eine ähnlich unheilvolle Lovestory steht nicht zu befürchten, denn da gibt es ja noch Teleri …
Beide nähern sich vorsichtig aneinander an, bringen es nach einigen Irrungen und Wirrungen immerhin auf Freundschaft, die ihnen guttut, denn beide sind Außenseiter: Teleri, weil sie kaum jemand ernst nimmt oder auch nur beachtet; Ceilyn, weil er gar zu rein und streng lebt. Das hat übrigens seinen Grund, und der ist geeignet, doch einige zusätzliche Farbtupfer in die Handlung einzubringen, die sich noch entwickeln wird, denn bei „Das Kind des Saturn“ handelt es sich um den ersten Band der Trilogie „Die grünen Löwen“.

Werde ich die beiden anderen lesen? Natürlich. Erst einmal ist ja auch eine im Kern bekannte Geschichte interessant, wenn sie nur gut erzählt wird, wie diese; Edgerton schreibt durchaus routiniert, was auch in der Übersetzung zum Ausdruck kommt. Das Buch liest sich weg. Die Hauptfiguren wirken lebendig und auch durchaus nicht einschichtig (bis auf Diaspad, welche im ersten Teil einfach „die Böse“ abgeben muß). Viele der Nebenfiguren bieten genügend Potential für interessante Entwicklungen und bringen Abwechslung in die oben kurz umrissene Handlung. Solide gemachte Unterhaltung, gut für einen Nachmittag auf der Bahn oder mit Regenwetter. Wenn die beiden folgenden Bände dieses Niveau halten oder gar verbessern, kann man das Gesamtwerk durchaus empfehlen. Also: Warten wir’s ab. (ps)

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Das Kind des Saturn. 1. Roman der Trilogie ‚Die grünen Löwen‘.

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