Das Königshaus der Monster

das-konigshaus-der-monsterJonathan Barnes
Das Königshaus der Monster

The Domino Men, GB, 2008
Piper Verlag, München, dt. Erstausgabe: 03/2009
HC mit Schutzumschlag, Fantasy, SF
ISBN 978-3-4927017-6-1
Aus dem Englischen von Biggy Winter
Titelgestaltung von HildenDesign unter Verwendung eines Motivs von Christophe Madura und einer Vorsatzillustration von Oliver Wetter

www.piper-fantasy.de
www.hildendesign.de
www.fantasio.info/

Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei Booklooker.de

„Das Königshaus der Monster“ ist nach „Das Alptraumreich des Edward Moon“ (Piper, 2008) der zweite phantastische Roman des englischen Autors und Journalisten Jonathan Barnes. „Das Alptraumreich des Edward Moon“ ist im London des beginnenden 20. Jahrhunderts angesiedelt; der Protagonist ist ein abgehalfterter Zauberkünstler und Hobbydetektiv, der von Scotland Yard zur Aufklärung von zwei Morden hinzugezogen wird. Die Handlung und diverse Figuren des Romans gewinnen rasch phantastische Züge, was durchaus seinen Reiz hat.

Der Handlungsort von „Das Königshaus der Monster“ ist ebenfalls London, der Roman spielt jedoch in der Gegenwart. Henry Lamb ist ein unbedeutender Beamter der Staatlichen Archivverwaltung, in der seine Aufgabe in dem Registrieren von Dokumenten besteht. Immerhin blickt er auf eine Vergangenheit als TV-Kinderstar zurück, auch wenn sich sein Text bei jedem Auftritt auf ein- und denselben Satz beschränkte. Henrys Großvater liegt im Sterben, als er von dem sogenannten Direktorium – an das sich Leser von „Das Alptraumreich des Edward Moon“ sicherlich noch erinnern werden – zum Kampf gegen den Leviathan rekrutiert wird, der demnächst über London herfallen wird.

Das Direktorium offenbart Henry Lamb, dass sein Großvater gemeinsam mit der Frau Estella an der ersten Gefangennahme des Leviathans beteiligt war. Estella ist verschwunden, und Henry soll sie finden, bevor der Leviathan zurückkehrt. Er sucht die ‚Dominomänner„ auf, die in den Kellergewölben von Downing Street Nr. 10 gefangen gehalten werden (sic!). Auch die Dominomänner, die dem Roman im Original den Namen gaben, sind aus „Das Alptraumreich des Edward Moon“ bekannt: Es sind zwei zynische, Schuluniformen tragende Männer, die jenseits von Zeit und Raum agieren, mal als Söldner tätig werden, mal ihre eigenen Interessen verfolgen, jedoch immer ihren Spaß daran haben, Menschen zu töten.

Die Dominomänner bieten dem Direktorium an, seine Agenten, einschließlich Henry Lamb, zu Estella zu führen, entkommen jedoch und richten ein Chaos an. Henry Lamb gelingt es mit einer Estella-Epigone, sie zu verfolgen. In der Parallelhandlung werden die Hintergründe für die Verschacherung von London an den Leviathan und für die Existenz des Direktoriums offenbart (der deutsche Titel deutet leider zu viel an, was im Roman erst in mehreren Kapiteln preisgegeben wird). Estella wird gefunden, stirbt jedoch, und der Leviathan fällt über London her.

„Das Königshaus der Monster“ ist ein perfekt verfasster Roman. Der Stil ist geschmeidig, jeder Teil der Handlung greift komplikationslos in den nächsten, der Plot ist stimmig. Der Einbruch des Phantastischen in die Gegenwart wirkt sehr authentisch. Der Rückgriff auf den biblischen Leviathan (der in dieser Form tatsächlich in der Themse erscheint …) mutet zunächst wenig originell an, doch dem Autor gelingt eine verblüffende Wendung, als er den tatsächlichen Charakter des Leviathans offenbart und damit in die Science Fiction verstößt, immerhin in den neueren Ideenfundus des Genres.

Der Vergleich mit dem ersten Romans des Autors, „Das Alptraumreich des Edward Moon“, zeigt eine Parallele auf: In beiden Büchern ist London einer Bedrohung ausgesetzt. „Das Königshaus der Monster“ ist der eingängigere Roman: Der Autor verzichtet auf eine Reihe von ungewöhnlichen Charakteren – von den Dominomännern selbstverständlich abgesehen –, das (Nach-) Viktorianische Flair fehlt, und der Romantitel gibt nicht zu Spekulationen Anlass. Mit den Dominomännern kann der Autor natürlich weitere Romane kreieren; es ist jedoch zu wünschen, dass sie dann in einem anderen Kontext eingesetzt werden.

Copyright © 2010 by Armin Möhle (armö)

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