Das mechanische Herz

Bei Buch24.deDru Pagliassotti
Das mechanische Herz
(sfbentry)

Feder und Schwert (Steampunk) Taschenbuch (2010)
ca. 510 Seiten
ISBN 978-3-86762-067-3
Deutsch von Dorothee Danzmann
Umschlaggestaltung von Oliver Graute
Umschlagillustration von Timothy Lantz

http://www.feder-und-schwert.com/
http://drupagliassotti.com/

Taya lebt in der reichen und sagenhaften Stadt Ondinium. Sie arbeitet als Ikarierin, eine Kurierin, die sich frei zwischen allen Sektoren der Stadt bewegt und sich außerhalb des Kastensystems befindet. Ikarier gelangen mit Hilfe ihrer Flügel durch die Stadt, die aus einem Metall leichter als Luft bestehen.

Eines Tages wird Taya Zeugin eines Anschlags und rettet selbstlos dessen Opfer. Das reißt sie in einen Strudel aus Intrigen und Mordanschlägen. Taya bewegt sich plötzlich in einer ihr fremden Welt. Sie lernt die Brüder Folore kennen, die beide unterschiedliche Persönlichkeiten sind, aber jeder übt seinen Reiz auf Taya aus. Als sich die Ereignisse plötzlich überschlagen, wird die Sache für Taya sehr persönlich …

Mit „Das mechanische Herz“ ist ein weiterer Roman bei Feder & Schwert unter dem Steampunk-Label erschienen. Nach den grandiosen Vorlagen von Ju Honisch, folgt die Übersetzung dieses Werks von Dru Pagliassotti. Das Buchcover lässt schon vermuten worum sich die Geschichte dreht, steht aber in keinem echten Bezug zum Inhalt des Buchs.

Der Einstieg in den Roman ist leicht zäh. Bereits auf den Anfangsseiten werden dem Leser etliche Namen und Bezeichnungen um die Ohren gehauen, die erst einmal verarbeitet werden müssen. Sobald das geschehen ist, entspinnt sich eine spannende Geschichte. Dabei ist Dru Pagliassottis Roman keinesfalls eine düstere oder dreckige Steampunkgeschichte, sondern eine eher verklärte Liebesgeschichte im lockeren Steampunkrahmen.

Zwar gibt es auch dramatische Augenblicke, spannende Kämpfe und mechanische Wunder, aber das zentrale Element ist das Liebesreigen um die Heldin Taya, die einem Vogel gleich durch die Lüfte jagt. Zwar leidet sie unter Minderwertigkeitskomplexen, aber schlussendlich wird aus dem hässlichen Entlein der begehrte Schwan. Dazu gehört auch eine große Portion Schmalz und Herzschmerz. Echte emotionale Konsequenzen sind dagegen Mangelware, stellenweise gleichen Handlung und Stil einer trivialen Liebeserzählung. Das ist keineswegs abwertend gemeint, denn die Autorin gibt dem entsprechenden Publikum genau das, was es möchte. Aber „Das mechanische Herz“ ist keinesfalls eine ernsthafte Steampunkgeschichte im klassischen Sinn. Zwar bekommt Pagliassotti noch die Kurve und beschert ihrem Plot einen entsprechenden Anstrich, doch das geschieht erst richtig im letzten Drittel des Romans.

Bis dahin ist Taya Dreh- und Angelpunkt der Geschichte. Im Sturm der Gefühle flattert sie über die Stadt, überbringt Nachrichten und mischt sich überall ein. Diese Einmischung ist nur oberflächlich logisch begründet und Tayas Arbeitgeber zeigt auch kein Verlangen, seine Angestellte zur Ordnung zu rufen. Dadurch wirkt die Welt schlussendlich wie ein künstliches Sonnensystem, in dem sich alles um Taya als Fixstern dreht. Diese seichte Art der Erzählung muss der Leser halt mögen. Wer ernsthaften, dreckigen und dystopischen Steampunk sucht, der sollte eine andere Geschichte wählen.

Neben der geringen Tiefe von Handlung und Charakteren, ist auch der Stil letztendlich inkonsequent. Es ist schon verwirrend, dass Taya selbst bei vertrauten Personen zwischen „Sie“, „Du“ und „Ihr“ umherspringt. Ob das nun an der Übersetzung liegt oder dem Original entspricht, das sei dahingestellt. In der Übersetzung von Dorothee Danzmann wirkt es einfach störend.

Trotz aller Kritik weiß „Das mechanische Herz“ zu unterhalten. Der Roman ist flüssig geschrieben und nach einiger Zeit der Orientierung, entfaltet sich eine spannende Kulisse, die vor allem mit ihrem Kastensystem punktet. Leider werden auch die Möglichkeiten der Kasten nur inkonsequent behandelt, Ecken und Kanten sind selten, Reibungspunkte – falls die denn einmal auftauchen – zügig abgeschliffen. Das wird vor allem im letzten Konflikt der Hauptpersonen offensichtlich, wenn die Konsequenzen der verbrecherischen Taten erneut aufgeweicht werden. Der Roman eignet sich vor allem für Leser mit weichem Herzen.

„Das mechanische Herz“ ist eine unterhaltsam geschriebene Fantasy-Liebesgeschichte mit Steampunkanstrich und Schmalz. Der Roman ist gutes Mittelmaß.

Copyright © 2010 by Günther Lietz

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