Das Vermächtnis des Raben

Hildegard Burri-Bayer
Das Vermächtnis des Raben

Mira Taschenbücher im Cora-Verlag, Hamburg, 10/2008
TB, Mira Fantasy 65010, 978-3-89941-399-1,348/595
Titelbild von Franco Accornero/Schlück
www.mira-taschenbuch.de
www.burri-bayer.de/

Hildegard Burri-Bayer ist durch ihren Roman „Die Sternenscheibe“, in dem sie sich mit der Himmelsscheibe von Nebra und den Umständen ihres Fundes beschäftigte und eine spannende Geschichte daraus machte, bekannt geworden. Schon damals geriet eine junge Frau durch die Magie der Vorfahren in eine andere Zeit.

Ähnliches stieß der Kunsthistorikerin Miriam in „Der goldene Reif“ zu, der sie in das erste Jahrhundert nach der Zeitenwende und in das von den Kriegen der Kelten gegen die Römer erschütterte Britannien führte. Damals lernte sie den Mann ihres Lebens kennen und entschied sich, bei ihm zu bleiben.

Zwanzig Jahre später folgt Aila, ihrer Tochter, dem Geheiß des alten Druiden Mog Ruith und begibt sich zu einer heiligen Quelle. Dort erwarte sie etwas, das ihr den Weg weisen würde, um einen goldenen Reif zu finden, der für das Überleben ihres Volkes wichtig ist, sagte man ihr.

Ehe sie sich versieht, findet sich das junge Mädchen, durch einen magischen Nebel versetzt, in einer für sie fremden Zeit wieder, in der wie von Geisterhand gezogene Wagen fahren, die Menschen eine ganz andere Sprache sprechen und auch ungewöhnlich gekleidet sind. Verwirrt irrt sie durch die Straßen und wird festgenommen, weil sie wegen Zechprellerei angezeigt wurde.

Doch glücklicherweise gibt es Leute, die ihr Gälisch verstehen und sich um sie kümmern. Eine davon ist sogar eine alte Lehrerin, die Miriam noch kennt und auch um ihr Geheimnis weiß. Sie hilft Aila, so gut sie kann, in der neuen Zeit zurechtzukommen und nach den mystischen goldenen Reif zu suchen.

Doch als er endlich gefunden ist, fällt Aila die Rückkehr in ihre eigene Zeit gar nicht mehr so leicht. Denn längst hat sie im 20. Jahrhundert einen Mann gefunden, den sie aufrichtig liebt und nicht mehr vergessen kann. Umso weniger vermag sie die derben Annährungsversuche eines herrischen jungen Kriegers zu ertragen.

Allein die Tatsache, dass es ausnahmsweise einmal ein Mädchen aus der Vergangenheit in die Gegenwart verschlägt, täuscht darüber hinweg, dass „Das Vermächtnis des Raben“ eigentlich wieder nur eine Variation dessen ist, was Hildegard Burri-Bayer am besten schreiben kann – Zeitsprünge im Stil von Diana Gabaldon und die Beschreibung des Lebens im vorchristlichen Nord-England.

Dabei verzichtet sie aber auf ausführliche Recherchen und benutzt die Bilder, die Romane wie „Die Nebel von Avalon“ bereits vom keltischen Britannien gezeichnet haben. Die Handlung schleppt sich über zwei Drittel des Buches eigentlich nur dahin, ehe die Spannung etwas anzieht und die Situation für die Heldin wirklich bedrohlich wird.

Es ist zwar stellenweise erheiternd, wie Aila zunächst ungeschickt durch die moderne Welt stolpert, aber wieder einmal wirken diese Beschreibungen ebenso oberflächlich wie die Charakterisierung der Figuren, die oft genug einfach nur ‚wunderschön’ sind, oder die Schilderungen des Lebens in der Eisenzeit, die sich auf wenige Eckpunkte und Klischees beschränkt. Selbst die Liebesgeschichte zwischen Aila und dem jungen Arzt Dave wirkt platt und lässt fast jedes Gefühl vermissen.

Heraus kommt ein auf allen Ebenen unbefriedigender Roman, der nur dann gefallen kann, wenn man noch nicht viele andere Werke dieser Art gelesen hat oder ein Hardcore-Fan von Heldinnen ist, die es in eine andere Zeit verschlägt, um dort ihr wahres Glück in der Liebe zu finden. (CS)

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Das Vermächtnis des Raben

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