Der erste Kaiser

der-erste-kaiserDaniel Jödemann
Die zwei Kaiser 2: Der erste Kaiser
Das schwarze Auge 110

Fantasy Productions, Erkrath 08/2009
TB, Fantasy
ISBN 978-3-89064-247-5
Titelillustration von Arndt Drechsler
Karte von Daniel Jödemann

www.fanpro.com
www.daniel-joedemann.de
http://arndtdrechsler.com/

Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei Booklooker.de

Die Vergangenheit Aventuriens ist zwar bereits geschrieben, und man kennt oft genug den Ausgang dramatischer Geschehnisse, aber sie ist deswegen nicht unbedingt uninteressant. Denn oft stecken hinter den nüchternen Zahlen und Daten – wie in der irdischen Geschichte – dramatische Erzählungen über Menschen, die schwere Entscheidungen treffen müssen und damit zu Helden und Heiligen werden. Daniel Jödemann hat in seinem Zweiteiler ein solches Ereignis aufgegriffen – die Zeit von ‚Bosparans Fall’, die nicht nur ein Weltreich, sondern auch eine Weltordnung erschütterte. Auf dem Zenith seiner Macht beherrscht das Bosparanische Reich fast ganz Aventurien, und die Kaiser, die sich auf eine göttliche Blutlinie berufen, halten das Zepter fest in der Hand. Doch wie so oft ist der Staatapparat bereits unübersichtlich geworden, Machtgier und Korruption einzelner höhlen das Reich aus.

Doch noch ist nach außen hin nicht viel davon zu merken, denn die junge Kaiserin Hela Horas achtet sehr genau darauf, dass ihr Wort Gesetz ist und niemand offen gegen sie die Stimme erhebt. Wer es dennoch wagt, wird auf die eine oder andere Weise mundtot gemacht, so wie diejenigen, die sie davor gewarnt haben, sich selbst zur Göttin zu erheben und nicht nur die weltliche, sondern auch die geistliche Oberhoheit auszuüben. Wegen der Gnadenlosigkeit ihrer Herrschaft bildet sich immer mehr Widerstand, vor allem im nördlicher gelegenen Gareth, das bereits einmal von den Legionen der Horas im Stich gelassen wurde, als Orks es belagerten. Damals gewann der tulamidische Abenteurer Raul al’Ahjan die Achtung der Oberen und Bewohner der Stadt, da er Leib und Leben riskierte, um die Hilflosen zu beschützen.

Und er ist es auch jetzt, an den sich die Unzufriedenen wenden, um ihn zu bitten, den Aufstand gegen die Kaiserin zu führen. Man will sie zwingen, von ihrem Tun abzulassen und wieder vernünftig zu werden. Niemand ahnt, dass es dafür vielleicht schon zu spät sein könnte, denn im Geheimen lässt Hela nach Artefakten suchen, mit denen sie wie einst ihr Ahn Fran Horas die Erzdämonen herauf beschwören will, um mit deren Magie das Volk zu knechten. Sie kennt das Ritual und beschließt, die Fehler zu vermeiden, die ihr Vorfahr einst machte. Der Herr ihrer Legionen, Salim, ist Erfüllungsgehilfe, aber auch in ihm regt sich langsam Widerwillen und Abscheu gegen die Taten seiner Kaiserin. Wie deren Erbin und Nachfolgerin Vallusa, die längst in Raul verliebt ist, beginnt er, in seiner Treue zu schwanken und kann vor dem Unrecht nicht länger die Augen verschießen. Und so ist es an der Zeit für einen Umbruch – mit schwerwiegenden Folgen für das Leben vieler.

Auch „Der erste Kaiser“ bietet wie „Die letzte Kaiserin“ eine interessante Mischung aus Geschichtsstunde und Abenteuer. Er erweckt Kulturen zum Leben, die bereits lange untergegangen sind, und gibt den Menschen und Orten, die bisher nur einfache Daten gewesen sind, ein Gesicht. Dabei gelingt es dem Autor, den schmalen Grad zwischen Wissensvermittlung und Unterhaltung ausgeglichen zu beschreiten. Die Figuren aus Legenden und Chroniken erhalten Aussehen und Stimme; der schleichend wachsende Wahnsinn der Hela-Horas wird interessant beschrieben, während ihr Gegenspieler weiterhin sehr sympathisch geschildert wird, weil ihm die Achtung der anderen nicht zu Kopf steigt, sondern er der bescheidene Abenteurer bleibt, der er im ersten Band war – der edle und ehrenhafte Krieger, der sich nicht von der Macht und dem Einfluss korrumpieren und verderben lässt. Gerade weil sich der Autor Zeit nimmt, die einzelnen Handlungsebenen und –fäden zusammen zu führen, kommt es im Mittelteil des Buches gelegentlich zu Längen. Auch das Ende ist eher ruhig als melodramatisch, passt aber zur gesamten Stimmung des Romans.

Alles in allem ist auch dieser Band durchdacht und gut durchmischt, denn immer wieder lockern spannende Ereignisse die Beschreibungen der doch etwas anderen Umwelt auf. Auch die Darstellung der Kulturen wird weiterhin konsequent durchgezogen. So schließt „Der erste Kaiser“ die Duologie „Die zwei Kaiser“ gelungen ab und ist wie sein Vorgänger „Die letzte Kaiserin“ einer der Romane der „DSA“-Reihe, den man ohne Vorbehalte lesen kann.

Copyright © 2010 by Christel Scheja (CS)
 
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