Der Herr der Dunkelheit

der-herr-der-dunkelheitJaqueline Carey
Der Herr der Dunkelheit
Elegie an die Nacht 1

(sfbentry)
Banewreaker. Volume one of the Sundering, USA, 2004
Egmont LYX, Köln, Erstausgabe: 02/2009
PB mit Klappbroschur, Fantasy, Adaventure
ISBN 978-3-8025-8218-9
Aus dem Amerikanischen von Kirsten Borchardt
Titelgestaltung von HildenDesign, München unter Verwendung eines Motivs von Jeffrey Schmieg/Shutterstock
Autorenfoto von Robert Carey
Karten von Elisa Mitchell

www.egmont-lyx.de/
www.jacquelinecarey.com/
www.hildendesign.de
www.shutterstock.com

Titel erhältlich unter Buch24.de
Titel erhältlich unter Booklooker.de

„>Cerelinde<. Tanaros ließ sich ihren Namen auf der Zunge zergehen. >Jede Geschichte hat zwei Seiten. Eure kennt die ganze Welt, denn die Ellylon sind unvergleichliche Dichter und Sänger und ihre Geschichte hat auf diese Weise überdauert. Wer in Urulat hat aber je der Geschichte gelauscht, so wie die Fjelltrolle sie erzählen?>“

Ewige Zeit herrschten die sieben Schöpfer gemeinsam über die Welt Urulat, formten sie nach ihrem Willen und bevölkerten sie mit ihren Schöpfungen, den Ellylon, Menschen, Zwergen, Wehren und Fjelltrollen. Doch eines Tages kam es zum Zwist zwischen Haomane, dem erstgeborenen Schöpfer, und seinem Bruder Sartoris, dem Drittgeborenen, denn dieser widersetzte sich ihm und weigerte sich, der Rasse der Menschen seine Gabe zu entziehen. Und so wurde die Welt gespalten und Sartoris zu einem Ausgestoßenen, von seinen Geschwistern und der ganzen Welt fortan gehasst und gefürchtet.

Es begann ein Jahrtausende währender Krieg auf Urulat, der unzählige Leben unter den Menschen, Fjell und Ellylon forderte und nach einer Prophezeiung Haomanes erst enden solle, „wenn das Unbekannte einst bekannt ist, die verlorene Waffe gefunden, das Feuermark erloschen und der Gottestöter befreit, wenn die Tochter des Elterrion einen Sohn des Altorus ehelicht, wenn der Speer des Lichts zurückkehrt und der Helm der Schatten zerschlagen wird.“

Als eines Nachts ein roter Stern am Himmel aufgeht und Cerelinde, eine Tochter der Ellylon, einwilligt, Aracus Altorus zu ehelichen, heißt es, dass sich nun endlich diese letzte Prophezeiung erfüllen und die gespaltene Welt wieder vereint werden wird. Und so machen sich der weise Zauberer Malthus und eine Gruppe von Gefährten um einen auserwählten Träger im Auftrag Haomanes auf, um den drittgeborenen Schöpfer endgültig zu vernichten und den Weg zu einem neuen friedvollen Zeitalter zu ebnen. Doch Sartoris, der Fluchbringer, ist nicht gewillt, das ihm und vielen anderen prophezeite Ende so einfach kommen zu lassen. Er zieht seine riesige Armee aus Fjelltrollen zusammen, angeführt von seinen drei loyalen Heerführern Tanaros Schwarzschwert, Ushashin Traumspinner und dem Stakkianer Vorax, und schickt sie gegen die Verbündeten seines Bruders. Mit Hilfe einer List und der Unterstützung der Zauberin des Ostens und ihres Drachen Calandor hoffen sie, die Erfüllung der Prophezeiung abwenden zu können. Denn ihnen ist klar, dass weder sie selbst noch die Fjell und die Wehre das Anbrechen des neuen Zeitalters erleben werden, wenn sie Haomanes Männer nicht aufhalten.

Die 1964 geborene amerikanische Autorin Jaqueline Carey, die in Deutschland mit ihrer „Kushiel“-Trilogie bekannt wurde, hat laut Klappentext mit ihrer zweibändigen „Elegie an die Nacht“ eine persönliche Hommage an Tolkiens „Herr der Ringe“ geschaffen. Und in der Tat lassen sich die Ähnlichkeiten zu diesem weltweit bekannten Meisterwerk der phantastischen Literatur nicht leugnen, auch wenn bei Jaqueline Carey die Elfen plötzlich Ellylon und die Orks Fjelltrolle heißen. Die kleine Gruppe der tapferen Gefährten, der unschuldige, duldsame Auserwählte mit seinem treuen Begleiter, der König ohne Königreich, oder der Weis(s)e Zauberer – sie alle wirken bekannt und vertraut, und auch die Geschichte selbst bietet trotz einiger Abwandlungen zur Vorlage nicht wirklich neue oder überraschende Wendungen. Originell ist allerdings die Erzählperspektive Jaqueline Careys. Statt ihre Legende aus der Sicht der strahlenden Helden zu erzählen, lässt sie in ihrem Werk die dunkle Seite zu Wort kommen. Und diese erzählt eine ganz andere Version als die Ellylon und Menschen.

Der Anführer Tanaros, der nach einem Mord im Affekt zum Ausgestoßenen und so zum Bösewicht wird, Schöpfer Sartoris, der nur die menschliche Rasse schützen wollte oder die großen hässlichen Trolle, die in Wahrheit gutmütige, treue, etwas dumme Krieger sind – sie alle sind weder schlecht noch böse, sondern haben gute Gründe für ihr Handeln und wurden einfach nur Opfer ihrer Natur oder der Umstände. Genau wie die Helden der lichten Seite versuchen sie, einfach nur das Richtige zu tun und ehrenhaft ihr Leben zu führen. Und so dreht sich Careys Werk schlussendlich einzig und allein um die große Frage, ob es etwas wie Gut und Böse wirklich gibt, oder ob es nicht einzig und allein auf die Perspektive ankommt.

Eine interessante Idee, die aber leider nicht ganz über die flachen, größtenteils eindimensionalen Charaktere hinwegtrösten kann, von denen viele leider nur wie lieblos zusammen gewürfelte Kopien der großen „Herr der Ringe“-Helden wirken. Hier wäre es schön gewesen, wenn die Autorin auf die Hintergrundgeschichten ihrer Protagonisten genauso viel Mühe wie auf die ihrer Welt Urulat verwandt hätte. Was beim Lesen vor allem stört, ist die Angewohnheit Careys, immer gleiche Details und Szenen aus der Vergangenheit ihrer Helden wieder und wieder zu erzählen, bis man sie zum Schluss fast wörtlich mitsprechen kann. Da der Rest des Buches ansonsten sehr klar und schnörkellos erzählt ist, fällt diese Schwäche umso störender auf.

Einen ganz eigenen Reiz und damit auch ein großes Plus erhält die Geschichte um den dunklen Herrscher Sartoris immerhin durch die Tatsache, dass sie am Ende niemals gut ausgehen oder ein Happy End haben kann. Denn egal welche Seite den großen Kampf gewinnt, sei es nun Haomanes oder Sartoris’, es wird irgendwie immer das Böse sein, das da triumphiert. Und so ist tatsächlich völlig offen, welche Seite in Jaqueline Careys „Elegie an die Nacht“ siegt. Insgesamt ist Jaqueline Careys Herr Der Dunkelheit also ein eher düsterer, recht gut geschriebener High Fantasy-Roman mit einer netten Hintergrundidee, der mit seinem großen literarischen Vorbild allerdings bei Weitem nicht mithalten kann.

Copyright © 2010 (BZ)

Titel erhältlich unter Buch24.de
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