Der Untergang der Hölle

Jeffrey Thomas
Der Untergang der Hölle – Hölle 2
Horror TB 60

(sfbentry)
The Fall of Hades, USA, 2003
Festa Verlag, Leipzig, 08/2013
TB, Horror, Dark Fantasy
ISBN 978-3-86552-247-4
Aus dem Amerikanischen von Patrick Baumann
Titelgestaltung von Anna Bastrzyk

www.festa-verlag.de/
www.jeffreythomas.com

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Eine junge Frau erwacht nackt und allein in einer Zelle eingemauert, die inmitten der Hölle liegt. Ihr gelingt die Flucht, bei der sie ein aus Knochen bestehendes Gewehr findet, das nicht nur sprechen kann, sondern darüber hinaus auch ein Auge und ein eigenes Bewusstsein besitzt. Da die junge Frau ihr Gedächtnis verloren hat, nennt sie sich kurzerhand Vee und ihr sprechendes Gewehr fortan Jay. Dank Jay’s Fähigkeit sich in das höllische Äquivalent des Internets einzuklinken, erfährt Vee, dass sie sich in einem Zellentrakt befindet, in dem sie allein inhaftiert war. Allein – bis auf einen weiteren Häftling, von dem sie instinktiv weiß, dass es sich um ihren Vater handelt. Trotz dieses Wissens befreit sie ihn nicht, sondern begibt sich mit Jay auf den Weg zu einer Enklave der Verdammten, die in der Hölle eine Revolution angezettelt haben.

Diese Revolution soll durch militante Engel niedergeschlagen werden, die alles andere als zimperlich mit ihren Gegnern umgehen. Doch die Zahl der Verdammten ist gigantisch, denn die Erde wurde durch einen globalen Atomkrieg nahezu entvölkert; auch der Schöpfer selbst ist tot. In der Hölle herrscht Anarchie, und die Dämonen, einst zum Zwecke der Unterdrückung und Folter produziert, werden von ihren einstigen Opfern versklavt und gejagt, denn im Gegensatz zu den Engeln und Verdammten sind die Dämonen in der Hölle sterblich. Vee gelingt die Flucht in das sogenannte Konstrukt, eine riesige Anlage, unterteilt in mehrere Ebenen. Dort erreicht sie eine Stadt der Verdammten, die von religiösen Fanatikern regiert wird. Vee soll ihnen helfen, ihren Vater zu befreien, der als ehemaliger Fernsehprediger zu den Führern der Rebellion gehörte. Doch Vee bleibt skeptisch, als sie sieht, wie die Menschen in der Hölle hausen …

„Der Untergang der Hölle“ ist die indirekte Fortsetzung von Jeffrey Thomas‘ Meisterwerk „Tagebuch aus der Hölle“, das zu den Höhepunkten der Reihe „Horror Taschenbuch“ des Festa Verlags gehört. Dieses Mal erzählt Thomas die Geschichte aus der Sicht einer jungen Frau, die ihr Gedächtnis verloren hat und sich kurzerhand Vee nennt. Obwohl der Anfang des Romans etwas langatmig geschrieben ist, wartet der Autor bereits dort mit sehr originellen und schaurigen Ideen auf. In seinen Werken zeichnet Jeffrey Thomas ein Bild der Hölle, wie es düsterer nicht sein kann.  Das Buch liest sich teilweise wie ein Horror-Roman, teils aber auch wie eine bitterböse Satire, in der der Autor sich äußerst kritisch mit den Themen Glaube, Religion und Fanatismus auseinandersetzt. Dabei geht er von der Annahme aus, dass das Christentum die einzig wahre Religion sei und deshalb jeder, der nicht nach ihren strengen Richtlinien gelebt hat, in der Hölle strandet.

Doch Mensch bleibt Mensch, sodass die Christen sich auch in der Hölle größtenteils nicht sonderlich vorbildlich benehmen. Ein besonders eindringliches Beispiel dafür ist die Verwendung von südamerikanischen Indios als Fleischlieferanten für die christlichen Rebellen. Da kein Mensch in der Hölle sterben kann und sich die Körper dauerhaft regenerieren, geht ihnen der Nachschub niemals aus. Dieser Kannibalismus ist umso perverser und verstörender, da die Verdammten lediglich aus Gewohnheit essen und nicht, um sich am Leben zu erhalten. Das sprechende, knöcherne Gewehr namens Jay gehört dagegen zu den eindeutig satirischen Elementen der Geschichte, wobei dem Autor die Wanderung auf dem schmalen Grat zwischen Ernsthaftigkeit und trockenem Witz bestens gelungen ist.

„Der Untergang der Hölle“ ist aber weit mehr als ein bloßer Dark Fantasy-Roman über eine Rebellion in der Unterwelt. Es handelt sich um eine geradezu blasphemische Allegorie auf den christlichen Schöpfungsmythos, der hier seine Erneuerung erlebt. Nicht umsonst ist Vee lediglich ein Anagramm von Eve, der englischen Entsprechung des Namens Eva, der ersten Frau von Adam, der übrigens auch im Roman vorkommt. Anfangs ein Verdammter unter vielen übernimmt Adam, der sich in einem Anfall von Galgenhumor fortan nur noch Armdran nennt, an der Seite von Vee eine Schlüsselrolle im Kampf um die Freiheit in der Hölle. Vee und Adam müssen nämlich im höllischen Konstrukt aus den untersten Ebenen der Unterwelt den Aufstieg wagen, dorthin, wo angeblich der Schöpfer zu finden ist, beziehungsweise das, was von ihm übriggeblieben ist.

Der vorliegende Roman ist gewiss kein Werk für konservative Katholiken, sondern für Leser anspruchsvoller fantastischer Literatur, die sich durchaus kritisch mit elementaren Themen der menschlichen Gesellschaft auseinandersetzen wollen. Im Gegensatz zum Vorgänger fehlen hier leider die kunstvollen Innenillustrationen von Erik Wilson. Dafür erfährt der Leser, was aus den Protagonisten von „Tagebuch aus der Hölle“ geworden ist. Allerdings kann man den vorliegenden Band auch separat genießen, ohne dass man den oben genannten Roman kennen muss. Es lohnt sich! Als exklusiver Bonus beinhaltet das Buch eine Kurzgeschichte, in der der Autor eine weitere Episode aus Vees Odyssee schildert. Das beinahe epische Titelbild stammt von der Künstlerin Anna Bastrzyk und passt, rein symbolisch betrachtet, hervorragend zu Titel und Inhalt.

Famos geschriebener, düster-fantastischer Roman zwischen Anspruch und Unterhaltung. Gespickt mit originellen Einfällen und satirischen Elementen erzählt Thomas eine Geschichte, in der die Hölle lebendig wird.

Copyright © 2013 by Florian Hilleberg (FH)

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