Der Vampyr

Wolfgang Hohlbein
Der Vampyr

Die Chronik der Unsterblichen 2
Egmont Lyx, Köln, 09/2007, Neuauflage des erstmals bei Egmont vgs erschienenen Hardcovers, Köln, 2000
PB, Mystery, Grusel, Fantasy, 978-3-8025-8133-5, 345/1495
Titelbild von Maximilian Meinzold

www.egmont-lyx.de
www.hohlbein.net

Wolfgang Hohlbein ist einer der Bestseller-Autoren, die ihren Erfolg dadurch festigen konnten, indem sie mit der Zeit gegangen sind und sich immer dem aktuellen Trend angepasst haben. So ist auch das Vampirthema nicht spurlos an ihm vorüber gegangen. Mit der Saga „Die Chronik der Unsterblichen“ hat er seinen eigenen Mythos um die Blutsauger verfasst und alte mit neuen Vorstellungen verbunden:

Held der Geschichte ist der Schwertkämpfer und Söldner Andrej Delãny, der nach langen Jahren nach Hause zurück kommt und dort nur Ruinen und Tote vorfindet. Der einzige Überlebende, ein junger Vetter namens Frederick, erzählt von denen, die dafür verantwortlich sind. Männer in goldenen Rüstungen haben viele getötet, die Häuser zerstört und den Rest der Dorfbewohner einfach verschleppt.

Um Rache zu nehmen, setzt sich Andrej mit dem Jungen auf die Fährte der Mörder, die ganz offensichtlich der Inquisition angehören, und muss erfahren, dass sie es ganz allein auf ihn abgesehen haben. Denn im Schloss des Grafen Bathory enthüllt sich ihm eine schreckliche Wahrheit über sich selbst.

Auch wenn Andrej schwer an der Schuld zu tragen hat, so will er doch nicht die überlebenden Dorfbewohner im Stich lassen, die inzwischen an den Piraten und Sklavenhändler Abu Dun verkauft wurden. Er und Frederick geraten ebenfalls in die Gewalt des Sarazenen und sehen einer ungewissen Zukunft entgegen, als plötzlich ein Unbekannter in Drachenrüstung auftaucht und ein grausames Gemetzel unter der Mannschaft und den Gefangenen anrichtet.

Nur wenige – unter ihnen Abu Dun und die beiden Helden – überleben das Massaker. Sie folgen der blutigen Spur des Unbekannten und finden heraus, dass sie es mit Vlad Tepesch, auch ‚Der Pfähler’ genannt, zu tun haben, der nicht nur im Kampf gegen die ungläubigen Feinde sondern auch gegenüber seinen eigenen Untertanen keine Gnade zeigt.

Als Vlad Tepesch herausfindet, von welcher Art Andrej Delãny ist, versucht er alles, um ebenfalls an das Geheimnis der Unsterblichkeit zu kommen – und müsste er dafür auch weiter über Leichen gehen. Es ist nun an dem jungen Krieger, sich für die richtige Seite zu entscheiden.

Wolfgang Hohlbein benutzt ganz bewusst den „Dracula“-Film von 1992 unter der Regie von Francis Ford Coppola und mit Gary Oldman in der Titelrolle als Vorlage für sein Setting. Kennt man den Film, hat man ganz deutlich die entsprechenden Bilder vor Augen, die ein sehr düsteres und blutiges Bild Osteuropas im 16. Jahrhundert zeichnen.

Dementsprechend scheut er sich auch nicht, in den entsprechenden Gewaltorgien zu schwelgen und seine Helden bis zum Äußersten zu treiben. Wieder müssen Andrej Delãny und sein junger Freund Folter und Grausamkeiten überleben und mit ansehen, wie ihre Freunde sterben.Allein die Tatsache, dass einer ihrer Gegner am Ende fällt, ist zumindest eine kleine Genugtuung. Beide sind am Ende des Buches wesentlich abgebrühter und kälter als am Anfang; sie verlieren tatsächlich immer mehr von ihrer Menschlichkeit. Allerdings sollte man keine Charakterstudien erwarten, denn der Autor hat dies auf ein Mindestmaß reduziert, genauso wie die Ausarbeitung der Nebenfiguren.

Im Vordergrund stehen weiterhin die actionreichen Abenteuer von Andrej und Frederick, garniert mit vielen plakativen Horroreinlagen und Schockeffekten – und das funktioniert ausnehmend gut.

Und so ist auch „Der Vampyr“ als zweiter Teil „Der Chronik der Unsterblichen“ in erster Linie kurzweilige und abenteuerliche Unterhaltung ohne weitere Hintergedanken. (CS)

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Der Vampyr. Die Chronik der Unsterblichen 02.

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