Der vergessene Friedhof

Markus K. Korb
Der vergessene Friedhof

Saramee 1
Atlantis Verlag, Stolberg, 9/2005
PB, Fantasy, 978-3-936742-51-0, 72/490
Titelillustration von Chris Schlicht
Vorwort von Chris Weidler
www.atlantis-verlag.de
www.saramee.de
www.markus-k-korb.de/
www.dreamspiral.de

Die Stadt Saramee – ein Schmelztiegel von Abenteurern, Glücksrittern, Vertriebenen und verlorenen Existenzen auf der Suche nach einem neuen Weg zum Leben, Ruhm, Reichtum und einen Neuanfang in ihrem Dasein ist Schauplatz der gleichnamigen Serie, die mit diesem Band startet. Insoweit eine interessante Location, die Raum für möglichst viele Plots und Charaktere bietet.

Das Projekt ist laut Verlagsseite inspiriert von Robert Asprins „Diebeswelt“. Das bisherige  Team Chris Weidler, Chris Schlicht, Sylke Brandt, Markus K. Korb, Martin Hoyer, Karl-Georg Müller, Dirk Wonhöfer, Michael Schmidt und Christian Endres hat eine faszinierende Welt erschaffen, in die der Leser seit Januar 2005 zunächst in einer 11-bändigen Romanserie eintauchen konnten. Seit 2007 erscheinen 200-Seiten-Paperbacks mit einer größeren Anzahl Storys pro Band und in einem sehr liebevollen, künstlerischen Layout.

Serienauftaktbände haben es immer schwer und so war es von Chris Weidler, dem Herausgeber und Redakteur von „Saramee“, klug gewählt, sich für den ersten Roman Markus K. Korb ins Boot zu holen. Dieser hat einen routinierten Opener zu Serie verfasst, dem aber manchmal erzählerisch ein wenig das ‚Feuer’ fehlt.

Die Einleitung stammt aus der Feder von Chris Weidler, an der sich der Romantext, der der Länge eines Heftromans entspricht, anschließt. Er verfasste ein Gespräch, in der Bewohner der Stadt über ‚Die Natter’, einen Auftragskiller, der in Saramee mordet, debattieren und spekulieren, wer sich wohl hinter dem Namen verbirgt. In dieser Diskussion fällt auch zum ersten Mal der Name ‚Kronn’. Der Söldner, der den „vergessenen Friedhof“ im Dschungel entdeckte.Und somit ist der Weg für Markus K. Korbs Auftakt geebnet.

Kronn, muskulös und blond betritt die Bildfläche und führt den Leser an den ersten Charakter der Serie heran: Kronn wird gefesselt und von Piraten ins Wasser gestoßen.

Während er tiefer sinkt, durchzucken ihn Erinnerungen der Geschehnisse auf der Kriegskaravelle ‚Safir’ unter Führung des einäugigen Kapitäns, die von Piraten überfallen wurde, welche die Besatzung bis auf Kronn und seinen Freund Kaschemm niedermetzeln.

Kronn sinkt im Wasser tiefer – an einem Schiffswrack vorbei -, kann seine Fesseln an einer Muschelkolonie zerschneiden, sich seiner Fußfessel entledigen und an die Wasseroberfläche retten. Dort wird er von einem ‚Zahnfisch’ (Schlächterfisch) angegriffen und – wie praktisch – kann einer im Wasser schwimmenden Leiche die Waffe entwenden und sich des Fisches, dem sich rasch weitere hinzugesellen, erwehren.

Entkräftet landet Kronn am Strand unweit der verlassenen Feuer-Zitadelle Grodak und schleppt sich in das Innere des Bauwerkes, wo er auf eine Falltür stößt, die in den Keller der Turmes führt – und zu einem Brunnen. Kronn begibt sich wieder nach draußen und hört des Nachts eine weibliche Stimme, die ihn lockt: Komm in die Zitadelle! Rette mich!, und eine in weite Gewänder gekleidete Nebelgestalt erscheint ihm.

Kronn folgt dem Ruf  und findet im Keller der Zitadelle ein eingemauertes Skelett mit einem Schriftstück, das die Eingemauerte (Ligeia Orgamo) verfasst hat und liest, dass die Frau auf dem Schiff ihres Vaters unterwegs gewesen und dieses von Piraten überfallen und versenkt worden war. Die Freibeuter nahmen Ligeia mit in ihr Versteck (Höhle unter der Zitadelle), um aus ihr herauszupressen, ob sich in dem Wrack des versenkten Schiffes eine Schatzkarte befindet.

Kronn vermutet, dass es das Wrack ist, das er unter Wasser gesehen hat. Während er noch darüber nachsinnt, wird er plötzlich von einem Tentakel-Wesen, das sich aus dem Brunnen des Kellers erhebt, angegriffen. Kronn kämpft dagegen an und verletzt den Kraken tödlich.

Kronn lässt sich daraufhin in den Brunnenschacht hinab, um in die Höhle der Piraten zu gelangen und entdeckt tatsächlich deren Versteck und eine darin befindliche Fregatte. Er stößt auf die Piraten der sarameeischen Küsten, die ihn ins Wasser gestoßen hatten, und gerät erneut mit ihnen in einen Kampf, schlägt ein Loch in die Schiffswand der Fregatte und rudert mit einem Beiboot auf das offene Meer in die Richtung des Wracks und findet schlussendlich die Schatzkarte.

In Saramee ist derweil eine Seuche ausgebrochen – der ‚Rote Tod’ –, die die Erkrankten am ganzen Körper bluten lässt.

Kronn, Söldner im Dienste der Torwächtergilde, ist auf der Suche nach dem vergessenen Friedhof und einem Goldschatz, der in einer Gruftkatakombe liegen soll. In einer der Grabkammern entdeckt er einen Altar, beobachtet Angehörige des Volkes Xer – Söhne, die den Leichnahm ihres Vaters in die Gruft bringen – und wird Zeuge der kannibalischen Beerdigungsbräuche der Xer.

Danach kämpft sich Kronn durch ein unterirdisches Labyrinth und landet in einer Gruft mit Steinsarkophargen, öffnet einen und findet darin ein Wesen der Alten Rasse. Kronn folgt weiter den Gängen des Labyrinths, verliert die Orientierung und findet sich vor einem Abgrund wieder.  Eine Steintreppe führt ihn hinab in einen deckenlosen Saal – wenig später stößt er auf seltsame Wesen und auf die Ursache der Seuche, die in Saramee ausgebrochen ist.
Mehr sei nicht verraten.

Im Anschluss des Romantextes findet der Leser eine Information über „Saramee“, Kurzvorstellungen von Markus K. Korb, Chris Weidler und Chris Schlicht und es folgt eine Vorschau auf Band 2. Also, alles schon recht solide und informativ!

Die kleinen Kinderkrankheiten, die an diesem Band noch erkennbar sind, sind vertretbar – beispielsweise sind der Satz und das Layout noch nicht optimal. Wie die Kapitel, die üblicherweise – so auch in diesem Fall – mit einer neuen Seite beginnen. Nur auf S. 56 wurde das nicht so gesetzt. Doch das ist bei einem Auftaktband noch völlig legitim und schmälert das Interesse an „Saramee“, das einen beim Lesen sofort befällt, nicht.

Das einzige wirkliche Manko ist das mangelnde Lektorat, das neben den orthografischen Fehlern, auch die stilistischen Ecken und Kanten hätte beseitigen müssen, um den Text durchweg flüssig zu machen.

Das hindert den Einstieg in die Serie aber keineswegs. Nach Band 1 ist man neugierig auf „Saramee“ und seine Bewohner – und alles, was sie ausmacht, und will viel mehr über sie erfahren.

Die Aufmachung ist generell schlichter, als sie es mittlerweile bei den dankenswerterweise seitenstärkeren Bänden ist, doch Chris Schlicht, die die Serie künstlerisch betreut, hat mit ihrem markanten Zeichenstil, der auf jeden Fall einen Wiedererkennungswert besitzt, der Serie ihren illustratorischen Fingerabdruck verliehen.

Alles in allem ist bei „Saramee“ aber schon nach dem ersten Band ein gehöriges Potential erkennbar, und dieses macht neugierig, was die Autoren in den Folgebänden daraus machen werden. Markus K. Korb hat jedenfalls einen ersten wichtigen Stein des Serienfundaments gelegt und dem Leser erste Schritte in die Stadt „Saramee“ ermöglicht.

Bd. 1 liefert einen viel versprechenden Serienstart, der das Interesse an „Saramee“ weckt und Lust auf mehr macht! (AB)

Titel bei Amazon.de
Saramee 1: Der vergessene Friedhof

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.