Die Flüsse von London

Ben Aaronovitch
Die Flüsse von London
Peter Grant 1

Rivers of London, GB, 2011
dtv-Verlag, München, 01/2012
PB, Mystery-Thriller, Urban Fantasy
ISBN 978-3-423-21341-7
Aus dem Englischen von Karlheinz Dürr
Titelgestaltung von Lisa Helm

www.dtv.de

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Der Farbige Peter Grant, frischgebackener Police Constable der Metropolitan Police in London, steht am Ende seiner zweijährigen Zeit als Bobby und sieht sich der Gefahr gegenüber, künftig hinter einem Schreibtisch zu versauern, woran er nicht völlig schuldlos ist, denn Peter ist ein wahrer Träumer und nicht unbedingt von großem Ehrgeiz beseelt. Doch das Blatt wendet sich in letzter Minute, als ihm in Covent Garden an der Fundstelle einer Leiche ein waschechter Geist erscheint. Ein kleinwüchsiger Mann in einem schäbigen, altmodischen Anzug und mit lädiertem Zylinder. Er behauptet den Mord gesehen zu haben, stellt sich als Nicholas Wallpenny vor und gibt an tot zu sein … und das seit 120 Jahren. Der Geist schildert Peter Grant den Mord und dass der potentielle Mörder Gesicht und Kleidung ‚wechselte‘.

In Peter steckt mehr, als sein furztrockener Vorgesetzer Inspector Francis Neblett glaubt, denn der junge Polizist verfügt über eine magische Gabe, und ehe er sich versieht, wird er der erste Zauberlehrling seit fünfzig Jahren in einer Sondereinheit. Sein neuer Vorgesetzter – sein neuer Meister –, den er trifft, als er erneut nach ‚seinem Geist‘ Ausschau hält, ist der gut aussehende Detective Chief Inspector Thomas Nightingale, Leiter der Abteilung ‚Wirtschaftskriminalität und Spezialermittlungen‘ und ein Zauberer obendrein. Fortan ermitteln Peter und Nightingale gemeinsam weiter.

Der Tote aus dem Covent Garden stellt sich als William Skirmisch heraus. Peter nimmt dessen Hund Toby mit nach Hause, in der Hoffnung, dass der Hund ihnen vielleicht bei der Suche nach dem Mörder seines Herrchens hilfreich sein könne. Als er und Nightingale mit dem Hund den Tatort abgehen, erscheint der Geist von Wallpenny erneut. Er warnt Peter vor Nightingale. Dieser wäre einer ‚der berührt worden sei und rät Peter, Nightingale nach seinem Geburtsjahr zu fragen. Lesley May, klein, blond und sehr attraktiv, ist wie Peter ebenfalls bei der Metropolitan Police, aber erheblich ehrgeiziger und bodenständiger. Peter fragt sich seit einer Weile, wie er die hübsche Lesley in seine Laken bekommt – ohne Erfolg.

Doch bald hätte er für amüsante Schäferstündchen ohnehin keine Zeit mehr, denn Peters und Nightingales erste Spur führt zu dem Fernsehproduzenten Brandon Coopertown. Als die beiden zusammen mit Lesley bei den Coopertowns eintreffen, um diese zu befragen, werden sie Zeugen einer Tragödie. Coopertown wirft sein Baby aus dem Fenster und tötet seine Frau. Er selbst ist im Gesicht grauenvoll entstellt und kommt ebenfalls zu Tode. Die Obduktion seiner Leiche ergibt, dass seine Gesichtsdeformierung einen magischen Ursprung haben muss. Aber welchen? Und aus welchem Grund? Peter wird parallel zu der Suche nach dem Mörder Nightingales Zauberlehrling; die Lehrzeit beträgt zehn Jahre. Peter zieht in das Haus seines Meisters – dem Folly, der offiziellen Residenz der Magie seit 1775 (Gründer Sir Isaac Newton). Neben Nightingale, Peter und Toby lebt dort noch Molly, das Mädchen für alles, das – wie Peter bald feststellt – viel älter sein muss, als es den Anschein erweckt. Und nicht nur sie.

Die sonderbaren Vorfälle in London häufen sich: Eine Frau knallt in einem Kino plötzlich durch und greift andere an. In einem Krankenhaus tritt ein Verletzter dem Notarzt ins Gesicht und beißt um sich. Aber auch Peters Welt wird immer mysteriöser. So hört er zum ersten Mal von der Flussgöttin ‚Mutter Themse‘ und dem Flussgott ‚Vater Themse‘. Und ab da wird es wirklich fantastisch. Nightingale und Peter begegnen dem Troll Nathaniel, Peter sucht Mrs Themse auf, die sich als attraktive Nigerianerin entpuppt. Sie erzählt Peter, dass sie 1957 nach London kam, noch keine Göttin war und wie sie zu einer wurde. Damit nicht genug ist Peter bei einem ‚Einsatz‘ dabei, bei dem Nightingale zwei Vampire vernichtet. Nebenbei lernt Peter immer besser zu zaubern. Aber er verfolgt auch den Fall weiter, indem er den Notarzt im Auge behält, ob sich dieser nach dem Angriff des Patienten eventuell auch auffällig verhält, sprich, sich ‚verwandelt‘. Peter zur Seite steht die junge, hübsche Beverly Brook, ein Flussgeist, in die sich Peter mehr und mehr verliebt. ‚Nebenbei‘ wird er auch noch in den Streit des herrlich durchgeknallten ‚Themse-Familienclans‘ involviert, die die titelgebenden „Flüsse von London“ darstellen. Zusammen mit Nightingale überlegt er, wie er diesen Konflikt beilegen kann.

Und dann geht ihnen auch in dem Fall endlich ein Licht auf, denn der trägt deutliche Parallelen zu „Die Tragische Komödie“ oder „Die Komische Tragödie“ von Punch und Judy, wie Giovanni Piccini sie 1827 John Payne Collier erzählte. Jemand führt mit Menschen dieses Stück auf – aber wer? Und warum? Peter landet bei seinen Recherchen bei Wiedergängern. Als einen solchen vermuten er und Nightingale auch den Täter und wollen ihn ausfindig und vor allem unschädlich machen. Durch ein Ritual beschwört Peter Wallpennys Geist erneut herbei, bittet ihn um Hilfe und erhält von ihm einen Namen: Henry Pyke – ein magiehungriger Wiedergänger.

Soweit zu dem Roman „Die Flüsse von London“, der bestens unterhält. Das ist spannend, schräg, frisch, humorvoll und kurzweilig – und obendrein phantastisch. Ein wahrer Pageturner und würdiger Auftaktband der Peter Grant-Serie, der Lust auf mehr macht. Die Mischung stimmt und bietet Raum für weitere tollkühne Abenteuer, in die der moderne „Zauberlehrling“ geraten kann – und hoffentlich auch wird. Man will einfach nach diesem Band wissen, wie es mit Peter Grant und allen anderen weitergeht. Die Aufmachung des Bandes ist ordentlich. Einziges Manko, das Lektorat hat nicht optimal gearbeitet. Im gesamten Titel werden z. B. Dialoge „genickt“. Das soll mal einer vormachen, ein „Guten Tag, Frau …“ verbal zu „nicken“. Werden solche Schnitzer ab Band 2 noch angeglichen, gibt es keinen Grund zur Klage mehr. So oder so ist „Die Flüsse von London“ ein wahrer Lesegenuss und absolut empfehlenswert. Diana Gabaldon nannte dieses Werk zu recht „eine einzige witzige Kapriole“. Das ist es in der Tat.

Ein fantastischer und durchgeknallter Krimi, Pageturner und würdiger Auftaktband einer vielversprechenden Serie. Absolut empfehlenswert.

Copyright © 2013 by Alisha Bionda (AB)

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