Die Gabe der Magie

Kathleen Duey
Die Gabe der Magie
Die Akademie der Magier 1

Skin Hunger, USA, 2007
Penhaligon Verlag, München, 3/2009
HC mit Schutzumschlag
Fantasy
ISBN 9783764530242
Aus dem Amerikanischen von Marianne Schmidt
Titelgestaltung von HildenDesign, München unter Verwendung einer Illustration von Marta Dahlig
www.penhaligon.de
www.kathleenduey.com/
http://kathleenduey.blogspot.com/
www.hildendesign.de

Sadimas Geburt ist gleichzeitig der Tod ihrer Mutter – durch die Hände einer angeblichen Magierin, die die junge Frau verbluten lässt und die Familie ausraubt. Entsprechend groß ist der Hass des unglücklichen Vaters und Micahs, Sadimas Bruder, auf alles, was mit Zauberei zu tun hat. Sadima, die bereits als kleines Mädchen die Sprache der Tiere versteht, muss darum diese Fähigkeit geheim halten. Trotzdem erregt sie das Interesse eines jungen Magiers. Franklin bittet sie, zu ihm in die Stadt zu kommen, denn er ist davon überzeugt, dass sie ihm und seinem Freund, dem exzentrischen und arroganten Somiss, bei ihren Forschungen eine große Hilfe sein könnte. Nachdem auch der Vater gestorben ist und Micah ein Mädchen aus der Nachbarschaft heiraten will, gibt es nichts mehr, was Sadima in ihrem tristen Heim hält, und sie hat Franklin nicht vergessen.

Es gelingt ihr tatsächlich, ihn zu finden. Zunächst steht Somiss Sadima ablehnend gegenüber, aber da sie sich als Haushälterin nützlich macht, Geld in einer Käserei verdient und schon bald ein weiteres Talent beweist – sie kann seine Aufzeichnungen leicht und schnell kopieren und bringt sich schließlich selbst heimlich das Lesen und Schreiben bei -, lässt er sie bleiben. Bald erkennt Sadima, dass er sie und Franklin, die sich ineinander verliebt haben, argwöhnisch beobachtet und gegeneinander ausspielt. Um die alte, echte Magie wieder zu beleben und die falschen Zauberer zu entlarven, ist Somiss jedes Mittel recht. Falls einer seiner Helfer gegen die Regeln verstößt oder ihn verlassen will, wird der andere dafür büßen…

Einige Jahre später wird Hahp wie ein knappes Dutzend anderer Jungen an die Akademie der Magier geschickt. Bisher war er eine Enttäuschung für seinen ehrgeizigen Vater, und dies soll nun die letzte Chance sein, dass Hahp der Familie Ehre einbringen kann: Entweder er besteht die Prüfungen – oder ein unbekanntes, grausiges Schicksal erwartet ihn hinter den Mauern der Akademie. Hahp bezweifelt, dass er es schaffen wird, denn schon an den ersten Prüfungen wäre er gescheitert, hätte er sich nicht seinem Zimmergenossen Gerrard angeschlossen, den die Straße das Überleben gelehrt hat. Allerdings will Hahp am Leben bleiben, denn es scheint, als wäre die Drohung, dass jeder sterben wird, der die hohen Erwartungen nicht zu erfüllen vermag, kein leeres Gerede: Einige der Jungen verhungern, da sie nicht lernen, wie sie sich etwas zu Essen herbei zaubern können!

Und die Prüfungen werden immer schwerer. Somiss, Franklin und die anderen Magier sind harte Lehrer, denen es egal ist, was aus ihren Schützlingen wird. Hahp und Gerrard beschließen, einander entgegen der Regeln zu helfen, denn sie haben erkannt, dass sich ihre Talente ergänzen. Werden sie es gemeinsam schaffen und überleben – oder kann es am Ende nur einen geben?

„Die Gabe der Magie“ von Kathleen Duey ist der erste Band einer Fantasy-Trilogie und versteht sich als All Age-Book. Es gibt zwei Handlungsebenen, die im Wechsel vorangetrieben werden. Zum einen wird erzählt, wie das Mädchen Sadima nach einer entbehrungsreichen Kindheit zu einer intelligenten jungen Frau erblüht und um den Mann zu kämpfen beginnt, den sie liebt. Die anderen Geschehnisse spielen sich Jahre später ab und beschreiben das Schicksal von Hahp, Gerrard und einigen anderen Jungen, die die Zauberei erlernen sollen und von ihren arroganten Lehrern qualvollen Prüfungen unterzogen werden: Wer sich nicht weiter entwickelt, stirbt.

Verknüpft werden beide Stränge durch die Magier Franklin und Somiss. Das wird schnell deutlich, aber erst nach einigen Seiten kristallisiert sich heraus, dass die Ereignisse nicht parallel ablaufen. Damit kennt man praktisch den Ausgang einer Handlungsebene und weiß, dass die Forschungen der ungleichen Freude von Erfolg gekrönt sind. Welchen Preis sie und Sadima dafür zahlen müssen, bleibt zunächst offen, doch darf man aufgrund vager Hinweise spekulieren, dass er hoch ist und es vielleicht keine Zukunft mit Sadima geben wird.
Der Roman hat, was wenig überrascht, keinen Höhepunkt und keinen runden Abschluss. Trotzdem folgt man neugierig der Erzählung, da der Stil der Autorin angenehm zu lesen ist und die ständigen Wechsel zwischen Sadimas und Hahps Geschichte für genug Spannung sorgen. Letztlich ist man gezwungen, auf die beiden in Planung befindlichen Fortsetzungen zu warten, möchte man erfahren, wie es weiter geht und welches Schicksal die Protagonisten erwartet.

Man sympathisiert vor allem mit Sadima, die sich in einer von Männern dominierten Welt – Frauen dürfen keine Kenntnisse im Lesen und Schreiben besitzen, Magie ist verpönt, strenge Gesetze reglementieren das Leben – behaupten und viele Opfer auf sich nehmen muss, dabei von Franklin wenig Unterstützung erhält. Auch für Hahp, der in seinem jungen Leben wenig Liebe erfuhr und dessen Schicksal ständig auf des Messers Schneide steht, empfindet man Mitleid. Franklin ist zwar nicht böse, aber ein Schwächling, der sich in allem den Wünschen seines Freundes, der eigentlich sein Herr ist, fügt. Somiss ist ein arroganter Adliger, in dessen Augen andere Menschen und ihre Anliegen bedeutungslos sind und der seine Ziele über alles stellt. Wie skrupellos er tatsächlich ist, zeichnet sich ab, als Sadima einem seiner Geheimnisse auf die Spur kommt – und mit einem kleinen Cliffhanger endet der Band.

Zwar sind einige Protagonisten sehr jung, aber allein deswegen „Die Gabe der Magie“ als All Age-Fantasy zu bezeichnen, ist nicht Grund genug. Tatsächlich geht es stellenweise sehr grausam zu, so dass man den Roman lieber einem Publikum ab 15 Jahren mit Lese-Erfahrung ans Herz legen möchte. Kathleen Duey schildert überzeugend, wie die Geschichte der Magie aufgerollt und vergessene Zauber neu entdeckt werden. Ihre Charaktere sind interessant und haben nachvollziehbare Motive, agieren aber mitunter skrupellos und selbstsüchtig, so dass nicht jeder sympathisch erscheint. Leider endet der Band, als es richtig spannend wird – und nun muss man geduldig auf den nächsten Teil warten. (IS)

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