Die goldene Kriegerin

Federica de Cesco
Die goldene Kriegerin

cbj-Verlag, München, 1. Auflage: 3/2009
HC mit Schutzumschlag
Jugendbuch, historisches Drama, Romance, Fantasy
ISBN 9783570132203
Titelgestaltung von zeichenpool, München unter Verwendung von Motiven von gettyimages/BLOOMimage und Shutterstock/Valentin Vassileff/Andraz Cetar
Karte von gettyimages (RF/Stockbyte/The Map House of London)
Autorenfoto von Kazuyuki Kitamura
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Tomoe Gozen ist als historische Figur umstritten. Sie taucht im „Heike-Monogatari“, aber auch in anderen Quellen auf, doch nicht immer stimmen die Angaben überein. Vielleicht kann man sie als Platzhalterin für alle klassischen Samurai-Kriegerinnen sehen, die im japanischen Mittelalter Waffen trugen, als Spione fungierten, ihre Herren verteidigten und aktiv an Kampfhandlungen teilnahmen.

Nicht zum ersten Mal inspirierte ihre Person die Autoren: Jessica Salmonson machte Tomoe Gozen zur Titelheldin einer Fantasy-Trilogie, von der Ende der 1970er/Anfang der 1980er Jahre zwei Bände bei Bastei-Lübbe erschienen; der dritte Teil wurde leider nicht in Deutschland veröffentlicht. Auch in den USA ist der Titel bedauerlicherweise vergriffen.
Federica de Cesco, geboren in Italien, wuchs mehrsprachig in verschiedenen Ländern auf. Jetzt lebt sie in der Schweiz und ist mit einem japanischen Schriftsteller und Fotografen verheiratet. Von ihr sind unzählige Romane erschienen, in denen ungewöhnliche Mädchen, die zu starken Frauen heranwachsen, im Mittelpunkt stehen und vor zumeist exotischer Kulisse agieren. Ihnen ist gemein, dass sie sich im Rahmen ihres kulturellen Umfelds einerseits Traditionen beugen müssen, andererseits durch ihre Abstammung viele Freiräume haben oder sich durch spezielle Fähigkeiten schaffen, die die Mehrheit ihrer Geschlechtsgenossinnen nicht kennen.

Das trifft auch auf diese Version von Tomoe Gozen zu. Dabei berücksichtigt die Autorin die Uneinigkeit über den Hintergrund der Figur, indem diese als Tochter der Nakaharas aufwächst und beiläufig erwähnt wird, dass ihre Mutter das Kind von einem Flussdrachen (oder als außereheliche Beziehung) empfing. Als junge Adlige genießt Tomoe Gozen eine angemessene Ausbildung und kämpft an der Seite ihrer Geschwister, sie ist frei in der Wahl ihrer Männer und unterliegt dennoch gesellschaftlichen und politischen Regeln, die ihr Schicksal bestimmen.

Als Tomoe und ihre Geschwister noch klein sind, bekommen sie einen Ziehbruder, der Komao-Maru gerufen wird. Ein Geheimnis scheint sich um den Jungen zu ranken, das die Erwachsenen nicht lüften wollen. Erst nach seinem Mannbarkeitsritus wird enthüllt, dass er Minamoto Yoshinaka ist, der Erbe seines Clans, dem ein Verwandter Unrecht tat.
Um das Verbrechen aufzuklären und den ihm gebührenden Rang einzufordern, lässt sich Yoshinaka auf eine gefährliche Fehde mit seinem Cousin Yoshihira ein – und seine Ziehgeschwister stehen ihm treu zur Seite. Keiner von ihnen ahnt, dass sie von Go-Shirakawa, dem Altkaiser, manipuliert werden. Allein Tomoe erkennt, dass der nominell zurückgetretene Monarch nicht so harmlos ist, wie er sich gibt, denn die Tiere meiden ihn.

Sie kann Yoshinaka jedoch nicht zur Vorsicht ermahnen, denn dieser verfolgt strikt sein Ziel und lässt sich außerdem durch die Aussicht ködern, das Amt des Shoguns zu übernehmen. Der Preis, den sie zu zahlen haben, ist hoch: Yamabuki, Tomoes jüngere Schwester, die Yoshinakas Kind trägt, stirbt im Kampf, und auch Tomoe, die dem Glück der Schwester nicht im Weg stehen wollte und ihre Gefühle verheimlichte, erleidet einen tragischen Verlust. Und der militärische Erfolg ist erst der Anfang vom Ende, denn die Heike/Taira fürchten um ihre Macht, und die Gunst Go-Shirakawas ist nicht von Dauer…

Federica de Cesco beschreibt den Werdegang von Tomoe Gozen, soweit er durch historische Quellen bekannt ist, und ergänzt mit dichterischer Freiheit und einer Prise Fantasy.
Ausführlich wird geschildert, wie das junge Mädchen heranwächst – eine geborene Anführerin, die sich jedoch mit ihren Geschwistern Yoshinakas Ansprüchen unterwirft. Tomoe ist ihm stets eine liebende Schwester, obwohl er sie mehrfach enttäuscht, sei es durch den Verrat wegen der Wildpferde, sei es durch die Zuneigung, die ihn mit Yamabuki verbindet, die als Tomoes Gegenstück mehr häusliche als kriegerische Tugenden aufweist.

Als junge Frau hat Tomoe bereits Verzicht und Verlust kennen gelernt. Sie ordnet ihr persönliches Wohl dem der Menschen, die sie liebt, und dem größeren Ziel unter. Kaum findet sie jemanden, der an Yoshinakas Stelle treten könnte, schlägt das Schicksal erneut zu. Die beiden werden endlich ein Paar, aber die Beziehung hat längst nicht mehr die Bedeutung, die sich Tomoe einst gewünscht hatte. Trotzdem erfüllt sie ihre Pflicht bis zum Schluss und bleibt sich selber treu.

Das untadelige Verhalten der Hauptfigur entspricht einem Ideal, das nur selten erreicht wird. Es hebt die Protagonistin aus der Masse, und auch wenn man mit ihr empfindet, bleibt sie auf Distanz und lädt nicht wirklich zur Identifikation ein. Die anderen Charaktere bleiben größtenteils Statisten bis auf Yoshinaka, Yamabuki, Go-Shirakawa, Taro und Yoshirira, was auch daran liegt, dass die Geschehnisse aus Tomoes eindimensionaler Sicht geschildert werden. Sie erfüllen ihre Rollen als Helfer, Geliebte, Drahtzieher und Feinde.

Hat man andere (in Japan spielende) Romane der Autorin gelesen, fallen einem einige Parallelen auf, beispielsweise die Konzentration auf Nebensächlichkeiten wie die tiefe Beziehung zwischen den Menschen und ihren Pferden, die das Leben in der damaligen Zeit veranschaulichen oder eine besondere Fähigkeit verdeutlichen sollen, aber gleichzeitig Längen schaffen. Geheimnisse um die Geburt der Hauptfigur, der persönliche Verzicht zu Gunsten anderer oder eines wichtigen Plans sind beliebte Themen. Sympathieträger sterben, und nicht immer gibt es ein echtes Happy End.

Die Erzählweise ist recht bedächtig – die Autorin ist schon älter und schreibt in einem Stil, der früher bei Kinderbüchern Gang und Gäbe war. Man findet weder Action-Szenen noch Erotik, selbst wenn Kämpfe oder zwischenmenschliche Momente eingestreut werden. Die Handlung plätschert recht gleichmäßig dahin, ist trotz tragischer Momente nicht spannend, da manche Entwicklungen vorhersehbar oder so phantastisch sind, dass man das Gefühl hat, die Autorin hätte es sich hin und wieder ein bisschen zu leicht gemacht wie beim Gespräch mit dem Stier und seiner die Wende bringenden Unterstützung in der Schlacht.

Unter dem Strich bleibt ein Roman, der sich des Mythos’ um eine namhafte Samurai-Kriegerin annimmt, einen kleinen Einblick in die Geschichte und das Leben im mittelalterlichen Japan gibt, aber zu betulich ist, um Spannung aufzubauen und richtig mitzureißen.

Jüngere Leserinnen zwischen 13 und 16 Jahren, die nicht nur Mangas kaufen, sondern sich auch für Genre übergreifende Romane aus und über Japan interessieren, werden sicher gern einen Blick in das Buch werfen wollen. Ist man mehr der spannenden Fantasy im exotischen Gewand zugetan, kann man nur auf eine Neuauflage von Jessica Salmonsons Trilogie hoffen, die frischen Wind in das Einerlei aus deftigen pananormalen Romanzen, braver Hausfrauen-Fantasy und blutigem Ork-Gemetzel bringen könnte, das gegenwärtig die Verlagsprogramme dominiert. (IS)

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Die goldene Kriegerin

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