Die Jägerin der Finsternis

Jason Nahrung
Die Jägerin der Finsternis

The Darkness Within, Australien, 2007
Goldmann Verlag, München, 11/2008
TB 46654, Horror, Dark Fantasy, 978-3-442-46654-2, 414/895
Aus dem Australischen von Tina Hohl
Titelgestaltung von Design Team München unter Verwendung eines Motivs von Plainpicture/B. O. A., Getty Images/Toase, Getty Images/Stocktreck Images und Corvis

www.goldmann-verlag.de
www.jasonnahrung.com

Emily Winters wird von Pater O’Brian gebeten, das Tagebuch ihrer kürzlich verstorbenen Großmutter bei ihm abzuholen. Statt seiner trifft Emily in der Kirche jedoch auf den mysteriösen Jay, der ihr das Grimoire übergibt und sie nach einigen kryptischen Worten zur Flucht drängt, da angeblich gefährliche Geschöpfe hinter ihr her sind. Tatsächlich ist da etwas Dunkles, das Emily Angst einjagt, darum gehorcht sie.

Als sie anderentags zusammen mit ihrem Nachbarn Brett Samuels in der Kirche nach dem Rechten sehen will, findet sie keine Spuren von dem Kampf, der am Vortag stattgefunden hatte. Auch Jay ist verschwunden, und der Pater scheint wieder nicht zu Hause zu sein. Alles wird noch bizarrer, als nach der Rückkehr in Bretts Wohnung der Tisch, auf dem das Tagebuch gelegen hatte, verbrannt ist und es unversehrt in einem Häuflein Asche liegt. Dann wird Emily auch schon von einem Schatten attackiert, den sie nur mit viel Mühe abwehren kann.

Was war das für ein Ding? Wer will das Grimoire unbedingt in seinen Besitz bringen und warum? Emily verlangt nach Antworten – und Jay soll sie ihr geben. Allerdings hält sich der attraktive Mann zurück, und Zweifel an seinen Behauptungen kommen auf, als Dr. Uhgrau eine ganz andere Version der Geschichte erzählt, in der es um Emilys Familie geht, die seit Generationen mächtige Hexen hervorbrachte.

Schnell wird der jungen Frau klar, dass sie beiden nicht gänzlich vertrauen kann: Uhgrau will um jeden Preis das Grimoire haben; darum entführt er Brett und Emilys Nichte Madeline, die er für die Erbin der magischen Kräfte hält. Jay hütet einige erschreckende Geheimnisse, die er schließlich offenbart – und trotzdem verliebt sich Emily in ihn…

Das Thema ist ebenso wenig neu wie der Umstand, dass ein Autor die Perspektive einer Protagonistin wählt und die Geschehnisse aus ihrer Sicht schildert. Dennoch gelingt es Jason Nahrung hervorragend, die Story so aufzubauen, dass sie keinen Moment langweilig wird, obwohl viel geredet, gerätselt und häppchenweise ein Familiengeheimnis enthüllt wird, denn regelmäßig baut er kleine und größere Höhepunkte in Form von Action-Szenen und ein wenig Erotik ein. Auch die burschikose Emily kann überzeugen.

Geschickt bastelt Jason Nahrung aus bekannten Versatzstücken des Genres einen spannenden Horror-Roman zusammen, in dem es einmal mehr um mächtige Hexen geht, die von einem nach Macht und Unsterblichkeit hungernden Bösewicht missbraucht werden, bis eine von ihnen es endlich wagt, ihm die Stirn zu bieten und diesen Kreislauf für sich und ihre Nachkommen zu durchbrechen. Ausgerechnet ihr Vertrauter ist es jedoch, der unwissentlich die Jäger erneut auf die Spur jener bringt, die zu beschützen er geschworen hat. Doch der Zufall will es, dass die Magie nicht den üblichen Regeln folgt und eine andere die Kräfte erbt, wodurch die finsteren Pläne der Häscher durcheinander gebracht werden.

Das Buch wartet mit Hexen und Hexer, den Geistern Verstorbener, Vampiren und Dämonen auf. Mit einem Blut saugenden Lover liegt der Autor genau im Trend, wobei er es jedoch vermeidet, den Spannungsbogen durch ein Zuviel an romantischen Szenen zu verwässern. Hat man genug von Katie MacAlister, Lynsay Sands, J. R. Ward & Co. gelesen, dann stellt „Die Jägerin der Finsternis“ eine wirklich willkommene Abwechslung dar, da hier ein anderer Schwerpunkt gesetzt wurde. Das macht das Buch auch interessant für eine männliche Leserschaft.

Die Charaktere entwickeln sich im Verlauf der Handlung weiter. Zunächst ist Emily eine frustrierte Fotografin, die sich mehr schlecht als recht durchschlägt und stets eifersüchtig auf ihre Schwester Darcy war, die sie für hübscher und erfolgreicher hält, und der sie auch neidete, dass sie in gewisser Weise immer bevorzugt wurde. Erst später erfährt sie, dass es Darcy nicht anders erging, da ihre Ehe unglücklich ist, sie sich stets das Selbstbewusstsein und die Intelligenz der Schwester und die starke Bindung zur Großmutter gewünscht hatte. Beide, aber vor allem Emily, verändern sich durch die Geschehnisse – anders haben sie keine Chance zu überleben und ihre Angehörigen und Freunde zu schützen. Auch der schüchterne Brett springt über seinen Schatten. Genauso wie Emily und Darcy als Kontraste gestaltet sind, erscheint er als der Gegenpol zu Jay. Dieser, Uhgrau und die Übrigen erfüllen die ihnen zugedachten Rollen.

Je näher das Ende kommt, umso mehr zieht das Tempo an, um ein Finale zu offerieren, das man so sicher nicht erwartet hätte. Tatsächlich weiß der Autor immer wieder zu überraschen. Die bekannten Motive bereitet er bestens auf, man bekommt alles, was man sich von einem Horror-Roman wünscht, der Stil ist flüssig und angenehm zu lesen – „Die Jägerin der Finsternis“ ist ein Buch, das man jedem Genre-Fan empfehlen möchte. (IS)

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