Die letzte Münze

James P. Blaylock
Die letzte Münze

Heyne / Science Fiction & Fantasy Taschenbuch (4823)
431 Seiten
ISBN 3453050339
Originaltitel: The Last Coin (1988)
Erschienen: 1991
Übersetzer: Ronald M. Hahn
Titelbild: Karel Thole

Alle haben mich gewarnt, doch ich hab’s gelesen. Sogar bis zur letzten Seite; und das war schon ’ne Leistung. 300 Seiten über die kindischen (nicht etwa kindlichen) Aktionen des infantilen „Helden“ Andrew. Wenn’s um mysteriöse Situationen gehen soll, kann man/frau auch gleich zu Meistern wie Gabriel Garcia Márquez oder John Irving greifen und wird allemal besser bedient. Der Nur-SF/Fantasy-Leser sei ohnehin gewarnt, seine letzte Münze für selbiges Buch locker zu machen. Nicht wie vom Verlag verkündet, Fantasy- (einige wenige), SF- (muss mir entgangen sein) und Horror- (wo nur?) Elemente bestimmen die Handlung, sondern eher Stumpfsinn. Mit sehr viel gutem Willen könnte man die Story vielleicht als etwas amüsant, ein wenig unterhaltsam und sehr nervend bezeichnen. Nach den bereits erwähnten Seiten nimmt die Handlung zwar etwas an Drive zu, kann aber den Gesamteindruck des Romans nicht mehr retten. Ein Schwachsinniger greift in den Kampf zwischen Gut und Böse ein, und das Ganze leicht biblisch fundiert. Die Idee ist nicht schlecht, aber die Umsetzung…

Das letzte Gefecht zwischen Gut und Böse, die Apokalypse – irgendwie häufen sich Bücher zu diesem Thema bei mir in letzter Zeit. Erwähnenswert wäre da „Ein gutes Omen“. Mit Sarkasmus und Ironie treiben der englische SF/Fantasy-Autor Pratchett und der amerikanische Comicschreiber Gaiman die Handlung voran, wobei jeder und jedes, und wäre es etwas später geschrieben worden, auch der Herrscher aller Deutschen, sein Ei bzw. Fett abbekommt. Eine kurzweilige Lektüre, die es in sich hat und die vor allem keine schwarz/weiß-Malerei betreibt. Himmel und Hölle sind ziemlich menschlich, also auch mit Fehlern behaftet. Mein Tip: selber lesen, ist fast so gut wie Douglas Adams‘ beste Schreibe.

Das letzte und beste zum Thema ist an dieser Stelle der Illuminatus!-Zyklus von Shea/Wilson. In einer Genre-Mixtur wird hier im Gegensatz zu Blaylock das Ziel erreicht und Querverbindungen werden hergestellt. Verschiedene anarchistisch-esoterische Gruppen befinden sich im heißen und kalten Krieg mit- und gegeneinander. Die Geschichte wird neu aufgearbeitet und es werden neue Mythen geschaffen. Vom Leser wird volle Aufmerksamkeit erwartet und belohnt. Wer sich nicht durch die Sprünge zwischen Handlungs- und Traumebenen und verschiedenen Zeiten und Personen irritieren lässt, hat die Chance (von der Handlung unabhängig) zu einem neuen Weltbild zu gelangen. Ein ganzheitliches Buch, voll auf der New Age Welle, das auch Krimi und Sex nicht unberücksichtigt läßt. Für alle, denen so etwas nicht zu chaotisch ist, ein absolutes Muss. (R. Shea / R. A. Wilson: Illuminatus!, rororo 4577, 4696 4772) (Frank Gießmann)

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Die letzte Münze. Roman. ( Fantasy).

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