Die Magier von Montparnasse

die-magier-von-montparnasseOliver Plaschka
Die Magier von Montparnasse

Verlag: Hobbit Presse Klett-Cotta
ISBN: 9783608938746
Genre: Fantasy
Erschienen: 2009
Umschlaggestaltung: HildenDesign, München
Umschlagillustration: Isabelle Hirtz
Gebundenes Buch mit Schutzumschlag, 428 Seiten
Auszeichnungen: 1. Platz beim RPC-Award 2010, Kategorie Literatur.

www.klett-cotta.de/

Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei Booklooker.de

Zum Buch:

Das Buch besticht schon allein durch das fantastisch aufgemachte Cover. Etwas mittelalterlich angehaucht mit den wichtigsten Romaneigenschaften, Magier oder Zauberer, Assistentin, davor ein stilisiertes Paris als Schnitt und eine unscheinbare Uhr. Auf der vorderen, inneren Buchklappe befindet sich eine Karte des Carrefour Vavin Paris um 1926 und auf der hinteren, inneren Buchklappe ein Stadtplanausschnitt von Paris Montparnasse um 1926.

Zum Inhalt:
 
Zauberer nähren sich von der Verwirrung ihres Publikums wie Vampire von der Unschuld ihrer Opfer. In einem Pariser Varieté ist Ravi der Bühnenzauberer an einem Sonntag bei seinem letzten Bühnenprogramm. Er präsentiert mit seiner Assistentin Blanche, welche auch gleichzeitig seine Geliebte ist, seine zauberhafte Kunst. Bei einem an für sich einfachen und harmlosen Zaubertrick, wo sich beide jeweils in einem gläsernen Sarg befinden, welche sich langsam mit Sand  füllen, lässt sich Ravis Sarg durch den geheimen Mechanismus nicht mehr öffnen. Die Technik versagt. Um seine geliebte Assistentin vor dem sicheren Tod zu bewahren muss Ravi schnell handeln und für seine Zunft etwas Verbotenes tun. Ravi muss das wichtigste Gesetz seiner Zunft brechen. Er muss, was niemand weiß und auch nicht wissen darf zu Rettung seiner Blanche richtige Magie einsetzen, denn er beherrscht richtige Magie. Durch den lebensrettenden Magieeinsatz wird allerdings auch die Société Silencieuse, dies ist wohl die geheime Magierpolizei, auf den Plan gerufen. Diese wachen darüber, dass kein Magier von seiner für den Menschen unwissenden Macht bzw. Magie gebrauch macht.

Die Société Silencieuse entsendet Abgesandte nach Paris, um Ravi und Blanche zu bestrafen. Der Magieeinsatz von Ravi hat für Paris mit all seinen Bewohnern einen schlimmen Nachgeschmack. Denn in Paris stehen nach dem Einsatz der Magie alle Uhren still und die Menschen dort erleben diesen einen Sonntag immer und immer wieder. Sie merken dies nicht, da sie morgens wieder alles vergessen haben. Blanche isst nach ihrem letzten Auftritt einen scheinbar vergifteten Apfel und legt sich aufgrund einsetzender Müdigkeit zu Bett mit den an Ravi gerichteten Worten, sie morgen mit einem Kuss zu wecken. Blanche fällt in einen tiefen Schlaf und aufgrund der Zeitschleife kann sie nicht erweckt werden.

Am nächsten Morgen, es ist wieder der besagte Sonntag, merkt Ravi schnell, dass etwas nicht stimmt. Er durchschaut die Zeitschleife und bemerkt, dass ganz Paris darin fest hängt. Nun treffen auch immer mehr Gäste in dem kleinen Hotel ein, wo Ravi mit seiner schlafenden Blanche für die Dauer ihrer Auftritte nächtigen. Orlando von der Société mit einem komischen und unbekannten Begleiter Namens Chloderic, die Hexe Celeste und der britische und undurchschaubarer Zauberer Barneby. Weiterhin gibt es noch das Hotelpersonal, bestehend aus Justin, das fixe und schnelle Mädchen für alles – für mich die charmanteste und netteste aller Charakteren – Mischa, der russische Angestellte, der gerne und häufig aus Liebeskummer dem Alkohol gut zusagt sowie die Hotelbetreiber als immer streitendes Ehepaar Alphonse und Esmée. Justin scheint die einzige zu sein, die merkt, dass irgendetwas um sie herum nicht in Ordnung ist. So vergehen die Tage, oder besser gesagt immer wieder der besagte Sonntag und alles läuft auf den siebten und letzten Tag hinaus. Dieser Tag entscheidet über das weitere Leben in Paris. Kann Ravi die Zeitschleife durchschauen und irgendwie aufhalten und Paris das normale Leben wieder zurückgeben oder wird Paris untergehen?

Fazit:

Dieser Roman beinhaltet sieben Kapitel, also sieben Mal ein und denselben Tag als die Zeit stehen blieb, und wird im Wechsel aus Sicht der einzelnen Charaktere beschrieben. Wer hier einen klassischen Fantasieroman erwartet, wird wahrscheinlich enttäuscht. Hier erwartet den Leser ein Roman der anderen Art. Der Autor zieht den interessierten Leser immer tiefer in seine Story ein und durch ein geschicktes Wechselspiel der Perspektiven verwirrte er mich immer mehr. Der Leser wird bis fast zum Schluss über das Ende des Buches in Unwissenheit gehalten, was für mich teilweise ärgerlich und auch verwirrend war. Es stellten sich für mich immer mehr Fragen, insbesondere über diese seltsame Zeitschleife.

Die wollte ich irgendwie lösen und Ravi irgendwie mitteilen, um endlich zu einem glorreichen Ende zu kommen. Aber im Nachhinein stellten sich die eigenen Thesen über die Zeitschleife als nicht korrekt heraus. Die Art und Weise wie es zum Ende kam, war für mich seltsam und doch war ich erstaunt. Oliver Plaschka versteht es, den Leser, wenn dieser meint, die Lösung gefunden zu haben, diesen wieder erneut zu verwirren und zum erneuten nachdenken zu bewegen. Dieses Versteckspiel muss man mögen. Ich für meinen Teil hatte hiermit und auch mit den verschiedenen Erzählperspektiven manchmal doch so meine Schwierigkeiten und musste mich so manches Mal aufgrund der teilweisen Langatmigkeit und wenigen Spannungen zum Weiterlesen zwingen, wollte ich doch das Ende wissen. Bereut habe ich es allerdings nicht. Beim Lesen dieses Buches wurde man durch den etwas eigenartigen, aber für den Roman fantastisch passenden Schreibstil in das Jahr 1929 zurückversetzt. Man gewöhnt sich sehr schnell daran.

Oliver Plaschkas Buch Die Magier von Montparnasse ist ein Roman von einer anderen Art. Entweder man mag es und fiebert und recherchiert mit oder man legt es in die Ecke. Ein Buch, was auch aufgrund des etwas eigenwilligen, aber zur Geschichte sehr gut passenden Schreibstils nicht mal so einfach zwischendurch zu lesen ist.

Copyright by Walter Gasper 2010

Titel erhältlich bei Buch24.de
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