Die Mechanik des Herzens

Mathias Malzieu
Die Mechanik des Herzens

La Mécanique du Couer, F, 2007
carl’s books/Random House, München, 06/2012
PB mit Klappbroschur
Fantasy, Märchen, Romance
ISBN 978-3-570-58508-5
Aus dem Französischen von Sonja Fink
Titelgestaltung von semper smile, München unter Verwendung eines Motivs von Random House, UK

www.carlsbooks.com

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„Deine Uhr ist eine Prothese, aber sie ist genauso empfindlich wie jedes andere Herz. Das wird sich nie ändern. Zahnräder filtern Gefühle nicht so gut wie menschliches Gewebe, darum musst du vorsichtig sein. Was da vorhin in der Stadt passiert ist, als du die kleine Sängerin gesehen hast, bestätigt meine schlimmsten Befürchtungen. Wenn du dich verliebst, setzt du dein Leben aufs Spiel.“

Als Jack im April 1874, am kältesten Tag aller Zeiten – „Binnen Sekunden sind die wenigen Passanten, die sich todesmutig vor die Tür gewagt haben, zu Eissäulen erstarrt, als hätte Gott ein Foto von ihnen gemacht.“ – in Edinburgh geboren wird, ist sein kleines Herz gefroren. Um das Herz in seiner lebenserhaltenden Tätigkeit zu unterstützen, setzt ihm die Hebamme Dr. Madeleine eine Kuckucksuhr in die Brust. Da Jacks Mutter ihren Sohn nicht behalten kann, bleibt er bei Madeleine, die ihn aufzieht wie einen eigenen Sohn, denn mit seinem offensichtlichen Handicap findet Jack auch keine Adoptiveltern.  Als Jack eines Tages in der Stadt die Tänzerin Miss Acicia sieht, ist es um ihn geschehen. Zwar hat ihm Madeleine stets eingebläut, sich nicht zu verlieben, da seine Uhr dies nicht aushalten würde, doch Jack setzt alles daran, Miss Acicia wiederzusehen. Gemeinsam mit Georges Méliès begibt er sich auf die Reise nach Andalusien, dem Heimatland der Tänzerin, um seine Angebetete wieder zu sehen.

Doch Miss Acicia hat noch einen weiteren Verehrer, der sie nicht kampflos aufgeben will. „[…] Aber als ich der Sängerin zum ersten Mal begegnet bin, war es, als würde meine Uhr von einem schweren Erdbeben erschüttert. Die Zahnräder ächzten und knirschten, die Zeiger drehten sich immer schneller, ich bekam keine Luft mehr, mir schwirrte der Kopf, alles geriet aus dem Takt.“
„Und, hat es dir gefallen?“ „Es war großartig!“

Als bezauberndes und melancholisches ‚Märchen für Erwachsene‘ wird Mathias Malzieus, seines Zeichens Sänger der exzentrischen französischen Rockband Dionysos, erster Roman angepriesen. Tatsächlich wäre „Die Mechanik des Herzens“ perfekt geeignet, Tim Burton eine Steilvorlage für einen weiteren skurrilen Stop-Motion-Streich à la „Corpse Bride“ zu liefern. Held Jack verfügt über alle Attribute, die ein burtonscher Held mitbringen muss: Eine dramatische Genesis, ein unübersehbares Handicap, nahezu kindliche Naivität und Neugier und bedingungslose Hingabe, hier an die Tänzerin Miss Acicia, die allerdings befremdlich blass bleibt. All das gepaart mit einer selbstverständlichen Skurrilität, was Setting und Nebenfiguren angeht, ergibt tatsächlich einen Roman, der schon thematisch aus der derzeitigen (fantastischen) Buchlandschaft heraussticht.

Doch, ebenso wie die Filme von Hollywoods Quotengoth Burton, unterhält „Die Mechanik des Herzens“ zwar über die Lesezeit – nicht zuletzt aufgrund Malzieus origineller Bildsprache -, erweist sich aber doch als zu gefällig, zu kalkuliert und zu zahnlos, um tatsächlich als ‚mutig‘ bezeichnet zu werden. Irgendwie doch etwas für den Otto-Normal-Leser, der sich das Gefühl verschaffen möchte, sich etwas vermeintlich Originelles ins Regal zu stellen. Auch die Geschichte überzeugt nicht durchgehend, denn nachdem Jack seine Tänzerin wiedergefunden hat, beginnt die Handlung merklich auf der Stelle zu treten, obwohl Jacks alter Widersacher und Rivale um Acicias Gunst wieder auf den Plan tritt. Das Ende des Romans wirkt sogar regelrecht schal und vermittelt den Eindruck, als hätte Malzieu seine Geschichte nur noch irgendwie abschließen wollen.

Die deutsche Ausgabe des Romans – das Original erschien bereits 2007 – erscheint bei der Random House-Tochter carl’s books, die sich für „Belletristik mit Geist und Esprit“ verantwortlich sieht, „die ihren perfekten Auftritt als Paperback hat“ (Verlagswerbung). In der Tat ist „Die Mechanik des Herzens“ für ein Paperback sehr edel gestaltet: Strukturierte Coveroptik, Klappcover, rotes Vorsatzblatt (mit Jacks weißer Silhouette) und natürlich das großartig-romantische Titelbild, auf dem sich Jack und Acicia vor einem riesenhaften Zahnrad umgarnen. Auch Titellayout, Lettering und Satz sind sehr liebevoll ausgefallen und eben nicht von der Stange. Eine Verfilmung des Romans unter der Ägide von Frankreichs Erfolgsproduzent Luc Besson ist in Vorbereitung.

Copyright by 2013 © Elmar Huber (EH)

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