Die Schule der Nacht

Mia James
Die Schule der Nacht
Ravenwood 1

(sfbentry)
By Midnight, GB, 2010
Goldmann Verlag/Random House, München, 09/2012
PB 47771, Romantic Mystery, Horror, Urban Fantasy
ISBN 978-3-442-47771-5
Aus dem Englischen von Anja Galić
Titelgestaltung von UNO Werbeagentur, München unter Verwendung eines Motivs von FinePic; Getty Images/Milk & Honey Creative

www.goldmann-verlag.de
www.ravenwoodmysteries.com

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Die 16-jährige April Dunn zieht mit ihrer kapriziösen Mutter und ihrem engagierten Vater, einem Journalist und Autor, von Edinburgh nach Highgate, einem renommierten Londoner Vorort. Sie ist alles andere als glücklich, denn sie lässt ihr altes Leben, ihre Freunde, allen voran Fiona Donald, und ihre Wunsch-Schule zurück. Nun soll sie in einem etwas heruntergekommenen Haus heimisch werden, sich mitten im Schuljahr in eine Elite-Schule einfügen und neue Freundschaften schließen mit Genies und Kindern von Superreichen. Natürlich ist das Desaster vorprogrammiert. Außer der Außenseiterin Caro Jackson und ihrem Sandkastenfreund Simon Oliver ist niemand nett zu April. Sie fühlt sich von den Lehrern bloßgestellt und von den übrigen Schülern ausgelacht oder sogar gehasst. Daran ändert sich auch nichts, als Davina und Benjamin Osbourne, die zu den ‚coolen Kids‘ zählen, Interesse an ihr zeigen und sie zu einer Halloween-Party einladen.

Angetrunken knutscht April mit Gastgeber Milo Asprey und wird dabei von Gabriel Swift gestört, der sie erst kürzlich von einem Friedhof, auf dem Seltsames vor sich ging, verscheuchte, sie vielleicht sogar vor … etwas … rettete. Auch diesmal greift er ein, doch hüllt er sich hinsichtlich seiner Motive in Schweigen, und der romantische Abend klingt nicht so aus, wie beide es gern hätten. Ihre keimende Freundschaft wird überschattet von dem Mord an einem bekannten Pop-Idol und einer ehemaligen Ravenwood-Schülerin sowie den Geheimnissen, die Gabriel hütet. Außerdem zieht sich April die Feindschaft von Marcus Brent zu, weil sie auf der Party Fotos machte, die einige Rätsel aufgeben. Könnte Caro, die allerlei Verschwörungstheorien verbreitet und sogar von Vampiren redet, Recht haben?

Plötzlich kommt es zu einer Katastrophe für die Dunnes, und auch April gerät ins Fadenkreuz des Mörders. Wem kann sie noch vertrauen? Caro, die sich um Simon sorgt, der die Seiten gewechselt hat? Gabriel, der zur Gegenseite zu gehören scheint? Ihrer Mutter und ihrem Großvater, die offenbar genauso viele Geheimnisse haben wie Gabriel? Der Lehrerin Anabel Holden, die behauptet, April sei eine Furie und damit eine Vampirjägerin?

Gute und schlechte, aber vor allem verliebte Vampire sind immer noch ‚in‘. Mia James orientiert sich mit „Ravenwood“ an Romanen, die in erster Linie an Jugendliche gerichtet sind, wie z. B. Gena Showalters „Unsterblich verliebt (MIRA) oder Claudia Greys „Evernight“ (Penhaligon). Ihnen allen ist gemein, dass junge Protagonisten, die noch die Schule besuchen, mit übersinnlichen Phänomenen und einer Verschwörung konfrontiert werden, durch die sie und ihre Angehörigen in Lebensgefahr geraten. Obwohl sie keine Helden sein wollen, müssen sie sich dem Konflikt stellen, um am Leben zu bleiben. Dabei begegnen sie ihrer großen Liebe – aber meint es der/die Betreffende wirklich ehrlich?

Wer schon so einige Romane des Genres Paranormal Romance gelesen hat, kennt die Schemata, die fast allen Büchern zugrundeliegen, so dass man kaum noch durch die Figuren und den Handlungsverlauf überrascht wird. Das trifft leider auch auf den ersten Band der „Ravenwood“-Reihe zu (der zweite Teil liegt in englischer Sprache bereits vor). Die Autorin mischt munter einige historische Fakten mit Mythen, bringt sie aber auf den modernen Stand, so dass die Vampire die üblichen Schwachstellen nicht kennen und zeitgenössische Ziele verfolgen: Reichtum, Macht, die Herrschaft aus dem Hintergrund – wobei intelligente Außenseiter, die ‚dazu‘ gehören wollen, ihre Blutspender und Marionetten sind. Die römischen Furien (griechisch: Erinnyen) werden zweckentfremdet zu „Buffy“-Klonen. Hauptfigur April ist eine von drei – die anderen tauchen vermutlich in den beiden (?) Folge-Romanen auf, um sie zu unterstützen, denn April will Rache und diejenigen retten, die ihr etwas bedeuten.

Das Thema ist eingebettet in Familien- und Schulprobleme, der Suche nach echten Freunden und dem typischen Zickenkrieg, der Sehnsucht nach der großen Liebe und, und, und … – dem vertrauten Alltag der Zielgruppe: romantischen Leserinnen ab 15 Jahre. Aber auch Erwachsenen, die Spaß an den Abenteuern junger Protagonisten haben („Conan“, „Fafhrd & Grey Mouser“, Shea und Flick aus „Das Schwert von Shannara“ etc. waren ebenfalls mal Jugendliche …), werden angesprochen. Dieses Drumherum nimmt viel, manchmal schon zu viel Raum ein, genauso wie Aprils Gejammer, worauf sie von ihren Freunden hingewiesen wird. Ohne das hätte Mia James jedoch keine 600 Seiten herausholen können.

Die Autorin versteht durchaus, unterhaltsam zu schreiben, wenngleich es Längen gibt. Die Zielgruppe, die erst wenig Vergleichbares gelesen hat, kommt voll auf ihre Kosten. Das reifere Publikum, das die Motive hinreichend kennt, wird viele Parallelen zu anderen Romanen entdecken, kaum Überraschendes finden, aber kann man sich damit arrangieren, dass die Autorin eine Erwartungshaltung erfüllen will/soll, darf man durchaus eine kurzweilige Lektüre genießen.

Copyright © 2012 by Irene Salzmann (IS)

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Comments

  1. Sehr schade, dass immer wieder das gleiche durchgekaut wird. An sich mag ich Vampirromane, aber mittlerweile ist der Markt total überschwemmt und der Ablauf der Bücher ist wirklich fast immer derselbe 🙁

    Aber eine sehr schöne Rezension! 🙂

  2. „Durchgekaut“ in Bezug auf Vampire finde ich saulustig. Liebe Rebecca, die fressen doch nicht, die sauuuuuugen, hahahaha.

    Aber im Ernst: Du hast Recht. Auch wenn ich jetzt diesen Roman nicht kenne. finde ich die Anzahl variierender Plots bei einem Wesen wie einem Vampir, nun ja, begrenzt. Er lebt lang und saugt und saugt und saugt … Mal verliebt er sich, mal nicht, ist einsam.

    Das kennen wir doch schon seit Jahrzehnten, auch aus Filmen wie „Begierde“ (GB, 1983, mit David Bowie, Catherine Deneuve und Susan Sarandon).

    Und den Hype um die „Biss“-Serie kann ich gar nicht nachvollziehen, oberschnulzig, oberlangweilig.

    mgg
    galaxykarl 😉

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