Die Stadt der Singenden Flamme

Clark Ashton Smith
Die Stadt der Singenden Flamme
Gesammelte Erzählungen, Band 1

Originalausgabe = dt. Erstausgabe (geb.):  Oktober 2011 (Festa Verlag/H. P. Lovecrafts Bibliothek des Schreckens 2624)
Übersetzung: Andreas Amberg, Andreas Diesel, Malte S. Sembten
396 S.
ISBN-13: 978-3-86552-083-8
eBook: Oktober 2013 (Festa Verlag)
1005 KB
ISBN-13: 978-3-86552-274-0

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Inhalt:

– Stephen Jones: Die vergessenen Welten des Klarkash-Ton (The Lost Worlds of Klarkash-Ton, 2002), S. 7-43

– Über Fantasy [Briefauszug], S. 45-47

Die Stadt der Singenden Flamme (The City of the Singing Flame, 1931), S. 49-72: Ein mysteriöses Portal befördert einen Schriftsteller durch Raum & Zeit auf einen ebenso faszinierenden wie gefährlichen Planeten.

Jenseits der Singenden Flamme (Beyond the Singing Flame, 1931), S. 73-102: Ein Freund des Schriftstellers folgt diesem durch das Portal und erlebt eine unheimliche Attacke auf die Stadt der Singenden Flamme.

Das neunte Skelett (The Ninth Skeleton, 1928), S. 103-108: Eine unbekannte Abkürzung führt den Wanderer auf einen Friedhof der lebenden Toten.

Der malaiische Kris (The Malay Creese, 1910), S. 109-111: Ein Antiquitätenhändler erinnert an die tragische Geschichte des gefürchteten Piraten Sujah Ali.

Die Abscheulichkeiten von Yondo (The Abominations of Yondo, 1926): S. 112-121: Ein Ketzer wird in einen Landstrich verbannt, in dem es grässlich umgeht.

Die Auferweckung der Klapperschlange (The Resurrection of the Rattlesnake, 1931), S. 122-129: Ein dummer Streich endet mit der Erkenntnis, dass der Glaube tatsächlich Berge versetzen bzw. Menschen töten kann.

Die Schrecken der Venus (The Immeasureable Horror, 1931), S. 130-149: Eine Expedition in die Wildnis des irdischen Nachbar-Planeten wird zum Höllentrip.

Aus den Grüften der Erinnerung, S. 150-152: Impressionen aus der Endphase eines sterbenden Volkes.

Hyperborea

– Will Murray: Das Hyperborea von Clark Ashton Smith (Introduction [aus: The Book of Hyperborea], 1996), S. 155-168

Die Geschichte des Satampra Zeiros (The Tale of Satampra Zeiros, 1931), S. 169-185: In der verlassenen Dschungelstadt Commoriom findet der Meisterdieb keinen Schatz, sondern stößt auf eine blutgierige und hungrige Kreatur.

Die Muse von Hyperborea (The Muse of Hyperborea, 1965), S. 186: Sie ist verlockend, unnahbar – und tödlich.

Das Tor zum Saturn (The Door to Saturn, 1930), S. 187-213: Vor der Inquisition flüchtet Hexenmeister Eibon auf den genannten Planeten, wo er auf überaus fremde und gefährliche Bewohner trifft.

Das Manuskript des Athammaus (The Testament of Athammaus, 1932), S. 214-239: Ein ratloser Scharfrichter sieht sich einem Todeskandidaten gegenüber, der aus jeder Hinrichtung gestärkt hervorgeht und neue Übeltaten begeht.

Das wunderliche Schicksal des Avoosl Wuthoqquan (The Weird of Avoosl Wuthoqquan, 1932), S. 240-251: Ein mitleidloser Geldverleiher wird auf angemessene Weise Opfer der eigenen Gier.

Ubbo-Sathla (Ubbo-Sathla, 1933), S. 252-261: Der Fund eines Zauberkristalls lockt einen neugierigen Forscher allzu tief und mit schaurigen Folgen in die Vergangenheit.

Der Eisdämon (The Ice-Demon, 1933), S. 262-283: Schatzsuchende Grabfrevler vergreifen sich unklug an den Juwelen eines toten aber nicht unbewachten Königs.

Die sieben Banngelübde (The Seven Geases, 1934), S. 284-311: Der zornige Hexer wirft einen tödlichen Bann auf einen Störenfried, der jedoch nicht gefressen, sondern von Dämon zu Dämon weitergereicht wird.

Die weiße Seherin (The White Sybil, 1934), S. 312-324: Die Liebe zu einer überirdisch schönen Frau verwandelt sich (und sie) in einen Albtraum.

Die Ankunft des weißen Wurms (The Coming of the White Worm, 1941), S. 325-345: Ein Dämonen-Gott verspricht seinen Anhängern Macht und Wissen, doch er ist ein Lügenbold, der spektakulär sein gerechtes Ende findet.

Der Raub der neununddreißig Keuschheitsgürtel (The Theft of the Thirty-Nine Girdles, 1958), S. 346-360: Der riskante Raubzug des Meisterdiebs Satampra Zeiros zielt auf kostbare aber seltsame Beute.

Scott Connors/Ron Hilger: Anmerkungen zu den Erzählungen, S. 361-396

Großer Ruhm aber leere Taschen

Auf der einen Seite gehörte Clark Ashton Smith (1893-1961) zu jenen Adepten, die sich um den Grusel-Großmeister Howard Phillips Lovecraft (1890-1937) scharten. Die etwa gleichaltrigen Männer kamen schon in den frühen 1920er Jahren in Briefkontakt, den sie bis Lovecrafts Tod aufrechterhielten. Beide waren begeisterte Leser des anderen, die sich nicht nur Mut im deprimierenden Autoren-Alltag zusprachen, der sie, die nicht besonders geschäftstüchtig waren, den Hungerlöhnen (oder gar nicht) zahlenden Verlegern der „Pulp“-Magazine auslieferte, sondern die in ihren Werken auch immer wieder auf die Schöpfungen des Freundes zurückgriffen. Smith verknüpfte vor allem in den „Hyperborea“-Geschichten die dort erschaffene Götterwelt mit dem „Cthulhu“-Mythos Lovecrafts, dessen Geschöpfe unter leicht veränderten aber erkennbaren Namen auch auf der Insel im vorzeitlichen Nordmeer ihr Unwesen trieben.

Trotz der persönlichen und literarischen Beziehung gehörte Smith auf der anderen Seite nie zu denen, die Lovecraft inhaltlich wie formal pfadgenau folgten oder ihn imitierten. Stattdessen ging er eigene Wege, was seine Geschichten frisch und spannend erhält, wo die Mehrheit der unzähligen Lovecraft-Pastiches zu Recht in Vergessenheit geraten ist.

Smith war einer jener ausgezeichneten Schriftsteller, von denen es oft heißt, sie seien in einem falschen Jahrhundert geboren worden. In der Tat war er nie in der Lage, wie am Fließband stromlinienförmige Triviallektüre für die zeitgenössischen Groschen-Magazine zu liefern, die allein einem Autor, der sich für die Phantastik entschieden hatte, ein (kärgliches) Auskommen boten. Smith war mehr als eine Nummer zu groß für dieses Feld, auf dem er dennoch Großes für wenig oder gar keinen Lohn leistete.

Großes Abenteuer mit leichtem Anspruch

Aufgrund der großen Zahl der in diesem Buch gesammelten Erzählungen soll hier nicht auf jede Story eingegangen werden, zumal nicht jede Story eine gesonderte Erwähnung verdient. Wie beispielsweise „Die Auferweckung der Klapperschlange“ zeigt, rettete sich auch ein Meister wie Smith in Routinen, wenn der Geldbeutel gar zu schladd am Gürtel hing: Er konnte – wenn auch auf hohem Niveau – Dutzendware liefern, wenn er wollte.

Glücklicherweise überwog in der Regel der eigene Qualitätsanspruch. Unter den nicht in Hyperborea angesiedelten Geschichten ragt „Der Schrecken der Venus“ als schnörkelloses, spannendes und astronomische Erkenntnisse problemlos ignorierendes Planeten-Abenteuer heraus. Deutlich anspruchsvoller aber auch esoterischer wirkt die Doppel-Story „Die Stadt der Singenden Flamme“/„Jenseits der Singenden Flamme“. Hier sprengt Smith den Rahmen des reinen Abenteuers und setzt auf die Beschwörung fremder Welten, auf Andeutungen und eine beklemmende Atmosphäre: Er möchte seine Leser unterhalten, indem er sie einstimmt.

„Weird Fiction“ mit hohem Schmunzel-Faktor

Dass Smith seine Schöpfung Hyperborea liebte, lassen die ihr gewidmeten Erzählungen deutlich spüren. Sie übertreffen die ‚normalen‘ Storys aus dem ersten Teil dieser Sammlung bei weitem. Dabei fesselt nicht nur der unerhörte Einfallsreichtum, mit dem Smith diese fiktive Welt der irdischen Vorzeit schildert, sondern wieder auch der Ton, der hier ohne ätherisches Gewaber rabenschwarzen Humor mit düsterem Grauen kombiniert.

„Dekadenz“ wurde Smith oft vorgeworfen, wobei diese Kritiker offenbar ignorieren, dass der Schriftsteller sich selten auf die Darstellung schwüler Untergangs-Szenarien beschränkte. Er nimmt zwar seine Leser, nicht aber die wilden Welten von Hyperborea ernst. Aufgeblasene Fürsten, eingebildete Hexer, dreiste Diebe, berufsstolze Henker: Alle haben im Gegensatz zum Leser nichts zu lachen, denn der Tod ist stets nahe und in der Regel schrecklich. Mitleid ist freilich fehl am Platz, denn Smith-Figuren beschwören ihr Schicksal selbst herauf.

Dazu passt ein Pantheon sehr irdischer ‚Götter‘, die eigentlich Außerirdische sind und sich vor Äonen auf der Erde eingenistet haben. Was bei Lovecraft wahrlich kosmisch und unnahmbar daherkommt, zeigt hier beinahe ‚menschliche‘ Züge: Smith-Götter sind verfressen, hinterlistig, engstirnig oder exzentrisch; sie können Angst & Schrecken auslösen, Ehrfurcht wecken sie jedoch nicht.

Vor allem „Das Manuskript des Athammaus“, „Das wunderliche Schicksal des Avoosl Wuthoqquan“ und „Die sieben Banngelübde“ bieten Kabinettstücke eines Humors, vor dem tugendboldige Herausgeber ihre Leser oft schützen wollten, um sie intellektuell nicht zu überfordern und vom Kauf weiterer Magazine abzuhalten. Zudem brachte Smith anders als Lovecraft sexuelle Elemente in seine Geschichten ein. Dies wurde zwar züchtig verschlüsselt aber dadurch erst recht deutlich, da Smith seinem Hang zur wohl formulierten Zweideutigkeit in diesem Umfeld die Sporen gab: „Die Keuschheitsgürtel wurden mit Schlössern aus gehärteter Bronze gesichert, deren Schlüssel der Hohepriester in Verwahrung hielt. In gewissen Nächten verlieh er sie zu saftigen Preisen an die betuchteren Kavaliere der Stadt. Daraus erhellt sich, dass die Jungfräulichkeit der Priesterinnen nur symbolisch war. Doch galt die häufige und regelmäßige Veräußerung ihrer Keuschheit als verdienstvolle Opferhandlung gegenüber der Göttin.“ (Der Raub der neununddreißig Keuschheitsgürtel, S. 347)

Ein lobenswertes Projekt

Mit „Die Stadt der Singenden Flamme“ legt der Festa-Verlag den ersten Band einer auf sechs Teile geplanten Ausgabe sämtlicher Erzählungen von Clark Ashton Smith vor. Dieses Projekt ist ebenso verdienstvoll wie mutig, da mit einem breiten Publikum wahrscheinlich nicht zu rechnen ist. Smith sitzt auch heute zwischen den Stühlen bzw. betört vor allem ein Publikum, das einen Sinn (oder besser mehrere Sinne) für seine intensive, durchaus schräge, unwiderstehliche Mischung aus Horror, Fantasy und Science Fiction besitzt.

Leider schweigt sich der Herausgeber über das Konzept dieser Gesamtausgabe aus. Wie es scheint, bilden jeweils die Erzählungen aus den vier Smith-Zyklen (Hyperborea, Averoigne, Poseidonis und Zothique) den Kern. Den Rest der vorgesehenen Buchseiten füllen thematisch ungebundene Storys. Eine ausführliche Einleitung informiert über Leben und Werk des Verfassers, ein zweiter Text führt ebenso kenntnisreich in die Welt von Hyperborea ein.

Die „Hyperborea“-Geschichten werden nicht nur vollständig sowie neu (und ausgezeichnet!) übersetzt, sondern auch chronologisch in der Reihenfolge ihrer Entstehung abgedruckt, was es ermöglicht, dem Verfasser auf seinen gewundenen Pfaden durch die Historie seiner Schöpfung zu folgen. Zu den meisten Geschichten existieren Anmerkungen, die interessante Hintergrundinformationen über die Umstände ihrer Entstehung liefern und vom mühsamen Broterwerb eines auch privat hart geprüften Mannes künden.

Natürlich ist dieses Buch festa-typisch schlicht aber sauber layoutet und schön gebunden. Tatsächlich bereitet die Lektüre so großes Vergnügen, dass sich der Leser besonders bang die Frage stellt, ob und wann diese Reihe weitergeführt wird …

Autor

Clark Ashton Smith, geboren 1893 in Long Valley, Kalifornien war ein kluger Kopf aber ein Exzentriker. Das zeigte sich schon in jungen Jahren, als er beschloss, dass ihm die High School – die Aufnahmeprüfungen hatte er bereits bestanden – nicht bieten könne, was er an Bildung forderte. So blieb Smith Autodidakt. Dies verdarb ihn für die ‚normale‘ Welt der Erwerbstätigen, ließ aber einen unkonventionellen Geist und Künstler entstehen.

Dem Autor Smith gelang es nie wirklich, von seiner Feder zu leben. Er begann als Dichter und kehrte auch später oft zur Lyrik zurück. Ab 1910 schrieb er recht simple Abenteuergeschichten, die im Orient spielten. 1922 lernte Smith H. P. Lovecraft (1890-1937) kennen; brieflich zumindest, denn getroffen haben sie sich nie, obwohl sie gute Freunde wurden. Lovecraft, der ein kundiger und strenger Kenner der phantastischen Literatur war, schätzte Smith und ließ ihn sogar eine seiner Geschichten illustrierten: Der Allround-Künstler Smith war auch ein begabter Zeichner, Maler und später Bildhauer.

Ab 1929 wurde Smith verstärkt schriftstellerisch tätig, da er nunmehr seine Eltern unterstützen musste. Anders als Lovecraft war ein ‚schneller‘ Autor, der bis 1935 110 Storys schrieb, die in Magazinen wie „Weird Tales“, „Amazing Stories“ oder „Strange Tales“ erschienen. Persönliche Probleme und eine Verlagerung seiner Interessen auf die darstellende Kunst führten dazu, dass sich Smith Mitte der 1930er Jahre auf die Bildhauerei konzentrierte. Er schrieb bis zu seinem Tod im Jahre 1961 nur noch wenig.

Leben und Werk von Clark Ashton Smith werden auf diversen Websites geradezu zelebriert, denn der Mann gilt in manchen Kreisen als eine Art unkonventioneller Prä-Hippie. Zu empfehlen ist diese.

Copyright © 2012/2016 by Michael Drewniok (md)

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