Elyrion – Erbe der Titanen – Grundregelwerk

Christian Loewenthal, Marcel Hill
Elyrion – Erbe der Titanen
Grundregelwerk

Elyrion
Prometheus Games Hardcover
313 Seiten
ISBN 9783941077003

http://www.prometheusgames.de/
Cover-Illustrationen: Mateja Petkovic, Mia Steingräber
Karten: Mia Steingräber

„Elyrion – Erbe der Titanen“ stammt aus dem Duisburger Kleinverlag Prometheus Games und ist ein neues, deutschsprachiges Rollenspiel. Dabei zeichnet sich der Verlag beim „Elyrion“-Grundregelwerk weniger durch seine professionelle Arbeit, als durch sein Engagement und seinen Enthusiasmus aus.

Mit Version 1.5 liegt nun die überarbeitete Fassung des Grundregelwerks vor. Fehler der Erstauflage wurden weitgehend korrigiert. Da die Neuauflage günstiger gedruckt werden konnte, senkte Prometheus Games den Preis des Buchs ein wenig. Besitzer der Erstauflage erhalten bei einer Bestellung im Verlagsshop eine entsprechende Gutschrift der Differenz, so jedenfalls die Verlags-News vom 09. 04. 2008. Eine sehr kundenfreundliche Entscheidung, die eine sehr enge Nähe zur Spielergemeinde signalisiert.

Die äußere Aufmachung des Buchs ist ordentlich. Es handelt sich dabei um ein Hardcover mit Leseband, vorne und hinten findet sich jeweils die Karte des Kontinents Audakia als farbige Illustration. Die Karte liegt dann auch nochmals in vierfacher und ebenfalls vollfarbiger Vergrößerung bei. Die Karte ist gut gezeichnet und zeigt die vorläufig wichtigsten Punkte der Spielwelt.

Die innere Aufmachung von „Elyrion – Erbe der Titanen“ ist leider etwas unleserlich. Die Seiten wurden mit Hintergrundbildern versehen, die nur in Graustufen vorliegen. Durch den schwarzen Text kommt es leider zu einem schlechten Kontrast. Zusätzlich sorgt der Text durch sein Layout ebenfalls für ein negatives Äußeres. So sind Absätze nur schwer erkennbar, da der dazugehörige Leerzeichen-Einschub am Absatzbeginn fehlt. Außerdem schwankt der Text manchmal zwischen Linksbündig und Blocksatz. Oft genug kommt der Eindruck von „gut gewollt aber schlecht ausgeführt“ auf. Da es sich um einen recht jungen Verlag handelt, sind da sicherlich noch Verbesserungen nach oben möglich.

Neben der äußerlichen Aufmachung, muss ein Rollenspielregelwerk aber vor allem inhaltlich bestehen. Dazu zählt zum Einen der spielerische Hintergrund und zum Anderen das Regelsystem.

Der Hintergrund von „Elyrion“ ist ziemlich umfassend und spiegelt den ewigen Kampf zwischen Gut und Böse wieder, Dämonen gegen Engel. Bisher wurde der Status Quo aufrecht erhalten, doch in jüngster Vergangenheit gelang den Dämonen einen Vorstoß, der das Gleichgewicht der Welt störte. Es ist also eine aufregende Zeit, in der die Abenteuer spielen.

Die Entstehungsgeschichte der Welt ist dabei umfassend geschrieben und man merkt sehr schnell, dass die Autoren Loewenthal und Hill gerne ins fabulieren geraten. Dabei erscheint „Elyrion“ als eine Mischung aus „Altem Testament“ und „Der Herr der Ringe“, mit dem Versuch sich von alten Klischees zu lösen. Das ist weitgehend auch der Fall.

„Elyrion – Erbe der Titanen“ versucht auf knapp 313 Seiten umfassend zu informieren und richtet sich dabei an erfahrene Rollenspieler und auch Neulinge. So wird erklärt was ein Rollenspiel ist und wie man an die Sache herangehen sollte. Nebst Stift und Papier wird nur ein zwanzigseitiger Würfel benötigt, schon kann man loslegen.

Schnell wird deutlich, dass Elyrion eine sehr fantastische Welt ist. Es gibt mehr als ein Dutzend Völker, die sich untereinander auch weitgehend unterscheiden. Neben den üblichen Menschen bevölkern fliegende Elfen, wolfsartige Humanoide und die obligatorischen Zwerge die Welt. Einige Sachen kennt man bereits zu genüge aus anderen Rollenspielen und Fantasywelten, doch gibt es meistens auch einzigartige Facetten. Somit besitzt „Elyrion“ genug Eigenschaften, um sich von anderen Rollenspielen abzuheben. Trotz der vorhandenen Dampfkraft – die Autoren bezeichnen das spielbestimmende Genre als Steamfantasy – überwiegt das Fantastische und somit weitgehend Bekannte.

Die Regelmechanismen versuchen ebenfalls auf eigenen Beinen zu stehen. Kommt es zu einer Probe, wird im Normalfall mit einem W20 gewürfelt. Der Würfelwurf wird dann von zwei Werten abgezogen, die addiert wurden. Ein positiver Wert gibt dabei die Anzahl der Erfolgsgrade an, die der Spieler erzielte. Das ist ein wenig Rechnerei, geht aber nach einiger Zeit in Fleisch und Blut über und ist praktikabel.

Da ein Charakter vor allem durch seine Attribute, Fertigkeiten und Talente bestimmt wird, geht „Elyrion – Erbe der Titanen“ den klassischen Weg eine Rollenspiels. Der Kampf wird – wie meistens üblich – von den normalen Fertigkeitsproben nochmals ausgeklammert und bekommt sein eigenes Kapitel. Somit ist das Spiel eher in den Bereich des taktischen Rollenspiels einzuordnen, obwohl sich gerne auf den erzählerischen Aspekt konzentriert wird.

Dabei ist der Kampf das schwächste Glied der Kette. Er wirkt hölzern und leicht unausgegoren, durch Praxiserfahrung findet eine Spielrunde aber schnell den Weg, um diese Klippen zu umschiffen. Durch die Limitierung der Werte auf 10 sind übrigens einige abstruse Szenen möglich, so dass der im Regelbuch vorkommende Drache selbst für schwächere Kreaturen kein Problem sein sollte. Es aber extra darauf anzulegen muss keineswegs sein. Erwähnenswert sind im Kampf wiederum die verschiedenen Kampfmanöver, mit denen einige schicke Aktionen ausgeführt werden können. Dadurch wird im bewaffneten Kampf zusätzlich Spannung erzeugt, da die Spieler zu mehr als nur bloßes Schnetzeln angeregt werden.

Was auf den ersten Weg wie eine Schwäche wirken kann, ist aber die wahre Stärke des Spiels. Im Laufe einer Charakterkarriere sind auch die Entwicklungsmöglichkeiten der Spielfigur „limitiert“. Es gibt keine nach oben offenen Grenzen und wer sein Charakter bereits bei der Entstehung „optimiert“, kann später kaum noch neue Facetten hinzufügen. Dadurch ist „Elyrion – Erbe der Titanen“ wohltuend bodenständig, bietet dem steten Leveln und den Powerups anderer Systeme erfolgreich Paroli. Hier kann sich mehr auf das Erzählen einer Geschichte konzentriert werden, als auf den Werteaufbau eines Charakters.

Eine weitere Stärke des Spiels ist die Magie. Neben den üblichen Verdächtigen wie Spruchmagie oder Beschwörungen, stellt sich vor allem die Spontanmagie charmant dem Spieler vor. Bei der Spontanmagie gibt es keine festgelegten Sprüche. Im Gegenteil, der Spieler selbst entwickelt den Zauber und legt dessen Attribute fest. Eine spannende und erfrischende Sache, die aber eher erfahrenen Spielern zu empfehlen ist, da hier doch einiges bedacht werden muss.

Das Grundregelwerk enthält natürlich auch das obligatorische Einstiegsabenteuer. Dabei müssen die Spieler eine junge Frau suchen, die von zu Hause ausgebüxt ist und nun in Schwierigkeit steckt. Kein großer Schlag, aber ein netter Einstieg.

Auch „Elyrion – Erbe der Titanen“ besitzt ein umfassendes Kapitel mit Warenlisten, aus denen die Spieler nach Lust und Laune Ausrüstung zusammenkaufen können. Alle wichtigen Dinge sind vorhanden, selbst Mieten und Konstrukte werden aufgeführt. Ein Heldendokument rundet das Buch ab.

„Elyrion – Erbe der Titanen“ ist wie ein gutes Drachenschwert – zweischneidig. Das Rollenspiel besitzt seine Schwächen, doch die Stärken überwiegen eindeutig und vor allem macht das Spiel großen Spaß. Die Welt ist gut beschrieben und die Regeln sind passabel, vor allem ist „Elyrion“ mal etwas anderes und hebt sich vom üblichen Einheitsbrei ab. Es sticht ebenfalls heraus, dass das Spiel keine Übersetzung ist, sondern aus Deutschland stammt. Man baut zu den Texten einfach eine andere Bindung auf und fühlt sich zu Hause. Alles in allem also eine klare Empfehlung für den heimischen Spieltisch!

(c) 2008 by Günther Lietz

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