Gebissen

gebissenBoris Koch
Gebissen

Heyne, München, 10/2009
PB mit Klappenbroschur, Horror, Dark Fantasy
ISBN
9783453525689
Titelgestaltung von Nele Schütz Design, München unter Verwendung einer Illustration von Geoff Taylor

www.heyne.de
www.boriskoch.de
www.geofftaylor.btinternet.co.uk/

„Gebissen“
… das ist Berlin
… das ist lebendig
… das ist modern
… das ist ein Vampirroman aus einem Guss.

Der Prolog des Romans bietet einen Rückblick auf den Protagonisten Alex Gruber, im August 1986 in einem kleinen Dorf (Niederbachingen). Alex begegnet mit seinen Freunden abends in einer Scheune einer sonderbaren Kreatur, die dort gefangen gehalten wird – und wird von ihr gebissen. Die Jugendlichen legen einen Brand in der Scheune, durch den diese, aber auch das düstere Wesen verbrennt. Im Mai 2009 geht die Geschichte in Berlin weiter, denn dort lebt Alex, mittlerweile Anfang Dreißig. Er hat in Berlin Journalismus studiert und ist dort geblieben, lebt seit elf Jahren in Friedrichshain an der Spree. Alex arbeitet als Freelancer und DJ und fühlt sich seit seiner letzten Beziehung vor drei Jahren einsam. Er kämpft gegen die innere Leere und auch seine Todessehnsüchte an.

Dann lernt er die Jurastudentin Lisa kennen, die er gerne wieder sehen möchte. Als er jedoch mit seinen Freunden einen Freitagabend im ‚Gilgamesch’ (Club) verbringt, sieht er eine wunderschöne Blondine (sinnliche Ausstrahlung und arrogante Haltung). Auf Alex übt die Schöne eine starke sexuelle Wirkung aus – aber er reagiert auf sie auch mit einer sonderbaren Abneigung, die fast an Hass grenzt. Alle Männer starren sie an, und Alex will nur noch Eines: sie unbedingt ‚flachlegen’. Danielle, so der Name der Fremden, spricht ihn an und nimmt fortan die Zügel in die Hand, auch als sie in Alex’ Wohnung landen. Doch am nächsten Morgen ist Danielle verschwunden. Außer einer kleinen Abschiedsnotiz, die sie hinterlässt, bleibt Alex nichts von ihr. Die Narbe, die ihm von dem Biss der Kreatur geblieben ist, scheint in der Nacht mit Danielle wieder geblutet zu haben. Alex spürt erneut die Einsamkeit, und die Wut Danielle gegenüber kehrt zurück – aber ebenso die Erregung, wenn er an die gemeinsame Nacht denkt. Dann verebbt die Wut, und er fühlt: Verlust. Darüber hinaus stellt er fest, dass er plötzlich im Dunklen besser sehen kann. Und ihm begegnet ein mysteriöser Fremder mit den Augen eines Hais, der etwas von einem ‚Nephilim’ redet, den ‚sie’ in Berlin brauchen. Alex versteht kein Wort, hat auch keine Idee, wen der Unbekannte mit ‚sie’ meint – aber dem Leser dämmert es sicher allmählich. Und Alex begreift, dass Lisa immer noch in seinem Kopf herumspukt, und so ruft er sie an, um sich mit ihr zu treffen…

Boris Koch lässt den Leser an Alex’ Wandlung teilhaben: seine geschärften Sinne, sein ‚Revierverhalten’, seine absonderlichen Wünschen (z. B. Lisa zu beißen, bis sie blutet). In Berlin mehren sich derweil sonderbare Vorkommnisse und Verbrechen sowie die Zahl der vermissten Personen. Alex hat das Gefühl, dass in der Stadt irgendetwas nicht stimmt. Erst geschieht ein Ritualmord, dann werden Blutkonserven gestohlen, ein Student wird förmlich abgeschlachtet, und die Vermisstenzahlen steigen. Alex wundert sich, ob es noch andere gibt, die sich wie er verändern. Und er stellt sich die Frage, was der Fremde mit seiner Nephilim-Bemerkung meinte. Er weiß, dass die Nephilim im Alten Testament erwähnt wurden und dass es Nachfahren von Gottessöhnen (eventuell Engeln) waren, die sich mit Menschenfrauen eingelassen hatten. Was Alex besonders beschäftigt: Der Fremde hatte zu ihm gesagt: Du riechst nach Nephilim.

Ein weiterer interessanter Charakter des Romans ist Sandy, Lisas Freundin, frisch verlassen und mitten in einem persönlichen Tief. Eines Nachts macht sie während eines Streifzugs durch die Stadt eine mysteriöse Begegnung, die ihr Leben komplett verändert. Als Alex das erste Mal mit Lisa im Bett landet, klopft es plötzlich an der Tür, Danielle taucht wieder auf – und Alex’ Welt gerät endgültig aus den Fugen. Besonders als Danielle ihm eröffnet, dass er ein Vampir sei und sie eine Nephilim und ihre ‚Rassen’ seit Sodom verfeindet seien. Alex flieht mit Danielle, als diese ihm eröffnet, dass er in Gefahr sei, denn er stellt etwas Besonderes dar: halb Mensch/halb Vampir, erweckt von einer Nephilim (Danielle). Danielle erzählt ihm auch von den Nephilim und Sodom, ihrer Begegnung mit Lot und seiner Familie und wie es zu der Feindschaft zwischen Vampiren und Nephilim kam. Zum ersten Mal erfährt Alex von ihr auch von Blutvätern (Blutmüttern), und dass die Kreatur, die ihn gebissen hat, vermutlich sein Blutvater war. Einer dieser Blutväter soll nun in Berlin wiedererweckt werden – eine Kreatur, die noch unter der Stadt ruht. Für das Erwecken benötigen die Vampire das Blut eines Nephilim. Doch das wollen Alex und Danielle verhindern.

Währenddessen hat Sandy bei Lisa gegen Alex intrigiert und versucht, Lisa in den Kreis der Vampire zu bringen. Alex ist derweil hin und her gerissen zwischen seiner wachsenden Liebe zu Lisa und dem alles überdeckenden sexuellen Verlangen Danielle gegenüber. Das Finale, in dem alle roten Fäden bei der Kreatur unter der Stadt zusammenfinden, wird immer turbulenter. Fragen über Fragen werden beantwortet. Können Alex und Danielle das Erwecken der Kreatur erhindern? Ist Alex tatsächlich ein Vampir? Was wird aus Lisa? Was aus Sandy? Wird Alex Lisa wieder sehen? Und kann er sich aus Danielles sexuellem Einfluss wirklich lösen? Vor allem aber, was wird aus Berlin? Sind die 3 Millionen Einwohner dem Untergang geweiht?

Boris Koch erzählt wieder einmal eine flotte und temporeiche Geschichte, in der er geschickt die lovecraftsche Tradition, einen Vampirplot der ‚etwas anderen Art’ und das moderne Berlin verquickt, mit angenehm dezentem, aber dennoch gut eingefügtem Lokalkolorit, das nicht so aufgesetzt erscheint, wie bei manchem Roman dieser Art. Erfrischend auch, dass sich zwar in den Laken gewälzt wird, aber keine Vampirromanzenschmonzette geboten wird. Das hätte bei Boris Koch im höchsten Grade enttäuscht. Ebenso merkt man dem Roman die persönlichen Bezüge des Autors an: seien es nun literarische Hinweise (Edgar Allen Poe) oder musikalische (z. B. The House of Usher, mit deren Frontmann und Sänger ihn eine lange Freundschaft verbindet) und einiges mehr, was den Roman ‚dichter’ an den Leser heran lässt. Das ist kein Vampirroman aus der Retorte, wie sie mittlerweile inflationär den Markt ermüden. Das ist ein Roman, den man ‚in einem Rutsch’ liest und der ausgezeichnet unterhält. Im Anschluss an den Romantext findet der geneigte Leser noch eine neunseitige Leseprobe des Vampirromans „Die Saat“ von Guillermo del Toro (einer der bekanntesten Regisseure) und Chuck Hogan.

Das Covermotiv von „Gebissen“ wurde geändert – das Erste war mehr auf die Zielgruppe ausgerichtet; das aktuelle Cover wirkt völlig anders, als die üblichen Vampirromane. Was nun geeigneter für die Zielgruppe ist, ist mit Sicherheit dem persönlichen Geschmack unterworfen. Man kann die aktuelle Version bevorzugen, weil sie weniger plakativ wirkt, angenehm minimalistisch ist und auch von der Art aus der Masse heraus sticht. Da hat der Verlag betriebswirtschaftlichen Mut bewiesen, der hoffentlich belohnt wird, steht und fällt so mancher Kauf doch mit dem Eyecatcher Cover. „Gebissen“ ist ein rundes Werk, das Hoffnung aufkeimen lässt, dass die Vampirliteratur endlich auch wieder vermehrt mit eher klassischen oder modernen Titeln vertreten ist und nicht nur Dark Romance den Mark überschwemmt. Somit verdient auch hier dem Verlag ein uneingeschränktes Lob! „Gebissen“ ist ein moderner, hipper Vampirroman, der in die lovecraftsche Tradition und dennoch ins Berlin von heute entführt. Absolut empfehlenswert für Liebhaber des Genres, aber auch für Leser, die sich einfach gut und flott unterhalten lassen wollen.(AB) (3xPRT)

Titel bei Amazon.de: Gebissen

BEENDETES BÜCHERPREISRÄTSEL:
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www.buchrezicenter.de veranstaltete in Zusammenarbeit mit dem obengenannten Verlag dieses Preisrätsel, bei dem wir drei Fragen zum Umfeld des Preistitels am Telefon* gestellt haben, die richtig beantwortet werden mussten.
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Die jeweiligen Gewinne wurden anschliessend direkt an die angegebenen Adressen der Gewinner verschickt!
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Wir danken dem obengenannten Verlag als Sponsor herzlich für die zur Verfügung gestellten Preisrätseltitel! Und bedanken uns auch bei unseren Mitspielern für Ihr reges Interesse!
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Die Gewinner der Preisrätseltitel:
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1.Dieter Böschen
2.Freddy Engelmann
3.Franz Schmöller
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Der Rechtsweg war wie immer ausgeschlossen!
* Telefongebühren des Anrufers gehen immer zu Lasten des Anrufers. Bitte informieren Sie sich über die ortsüblichen aktuellen Kosten bei Ihrem Telekommunikationsanbieter!

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