Hinreißend untot

Karen Chance
Hinreißend untot

Cassie Palmer 2
Claimed by Dark, USA, 2007
Piper Verlag, München, dt. Erstausgabe: 5/2009
TB, Paranormal Romance, Urban Fantasy, Horror, 978-3-492-29185-9, 432/895
Aus dem Amerikanischen von Andreas Brandhorst
Titelgestaltung HildenDesign, München unter Verwendung eines Motivs von Larry Rostant

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Seit die Macht der Pythia auf Cassie Palmer überging, jagt man sie mehr denn je: Der schwarze und der weiße magische Zirkel wollen diese Kraft ebenso für ihre Zwecke nutzen wie der Vampir-Senat. Fügt sie sich nicht, soll sie sterben. Den Tod wünscht ihr auch Myra, die ursprünglich als Erbin der Pythia vorgesehen war und sich noch immer von den Verletzungen erholt, die sie im letzten Kampf davongetragen hat.

Cassie nutzt die kurze Verschnaufpause, um nach dem Versteck des Vampirs Tony zu forschen. Er tötete ihre Eltern und hält die Seele ihres Vaters gefangen, der Cassie die Freiheit geben möchte. Sie erfährt, dass Tony ins Feenland geflohen ist – wo Magie nicht funktioniert. Schon das ist ein Grund, der Cassie zwingt, sich ausgerechnet mit dem Kriegsmagier John Pritkin zu verbünden, der stets zu ihren erbitterten Häschern zählte.

Es geht jedoch um sehr viel mehr als um Cassies Rache. Myra könnte die Vergangenheit manipulieren, um zu verhindern, dass Cassie die neue Pythia wird. Es sieht ganz danach aus, als wäre der Vampir Mircea in Gefahr, denn über Jahre hinweg wachte er über Cassie, wenn auch nicht aus rein altruistischen Gründen. Allerdings mischt noch jemand mit, mit der niemand gerechnet hat, da sie eigentlich tot sein sollte…

„Hinreißend untot“ beginnt etwas schleppend, steigert sich jedoch nach den ersten Seiten zu einem witzigen Lesespaß. Es empfiehlt sich, „Untot mit Biss“ gelesen zu haben, denn der zweite Band der bislang vierteiligen „Cassie Palmer“-Serie baut auf den vorherigen Geschehnissen auf, nimmt immer wieder Bezug auf zurückliegende Ereignisse und setzt die Figuren als bekannt voraus. Zwar erklärt sich alles aus der laufenden Handlung, doch macht die Lektüre einfach mehr Vergnügen, wenn man weiß, wovon die Rede ist bzw. wie es zu dieser Situation hatte kommen können. Einen leichteren Einstieg in die Story hat man dann außerdem, denn der Plot ist sehr komplex.

Aus diesem Grund wird auch immer wieder ausführlich erklärt, wie die Magie funktioniert, welche Eigenarten die Wesen haben, mit denen es Cassie zu tun bekommt, und auch ihre Beziehung zu anderen Personen wird mit einigen Worten erläutert. Das ist manchmal schon recht langatmig und lässt die Handlung nur zögerlich voranschreiten. Hinzu kommt, dass sich Cassie nicht mit drei, vier Problemen herumschlagen muss, während sie ihr Ziel verfolgt, sondern das praktisch für jedes Hindernis, das sie beseitigt, zwei neue entstehen und andere Dinge ihre Aufmerksamkeit auf sich ziehen, so dass sie ihr eigentliches Vorhaben aus den Augen verliert:

Beispielsweise wird entdeckt, dass ein ‚Geis’ auf ihr liegt, der nur ausgesuchten Männern erlaubt, sich ihr zu nähern, doch um auf die ganze Macht der Pythia Zugriff zu haben, muss Cassie das Ritual vollenden und ihre Jungfräulichkeit verlieren. Der Vampir Tomas, ein Freund und Beschützer, der sie verriet, um sich von seinem Herrn zu lösen, befindet sich in Gefangenschaft und soll hingerichtet werden. Obwohl er sie getäuscht hat, gab es auch gute Zeiten, und Cassie möchte ihn retten. Und natürlich will sie Mircea vor Myras Attacken bewahren und die Gegenspielerin unschädlich machen.

Nicht einfach zu unterscheiden sind Freund und Feind, denn jeder wechselt nach Belieben die Seiten, um des eigenen Vorteils – oder des nackten Lebens – willen. Selbst jenen, die Cassie helfen, darf nicht absolut vertraut werden, da sie anderen ebenfalls verpflichtet sind oder aufgrund der Umstände die Lage neu beurteilen. Infolge weiß vor allem Pritkin Cassie zu überraschen.

Für amouröse Abenteuer bleibt allerdings nur wenig Zeit. Mircea, in den Cassie schon als kleines Mädchen verknallt war, hat nur wenige Auftritte und zieht sie immer noch in den Bann. An seine Stelle als Beschützer und potentiellen Love-Interest tritt – Überraschung! – Pritkin, der in diesem Band zeigt, dass er mehr ist als nur ein blutrünstiger, sturer und nahezu unverwüstlicher Kriegsmagier. Allerdings sind da immer noch der ‚Geis’, die Frage welcher Magier wann Cassie damit belegte und wie der Zauber, der sie an Mircea bindet, zu entfernen ist. Denjenigen, mit dem Cassie das Ritual letztlich vollzieht, hätte man gewiss am wenigsten erwartet.

Leider bleibt das sagenumwobene Feenland eine sehr blasse Kulisse. Man hätte gern ein wenig mehr von ihm und seinen Bewohnern erfahren. So jedoch werden hier in erster Linie die Weichen für den nächsten Roman gestellt.

„Hinreißend untot“ ist amüsant zu lesen, aber man muss sich auf einiges Geschwafel einstellen: ohne hätte sich die Geschichte sehr viel flüssiger abgespult. Stellenweise hat man das Gefühl, die Autorin habe den roten Faden verloren, da sie sich zu sehr in Nebenhandlungen ergeht, doch mit einem kurzen Satz ruft sie das eigentliche Anliegen immer wieder ins Gedächtnis zurück. Viele Personen, die stets für Überraschungen gut sind, tragen dazu bei, dass nichts so abläuft, wie man es erwartet hätte.

Die Story wird aus der Sicht der Hauptfigur in einem sehr legeren Ton erzählt, doch gleitet die Wortwahl nie in den Fäkalienbereich ab, und auch die würzenden erotischen Szenen kommen ohne deftige Schilderungen aus. Trotz ihrer Macken und Unwissenheit ist Cassie Palmer eine selbstbewusste Frau, die ihren Weg geht und vor allem Leserinnen ab 15 Jahren zur Identifikation einlädt.

Doch auch das aufgeschlossene männliche Publikum dürfte Spaß an den Romanen haben, da der Romance-Anteil nicht so viel Raum einnimmt wie in vielen anderen Büchern des Genres (von Lara Adrian, Katie McAlister, Kresley Cole u. a.) und wirklich eine Menge passiert. Daher wendet sich der Titel mehr an die Fans von Reihen wie „Vampire Academy“, „Dhampir“ und „Dante Valentine“, in denen ein nachvollziehbarer Plot an erster Stelle steht, es Action und Phantastik gibt und die Erotik als schmückendes Beiwerk (und nicht als wichtigstes Element) einfließt. (IS)

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