Magira – Jahrbuch zur Fantasy 2008

Magira Jahrbuch 2008Hermann Ritter & Michael Scheuch (Hrsg.)
Magira – Jahrbuch zur Fantasy 2008

Fantasy Club e.V., Darmstadt, 9/2007
PB, Sekundärwerk, Fantasy, ISBN 978-3-935913-08-9, ISSN 0934-1455, 455/1390
Titelillustrationen von Hubert Schweizer
Innenillustrationen von Detlef Krämer, Kirsten Scholz und Christian Seipp
www.magira.com
www.magira-jahrbuch.de
www.perrypedia.proc.org/Hermann_Ritter

Seit 2001 gibt der Fantasy Club e. V., der Mitte der 1990er Jahre nach der Abspaltung vom EDFC e. V. als neuer Dachverein für FOLLOW entstand, „Magira”, das „Jahrbuch zur Fantasy” heraus, um einen Blick auf die Entwicklungen des vergangenen Jahres im Genre Fantasy zu werfen.

Mit Artikeln zu Romanen, Serien, Filmen, Autoren und auch Übersichten dessen, was im vergangenen Jahr in den kleinen und großen Verlagen erschienen ist, einigen Kurzgeschichten und Grafiken, aber auch Rezensionen bietet das Buch eine Bunte Palette an Beiträgen.

Wie in jedem Jahr beginnt das „Magira Jahrbuch“ mit den Verlagsübersichten von Hermann Urbanek. Überwiegend bestehen sie aus einem Rückblick auf den vergangenen Ausstoß an Titeln in den großen und kleinen Verlagen. Diesmal wird so gut wie gar nicht auf die kommenden Monate eingegangen. Dennoch ist die nach Publikationsform sortierte Übersicht nicht zu verachten, macht sie doch auf die Bücher der kleinen Verlage aufmerksam, die einem sonst überhaupt nicht auffallen würden, wenn man nicht unbedingt auf die Webseite stößt.

Werner Arendt blickt nach mehreren Jahren Pause wieder einmal über den großen Teich und sondiert den englischsprachigen Buchmarkt nach interessanten Zyklen und Neuerscheinungen, die das Prädikat Fantasy noch verdienen. Denn auch in Amerika und England nimmt der Genre-Mix sprunghaft zu, und die Grenzen zum Horror oder Mainstream verschwimmen zusehend.

Natürlich gibt es diesmal auch wieder Rezensionen zu deutschen und ausländischen Romanen oder Kurzgeschichtensammlungen. Erstmals wird auch ein Blick auf die Fantasy-Graphic-Novels, geworfen, die neuerdings den Comicmarkt erobern.

Wie schon 2007 gibt es ungewöhnlich viele Nachrufe. Neben Urgesteinen wie Gary Gygax, Ernst Vlcek, Maria Szepes oder Madeleine L’Engle sind diesmal auch Autoren verstorben, die nicht einmal das siebzigste Lebensjahr erreicht haben, so wie Robert Jordan und Werner Kurt Giesa.

Diesmal fällt auf, dass sich die Artikel weniger mit einem allgemeinen Blick auf das Genre beschäftigen, sondern sich überwiegend auf bestimmte Autoren, Romane oder Zyklen beschränken. Aus Deutschland und der Feder von Uschi Zietsch stammt der „SunQuest“-Zyklus, der auf eigenwillige Art und Weise Fantasy und Science Fiction miteinander verbindet und nun von Volkmar Kuhnle vorgestellt wird.

Ein Klassiker des Genres ist eher der „Lankhmar“-Zyklus, auf dessen Neuausgabe bei der Edition Phantasia von Kirsten Scholz ein kritischer Blick geworfen wird. Nicht ganz so begeistert zeigt sich Michael Scheuch von den letzten drei Büchern und Hörfassungen der „Harry Potter“-Serie. Dementsprechend kritisch fallen seine Kommentare aus.

Anlässlich der 2009 in die Kinos kommende „Solomon Kane“-Verfilmung stellt Thomas Gramlich schon einmal den weniger bekannten aber nichtsdestoweniger beliebten Helden von Robert E. Howard vor.

Nicht zuletzt beschäftigt sich Stephanie Dorer mit „Fanfiction“ und bricht eine Lanze für die alternative Erzählkultur, die oft belächelt, hin und wieder verspottet wird, aber doch ihre Fans hat. Sie lässt in ihrem Essay auch nicht das Phänomen der Mary Sue außer acht – einer nicht zum Kanon gehörenden Figur, die viele Idealvorstellungen der Autorin in sich vereint und in allem den Serien- oder Buchhelden überlegen ist.

Neben den genannten Artikel gibt es noch einige kleine Berichte mehr, die genauer auf Filme, Vereine, Briefspiele oder Bücher eingehen.

Dazu gibt es noch vier Kurzgeschichten, die das Genre abzudecken versuchen. „Wie man auf Partys Mädchen anspricht“ stammt sogar von Neil Gaiman und verknüpft Wirklichkeit und Märchen miteinander, ebenso wie „Abschied von Onkel Felix“ aus der Feder von Birgit Erwin. Dass auch ein einfacher Bauer einen Krieg gegen die Orks entscheiden kann, beweist Falko Löffler in „Schlachtfeld“, und Klaus N. Frick wirft einen Blick zurück in die eigene Jugend, in der „Träumen von Tanelorn“ erstmals die Flucht aus einer tristen Gegenwart ermöglichte.

Im Gegensatz zu den Beiträgen der vergangenen Jahre wirken die des „Magira-Jahrbuch 2008“ viel spezieller. Da sie sich fast überwiegend mit Randerscheinungen des Genres beschäftigen und nicht mit den aktuellen Strömungen und Themen, wirkt die Zusammenstellung wie aus einer anderen Zeit und dürfte nicht unbedingt jeden Leser interessieren.

Aber eines sollte man dabei immer bedenken: Die Herausgeber bemühen sich sehr, eine möglichst bunte Mischung zusammenzustellen, sind aber trotzdem abhängig von den Beiträgen die man ihnen anbietet. Letztendlich erheben sie auch nicht den Anspruch, einen umfassenden Überblick über die Entwicklungen des Genres im vergangenen Jahr zu geben, sondern eine Auswahl von interessanten Artikeln zum Thema, die zwar einen aktuellen Bezug haben können, aber nicht unbedingt immer müssen.

Im nächsten Jahr kann der Inhalt schon wieder ganz anders aussehen. Es bleibt aber zu hoffen, dass sich der Mitarbeiterkreis auch wieder etwas erweitert und neue Autoren mit erfrischenden Impulsen und Themen dazu kommen.

Allein bei den Rezensionen hätte man etwas mehr Sorgfalt walten lassen können. Sie sind insgesamt sehr subjektiv, teilweise viel zu kurz und in der Zusammenstellung etwas zu einseitig geworden.

Zwar bietet das „Magira Jahrbuch 2008“ diesmal eine etwas speziellere Lektüre, aber trotzdem die Mischung ist so bunt, dass man durchaus auch einige interessante Beiträge für sich finden kann. Man merkt immer wieder, dass hier Fans für Fans schreiben und ihr Thema trotz sauberer und ausführlicher Recherchen möglichst unterhaltsam und nicht wissenschaftlich trocken wie in einer Dissertation vermitteln möchten. (CS)

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