Midnight Special

Walter Brandorff
Midnight Special

Verlag Lindenstruth, Giessen, 12/2010
Glanzbroschiertes PB
Mystery, Horror, Dark Fantasy
ISBN 978-3-93427-351-1
Titelgestaltung von N.N.

www.Verlag-Lindenstruth.de

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„Midnight Special“:
Der Österreicher Berger ist geschäftlich in den USA und verfährt sich auf dem Weg nach Denver. Als sein Wagen auch noch den Geist aufgibt, macht sich Berger per pedes auf den Weg, bis ihn der alte Abraham Nelson mit seiner Klapperkiste mitnimmt in das Kaff Elmer Plains. Von dort steigt Berger in den „Midnight Special”, den vorbeifahrenden Mitternachtszug – und mit ihm eine schattenhafte Gestalt. Berger spürt sogleich, dass irgendetwas mit dem Zug nicht stimmt, denn er kann keinen einzigen Mitreisenden in dem obendrein führerlosen Zug erspähen. Doch dann merkt er, dass er nicht völlig allein ist …

„Der Todesengel“:
Prosper, ein absoluter Durchschnittstyp, führt einen kleinen Buchladen und mordet kranke, schwache Menschen, die er als ‚leidende Kreaturen„ empfindet, welche es zu erlösen gilt – er fühlt sich dazu auserkoren. Bis er seinem Meister gegenübersteht, der ebenfalls ein Geheimnis hütet und ihm Paroli bietet.

„Fastnacht“:
Kieselreiter und Hartmann spielen zu Fastnacht Karten. Der stotternde Kieselreiter trifft eine übereilte Entscheidung, da er sich als Mörder wähnt…

„Der Verlierer (Pump the Gun)“:
Der alternde, in Scheidung lebende Schwartz geht eine Beziehung mit der schönen, jungen Linda ein, zeugt sogar ein Kind mit ihr. Liebig, Direktor einer Bank, überfährt im Suff Linda und begeht Fahrerflucht, versucht mit Hilfe seines Freundes, eines Anwalts, alles zu vertuschen – und löst eine Lawine von Ereignissen damit aus.

„Der Eisvogel“:
Immobilienmakler Bob Harris unterschlägt Gelder seiner Firma und zieht sich zum ‚Angeln„ zurück. Er begegnet dem alten Indianer Unkanga, der in das Land seiner Väter kommt, um zu sterben. Harris beschließt, ihn auf seinem letzten Weg zu begleiten. Der Greis orakelt, Harris sei in Gefahr. Als dieser zurück in seine Hütte kehrt und sein Partner auftaucht, schwant Harris tatsächlich Übles, und er ahnt, dass sein Partner hinter die Unterschlagungen gekommen ist. Harris erzählt ihm, dass er dem alten Indianer beim Sterben geholfen hat. Das Gespräch bleibt nicht ohne Konsequenzen.

„Wiener Blut“:
Der Wiener Peter Landau trifft in einem Pariser Café Edward Morgan, einen seltsam bleichen Mann, mit seiner eleganten, schönen, jungen Frau Charlotta. Das mysteriöse Paar mietet sich im selben Hotel wie Landau ein. Der Besitzer meint, Charlotta zu kennen, und es stellt sich heraus, dass sie in einen Mordfall verwickelt war. Das Pikante an dem Fall war, dass Charlotta neben dem Ermordeten im Bett lag und dieser ihr Schwager war. Das Opfer hatte vor seinem Tod einen hohen Blutverlust erlitten – ohne irgendwelche Blutspuren zu hinterlassen. Hintergrund der Tat war ein Erbschaftsstreit der beiden Zwillingsbrüder. Landaus Leben gerät, seit das geheimnisvolle Paar aufgetaucht ist, gehörig aus den Fugen.

Der Österreicher Walter Brandorff zählte zu den vielversprechenden deutschsprachigen Düster-Phantasten, bis er unter bis heute ungeklärten Umständen bei einem Hubschrauberabsturz ums Leben kam. Dieser Titel stammt somit aus seinem literarischen Nachlass – und liegt nun dankenswerterweise dem geneigten Leser vor: Walter Brandorffs philosophische Ansätze sind in Absätzen wie diesem schnell erkennbar: „Manche Menschen können eine längerdauernde, sorgenfreie Zeit nur schwer ertragen, geschweige denn eine Periode unbeschwerten, reinen Glücks. Wenn ihnen alles, was sie anpacken, unerwartet glatt von der Hand geht, wenn auch nicht der kleinste, unheildrohende Schatten auf ihr Tun und Lassen fällt, dann fühlen sie sich nicht wohl in ihrer Haut. Selbstquälerisch grübeln sie über ihr Schicksal nach und malen sich alles mögliche Missgeschick aus, das ihnen zustoßen könnte. Sie sorgen sich, wo es nichts zu sorgen gibt, und sie erkennen die Gunst der Götter nicht, die ihnen zuteil geworden ist.“

Seine schnörkellose, oft sezierende Sprache ist nicht auf markttaugliche Effekthascherei und plakativen Grusel aus gewesen. Walter Brandorff ging tiefer, viel tiefer, grub sich in die Seele seiner Protagonisten, in das Hirn des Lesers – und das in einer Präzision, die oft fast beiläufig daherkommt, so gradlinig ist sie. Es sind die Spiegelbilder, die er uns vorgehalten hat, die beschäftigen und unter die Haut gehen. Das Aufzeigen menschlicher Schwächen, irregeleiteter Psychen, falscher Lebensphilosophien, aber auch mystischer Begebenheiten. Es sind sein Stil und seine Aussagen, die einen hohen Wiederkennungswert haben und die ihn hervorheben. Umso bedauerlicher, dass dieser Autor die literarische Bühne so frühzeitig verlassen musste. Zum Schluss soll er daher posthum selbst über sein Werk zu Wort kommen: „Es sind böse Phantasien, die ich mir aus dem Kopf geschrieben habe, damit sie nicht meinen Schlaf vergiften. Leser, gib acht, dass sie sich nicht in deine Träume schleichen!”

Und zum Ende ein Satz aus „Midnight Special”, der gewiss so manchem aus der Seele spricht: „Demut, meine Freunde, ist das Gebot unserer Zeit, die Schwester der Weisheit.” Wie wahr. „Midnight Special“ bietet schnörkellose Botschaften über das Dunkle in jedem von uns und im Unbekannten, in einer Sprache, die fast wie ein chirurgisches Skalpell in die tiefsten Abgründe der menschlichen Seele schneidet und sie freilegt – absolut empfehlenswert.

Copyright © 2011 by Alisha Bionda (AB)

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