Sengende Nähe – Gestaltwandler-Serie 6

Nalini Singh
Sengende Nähe
Gestaltwandler-Serie 6

Branded by Fire, USA, 2009
Egmont-LYX, Köln, 10/2010
TB mit Klappenbroschur, Romantic Fantasy, SF, Erotik,380258273X, 414/995
Aus dem Amerikanischen von Nora Lachmann
Titelgestaltung von HildenDesign, München unter Verwendung von Motiven von DreamPictures/Vstock/Getty Images
Autorenfoto von privat

www.egmont-lyx.de
www.hildendesign.de
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Die Werleopardin Mercy Smith hat ein großes Problem: Im DarkRiver-Rudel ist sie das einzige dominante Weibchen, und die für sie infrage kommenden dominanten Männchen haben alle ihre Gefährtin bereits gefunden. Infolgedessen leidet sie unter Berührungs-, Sex- und Liebesentzug. In ihrer Not lässt sie sich auf eine Affäre mit dem Werwolf Riley Kincade vom befreundeten SnowDancer-Rudel ein, der attraktiv und dominant, aber dummerweise ein Wolf ist und somit bloß ein Zeitvertreib sein kann.

Als Mercys Großmutter zwei dominante Werleoparden aus ihrem Rudel zu Besuch schickt, um der jungen Frau zur benötigten Zuwendung zu verhelfen – und vielleicht ist einer sogar ‚Mr. Right‘? –, ist es aber schon zu spät, denn das ungleiche Paar hat gerade herausgefunden, dass sie Gefährten sind. Nun beschäftigt beide, welchen Einfluss die Beziehung auf ihre Loyalität gegenüber dem jeweiligen Rudel haben wird, zumal Mercy ihre Familie nicht verlassen und dies auch nicht von Riley verlangen will. Obendrein rätselt sie, ob sie wird Kinder haben können und diese dann auch Gestaltwandler sind.

Wenn Mercy und Riley nicht streiten oder wilden Sex haben, versuchen sie aufzuklären, weshalb seit geraumer Zeit immer mehr Mediale aus heiterem Himmel ein Blutbad anrichten und sich anschließend selbst töten. Werden sie gelenkt? Außerdem planen die Menschen, durch gewalttätige Aktionen ihren Status in der Gesellschaft als den Medialen und den Werwesen psychisch und physisch Unterlegene zu verändern. Darf man der Gruppe von Aussteigern vertrauen, die den Rudeln eine Warnung zukommen lassen und ein Bündnis mit ihnen anstreben?

Die Inhaltsangabe zeigt deutlich, wie die Themen in „Sengende Nähe“ gewichtet sind – und der Titel kommt demzufolge auch nicht von ungefähr. Tatsächlich dreht sich alles um das unerfüllte Liebesleben von Mercy und Riley, die einander aufgrund ihrer unterschiedlichen Wertiere eigentlich aus dem Weg gehen wollen, aber anfangs haben beide zu viel Spaß daran, sich gegenseitig auf die Palme zu bringen, und der Sex, auf den sie nicht lang warten müssen, ist so grandios, dass sie überhaupt nicht mehr die Pfoten voneinander lassen können.
Natürlich gibt es immer wieder Reibereien, denn Mercy und Riley sind gegenüber ihren Rudeln absolut loyal. Das bedeutet, dass sie einander nicht alle Geheimnisse anvertrauen dürfen und bei gemeinsamen Missionen sorgfältig abwägen müssen, was wer wann erfahren soll. Rileys Gefühle lassen ihn überdies zum Beschützer werden, was Mercy überhaupt nicht gefällt, schließlich ist sie eine ebenso erfahrene Kämpferin wie er und alles andere als das Heimchen am Herde, das er sich stets als Gefährtin erträumt hatte. Klar, diese und andere Konflikte führen regelmäßig zu Versöhnungssex, bis sie sich endlich aussprechen und eine Lösung finden.

Darüber geht die eigentliche Handlung regelrecht unter. Die Machtkämpfe der Werwesen, der Medialen und der Menschen beinhalten ein großes Potenzial, das leider nicht genutzt wird. Statt dem Leser mehr über das Leben in einhundert Jahren zu verraten, hängt die Autorin eine Beziehungskiste nach der anderen an das Gerüst dieser Welt, sorgt durch das Auftauchen von Paaren aus früheren bzw. späteren Romane für Aha-Effekte, und das war es auch schon. Schade! Man hätte aus der Idee von einer zukünftigen Gesellschaft, in der es außer ‚normalen‘ Menschen Gestaltwandler und psychisch Begabte gibt, sehr viel mehr herausholen können als nur dieses vage Hintergrundszenario.

Aber genau das hat Nalini Singh nie beabsichtigt, weil ihre Zielgruppe keineswegs die SF-Leser sind, sondern ein weibliches Publikum ab 16 Jahre, das sich mit den schönen Heldinnen identifizieren, Romantik und Sex-Fantasien genießen möchte, die sich um attraktive, beschützende Supermänner ranken, wobei die Prise SF/Fantasy allein dem (inzwischen nicht mehr so) aktuellen Trend geschuldet ist, der Vampire, Zombies, Werwesen, Engel, Dämonen & Co. als Traum-Liebhaber fordert.

„Sengende Nähe“ ist unterhaltsam zu lesen, aber man sollte sich nicht zu viel SF erhoffen und Paranormal Romances mögen – oder zur ‚echten‘ Fantastik greifen, die gibt es ja schließlich auch noch im Buchhandel.

Copyright © 2016 by Irene Salzmann (IS)

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