Shadowrun 4 – Schattenstädte

Lars Blumenstein, Robert Derie, Jong-Won Kim, Jason Levine, Robyn King-Nitschke, Peter Taylor
Schattenstädte
Quellenbuch zu Shadowrun

(sfbentry)

Pegasus Press Hardcover (2010)
221 Seiten, ISBN 978-3-941976-00-9
Deutsche Überarbeitung und Zusätze der Texte: Lars Blumenstein, Jan Helke & Heiko Oertel
Redaktion Deutschland: Tobias Hamelmann
Übersetzung: Mario Hirdes, David Grashoff
Cover Artwork: Arndt Drechsler
Illustrationen: Damien Coltice, Ed Cox, Vincent Dutrait, Alex Draude, Jacob Glaser, John Gravato, Felix Mertikat, Jean-Baptiste Reynaud, Mike Rooth, Klaus Scherwinski, Chad Sergesketter, Mia Steingräber, Barbara Wittmann
Konzernlogos: Jan Helke, Jochen Hinderks
Karten: Mikael Brodu, Damien Coltice, Jan Helke

http://www.pegasus.de

Bei „Schattenstädte“ handelt es sich um ein Quellenbuch zum Rollenspiel „Shadowrun 4.01D“. Das Buch wurde bereits 2006 vom Verlag Fanpro in Übersetzung veröffentlicht, nun liegt die überarbeitete Fassung von Pegasus Press vor. Das Buch kommt als stabiles Hardcover mit Leseband daher und weist die gleiche Aufmachung auf, wie die anderen Bücher der Reihe. Erneut hat Arndt Drechsler ein neues Umschlagbild entworfen, dass sehr passend ist und auf das Buch einstimmt. Somit hebt sich „Schattenstädte“ äußerlich wie innerlich von der amerikanischen Originalausgabe ab – sehr zur Freude der deutschsprachigen Leserschaft, die somit eine Übersetzung mit Mehrwert erhält.

Im Zentrum des Buchs stehen die sogenannten Schattenstädte, die Spielplätze der Runner. Hier tobt das Leben, schluckt der Sprawl seine Bewohner und spuckt sie bei Bedarf auch wieder aus. Um Abenteuer zu erleben oder zu gestalten genau das richtige Ambiente. Diese Dreh- und Angelpunkte jeder Shadowrun-Spielgruppe werden nun unter die Lupe genommen. Die Aufmachung ist dabei sehr gelungen.

Nach dem üblichen Einstieg über den JackPoint geht es im gewohnten Stil der Pegasus-Shadowrunbücher weiter. Dazu gehören kleine AR-Windows in denen sich Illustrationen und Textblöcke befinden, eine Seitenumrandung, die auch bei geschlossenem Buch das richtige Kapitel schnell finden lässt und natürlich der geliebte Shadowtalk, der die vorhandenen Informationen aus Sicht der Runner und Hacker ergänzt. Das hat Stil, das macht Spaß. Zudem sind die Texte gut geschrieben, leicht zu lesen und liegen in einer hervorragenden Übersetzung vor.

Im Kern beschreibt „Schattenstädte“ vier große Megaplexe. Den Anfang machen Hongkong und Seattle, die wohl bekanntesten Schattenstädte der Spielwelt. Ihnen wird auch der meiste Platz eingeräumt und es gibt etliche Detailinformationen, Abenteuerideen, historische Abrisse und vieles mehr. Die Informationen stürzen förmlich auf den Leser ein und reißen ihn mit. Die Kapitel sind einfach spannend und informativ. Leider ist das Kartenmaterial ein wenig dürftig und deckt nur das Notwendigste ab. Hier hätte ein wenig mehr ins Detail gegangen werden können, so bleibt nur eine abstrakte Vorstellung der Städte. Es gibt auch keine oder nur wenig Angaben zu den Sicherheitsstufen, die in den Städten herrschen. Auch hier muss der Spielleiter nachbessern und anhand der Beschreibungen festlegen, wie es um die Sicherheit in den jeweiligen Ecken bestellt ist.

Ähnlich sieht es bei der Beschreibung zu Hamburg aus, die gänzlich aus deutscher Feder stammt. Sie ist zwar gut geschrieben und sehr detailliert, trotzdem mangelt es ihr am Umfang, der im alten „Deutschland in den Schatten“ („Shadowrun 3.01D“) beträchtlich war. Auch hier kann das mitgelieferte Kartenmaterial nur als dürftig bezeichnet werden.

Vierte große Schattenstadt im Bunde ist Marseille. Es handelt sich dabei um eine Stadtbeschreibung aus dem französischen „Capitales des Ombres“ (dem französischen „Schattenstädte“/“Runner Havens“). Das Kapitel ist eindeutig kleiner als seine Vorgänger, besitzt aber dennoch Witz und Charme. Mit ein wenig Arbeit von Seiten des Spielleiters kann Marseille problemlos ausgebaut werden. Für einen kleinen Trip der Spielercharaktere nach Frankreich ist das Material allemal ausreichend. Störend ist hier nur die übliche Kurzgeschichte, die jedes Kapitel einläutet. Normalerweise passt die Geschichte auf genau eine Seite – je nach verwendeter Schriftgröße. Im Marseille-Kapitel ist sie allerdings umfangreicher und nimmt noch die nächste halbe Seite ein. Für den Inhalt leicht zu verschmerzen, aber es stört den einheitlichen Stil.

Im Buch werden auch Kapstadt, Caracas und Instanbul kurz angerissen. Diesen Schattenstädten wurde nur wenig Raum gelassen und so sind die Beschreibungen sehr knapp geraten. Zwei bis drei Seiten pro Stadt müssen hier ausreichen. Wer die Charaktere seiner Spieler in eine dieser Städte schickt, der sollte sich gut vorbereiten und einige Punkte im Vorfeld ausarbeiten.

Den Abschluss des Buchs macht das Kapitel mit Spielinformationen. Neben Missionen und Abenteuergerüsten für Hongkong, Seattle und Hamburg, erklärt das Kapitel, wie der Spielleiter seine eigene Schattenstadt entwerfen kann. Die Texte sind knapp gehalten, standen so schon im Quellenbuch „Konzernenklaven“. Sie sind hier aber erneut und passend wiedergegeben.

„Schattenstädte“ ist – trotz seiner kleinen Schwächen – ein hervorragendes und unterhaltsames Quellenbuch. Es gelingt den Autoren sehr gut die jeweilige Atmosphäre der Städte herauszuarbeiten und zu vermitteln, die Unterschiede aufzuzeigen. Somit ist keine der angegebenen Städte austauschbar, sondern mit ihrem Flair einzigartig. Ärgerlich ist nur, dass es keinen Index gibt, der das rasche Auffinden bestimmter Informationen erleichtern würde.

Mit „Schattenstädte“ hat Pegasus Press erneut ein hervorragendes Quellenbuch herausgegeben, dass die wichtigsten Städte auf den Stand von 2072 bringt und – für die deutschsprachige Leserschaft – mehr bietet, als das Original. Sahne!

Copyright © 2010 by Günther Lietz

Titel bei Buch24.de

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