Toras von Havena

toras-von-havenaChristian Labesius
Toras von Havena
Das schwarze Auge 108

Fantasy Productions, Erkrath, 6/2009
TB, Fantasy
ISBN 9783890641683
Titelillustration von Arndt Drechsler
Karte von Ralf Hlawatsch

www.fanpro.com
http://arndtdrechsler.com

Nicht immer müssen sich Romane und Geschichten aus der Welt des „Schwarzen Auges“ mit weltbewegenden Geschehnissen beschäftigen und Menschen losschicken, um die Prinzessin, das Reich oder sogar die Welt zu retten. Manchmal sind es gerade die kleinen Schicksale, die die Leser begeistern, weil sie diese an ihre eigenen Rollenspiel-Helden erinnern. Die Autoren können auch daran arbeiten, gängige Klischees zu widerlegen, und Gruppen oder Völker entgegen der ihnen entgegen gebrachen Vorurteile darzustellen. Ist ein Schwarzmagier, also ein Mitglied der ‚Gilde zur rechten Hand’ wirklich immer abgrundtief böse und hat nur im Sinn, den Menschen zu schaden? Oder aber zeichnet einen jungen Adepten eigentlich nur aus, dass er im Einsatz seiner Zauber und der Kontrolle anderer Menschen etwas skrupelloser vorgeht als der Durchschnittszauberer?

Toras, geboren und aufgewachsen als Dieb in Havena, ist ein solcher Fall. Nach seiner eigentlichen Ausbildung will er in AlAnfa eigentlich nur seine Kenntnisse in einem anderen Bereich erweitern und ansonsten nicht irgendwelchen Ruhm oder Macht ernten. Aber wie es der Zufall so will, trifft er natürlich auf einen Rivalen, der ihm seine Erfolge neidet und ihm eine Lektion erteilen will. Ehe er sich versieht, wird Toras gezwungen, ein Zauberduell gegen seinen Feind Zachaban auszuführen. Zwar gewinnt er, aber der andere macht sich nur kurz darauf davon, nicht ohne ihm noch seinen kostbarsten Besitz zu rauben. Toras ist wütend, kann seine Studien aber jetzt so kurz vor dem Ende nicht aufgeben. Doch er schwört, Zachaban wieder zu finden, ihn zu töten und sich die Juwelen zurück zu holen, die der andere ihm gestohlen hat…

Doch kann er Monate später die kalte Spur wieder aufnehmen? Ist es vielleicht sogar ein Fehler, nach Fasar zu gehen, da sein Feind dort schon längst eine Falle vorbereitet haben könnte?

Christian Labesius konzentriert sich ganz und gar auf seinen Helden, der zwar durchaus bereit ist, Menschen zu manipulieren und auch schon einmal Schadenszauber einzusetzen, aber ansonsten so etwas wie ein Herz und seine Menschlichkeit noch nicht verloren hat. Sein Rivale ist dafür das genaue Gegenteil. So gesehen erfährt man viel über das Selbstverständnis der Schwarzen Gilde, nachdem sonst immer die Mitglieder der anderen Gilden in den Romanen vorkamen. Es gelingt dem Autor recht gut, die Höhen und Tiefen des Magierlebens einzufangen, einschließlich des Ärgers, den man in manchen Regionen mit Fanatikern hat.

Das Buch ist kurzweilig geschrieben, wenn auch die Spannung eher auf einem niedrigen Niveau bleibt, da der Held über weite Strecken des Buches keinen richtigen Antrieb hat und seine zweite Konfrontation mit dem Rivalen viel zu früh kommt und nicht der eigentliche Höhepunkt des Buches ist. Aber man nimmt es Christian Labesius nicht ganz so übel, da auch die kleinen Ereignisse zu gefallen wissen und seine Figuren sehr glaubwürdig und lebendig sind. Vielleicht ist „Toras von Havena“ nichts für Action gewohnte Fans, die mehr von einem Roman erwarten als interessante Figuren und eine intensive Atmosphäre. Auf jeden Fall macht der Band neugierig auf weitere Abenteuer des jungen Magiers, der im tiefsten Inneren doch ganz anders ist als der Ruf, der seinem Stand vorauseilt.

Christel Scheja (CS)

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