Alien – Jenseits der Sterne

James A. Moore
Alien – Jenseits der Sterne

Originaltitel: Alien – Sea of Sorrows (London : Titan Books 2014)
Übersetzung: Kristof Kurz
Deutsche Erstausgabe: Oktober 2015 (Heyne Verlag/TB Nr. 31616)
364 S.
ISBN-13: 978-3-453-31616-4
eBook: Dezember 2014 (Heyne Verlag)
1509 KB
ISBN-13: 978-3-641-16261-0

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Das geschieht:

Im Jahre 2496 ist der Planet New Galveston – vormals LV 178 – nach ausgiebigem Terraforming eine blühende Kolonie. Ärger bereitet allerdings ein „Meer der Tränen“: So nennt man blinde Flecken, die dem Prozess entgangen sind, was kostspielig nachgebessert werden muss. Die Interstellare Handelskommission schickt Alan Decker, der dafür sorgen soll, dass die hässliche mit schwarzem Sand bedeckte und von Silikonröhren durchzogene Wüste beseitigt wird.

Ein Arbeitsunfall sorgt dafür, dass Decker schwer verletzt zur Erde gebracht wird. Dort wartet schon der Konzern-Krake Weyland-Yutani auf ihn: Decker ist ein Nachfahre von Ellen Ripley, die drei Jahrhunderte zuvor den Kontakt mit einer außerirdischen Lebensform – den insektenähnlichen „Aliens“ – auf LV 178 nicht nur überlebt, sondern die aggressiven, säureblütigen und die Körper ihrer Opfer als Brutstätte für ihre Jungen missbrauchenden Kreaturen auch mehrfach dezimiert hat – dies zum Ärger von Weyland-Yutani, denn der Konzern will unbedingt ein Alien-Exemplar in seinen Besitz bringen, um es zu studieren und womöglich eine unwiderstehliche Kampfmaschine daraus zu formen.

Decker wird entführt und gerät an Bord des Konzern-Raumschiffs „Kiangya“. Unter dem Kommando der gnadenlosen Weyland-Yutani-Repräsentantin Andrea Rollins soll er zusammen mit 36 Söldnern nach New Galveston zurückkehren, um in den Tiefen einer uralten Mine ein Alien zu fangen. Rollins kennt und nutzt Deckers Geheimnis: Er ist ein Empath, der die Gedanken der Aliens lesen und diese dadurch orten kann. Allerdings funktioniert dies auch umgekehrt – und die Aliens hassen Decker, denn sie haben Ripley keineswegs vergessen. Die Expedition in die Unterwelt entwickelt sich daher rasch zum Desaster. Ohne Wissen um die Zerstörungskraft der Aliens werden die Söldner mit ihren Feinden konfrontiert. Unter der Erde bricht ein erbarmungsloses Gemetzel aus …

Bekannter Ort, bekannter Gegner, bekannte Story

Der Kampf zwischen Kapitalertrag und Unterhaltung geht nicht nur in der modernen Populärkultur meist unentschieden aus: Seit jeher wird die Kuh gemolken, bis sie nicht nur trocken, sondern tot umgefallen ist. Das Publikum macht dies mehrheitlich willig mit, denn es ist und bleibt lange voller Hoffnung, einen einstmals verspürten Kick erneut zu spüren. Diese Erwartungshaltung lässt Franchises entstehen, die erst eingehen, wenn erstens gar nichts Neues geboten und zweitens die Erwartung von der Enttäuschung übertroffen wird.

„Enttäuschung“ ist auch das richtige Wort, wenn es gilt, einen Roman wie „Alien – Jenseits der Sterne“ zu beschreiben. Auf den ersten Blick ist dies ein Action-Garn für Leser, die primär bzw. ausschließlich das Bekannte lieben, das sie deshalb problemlos auch wiederaufbereitet genießen. Selbst der nur leidlich kritische Konsument muss dagegen feststellen, dass man ihn – und sie – mit faulen oder besser: lahmen Tricks abspeisen will.

In dieser Geschichte gibt es eigentlich nur einen neuen Aspekt: Hauptfigur Decker ist ein „Empath“, der die Gefühle und Gedanken der Aliens erkennen und ‚lesen‘ kann. Die Verbindung funktioniert beidseitig, weshalb auch die Kreaturen wissen, dass Decker in ihrer Nähe ist. Objektiv dürfte sie das so, wie wir sie 1979 im Film „Alien – Das unheimliche Wesen aus einer fremden Welt“ kennengelernt haben, herzlich wenig scheren: Gerade die vordergründige, kompromisslose Zweckgerichtetheit der Aliens, die keinerlei Interesse für die Gefühle ihrer Opfer hegen, sorgte für ultimativen Schrecken. Ihnen nun ein kollektives Gedächtnis anzudichten, das ausgerechnet Rache konserviert, ist kein Einfall, der dem Mythos dienlich wäre.

Das kennen wir doch – aber besser

Ansonsten erzählt Autor Moore die Handlungen der „Alien“-Filme nach, die er in einzelne Erzählstränge zerlegt und neu zusammenstellt. Alan Decker ist nicht nur ein Nachfahre von Ellen Ripley, sondern faktisch deren Wiedergeburt. Im Zeitraffer erlebt er, was ihr in „Alien“ und „Aliens“ zugestoßen ist. Ein bisschen „Alien 3“ ist ebenfalls dabei, wenn es erneut in einer alten Minenanlage gegen die biestigen Kreaturen geht.

Wie in „Aliens“ begleitet unseren widerstrebenden Helden eine Gruppe ebenso kampfstarker wie großmäuliger Söldner unter Tage. Einmal mehr steckt Weyland-Yutami als Muster-Konzern mit unmenschlich profitorientierter Gesinnung dahinter. Eisenhart emotionslos schickt Andrea Rollins ihre als entbehrlich eingestuften Haudraufs in einen Einsatz, den die Mehrheit nicht überleben wird.

Dummerweise ist uns, den Lesern, dies alles wohlbekannt. Nichtsdestotrotz verordnet Moore allgemeine Unkenntnis. Deshalb müssen Decker und seine Kampfgefährten demonstrativ schockiert feststellen, dass die Aliens kaum kleinzukriegen sind, Säure bluten sowie ihre Opfer verschleppen, um Eier in ihre Mägen zu legen, deren larviger Inhalt wenig später durch die Brustkörbe platzt. Selbstverständlich ist die Begegnung mit einer Alien-Königin als Höhepunkt eines Geschehens inszeniert, das sich ansonsten in der Beschreibung immer neuer Raufereien zwischen Menschen & Aliens erschöpft. Für ein wenig Abwechslung sollen die Gemeinheiten gieriger Verräter sorgen, die ihre Gefährten über die Alien-Klinge springen lassen, um selbst zu überleben und bei Weyland-Yutami abkassieren zu können.

Die Welt der Aliens als erzählerisches Mikroversum

Wobei sich die Frage stellt, ob die Geschichte der Aliens überhaupt die Tauglichkeit für eine Fortsetzung i. S. einer Entwicklung besitzt. Ridley Scott, der 1979 unwissentlich und unfreiwillig die Saga startete, hat für seine Rückkehr ins „Alien“-Universum kaum grundlos einen neuen Ansatz gewählt: „Prometheus“ (2012) spielte deutlich vor den „Alien“-Spielfilmen und brachte die Kreaturen eher pflichtschuldig in ein Geschehen, das eine andere Richtung einschlug.

Die Aliens sind vor allem gefährlich. Klug sind sie dagegen eher nicht; sie verfügen über eine Schwarmintelligenz. Das Überleben der eigenen Spezies ist ihr Existenzzweck. Raffiniert gehen sie dabei nicht vor. Stattdessen räumen sie rabiat mit potenziellen Gegnern auf und sammeln Wirtskörper für ihre Brut. Eine Kommunikation kommt nicht zustande; nicht umsonst nennt man die Kreaturen „Aliens“: Sie bleiben den Menschen fremd und deshalb besonders unheimlich.

Während die Filme die unbedingte Feindseligkeit und Überlegenheit durch eindrucksvolle Bilder belegen und den Aliens gleichzeitig eine charismatische Hauptfigur – Sigourney Weaver als Ellen Ripley – gegenüberstellen konnten, müssen Autoren, denen aufgetragen wird, das Franchise durch Romane zu unterstützen, quasi mit angezogener Bremse arbeiten. Das ist nicht neu; es kennzeichnete bereits die „Alien“-Serien der Verlage „Bantam“ (1992-1998) und „DH Press“ (2005-2008). Wieso sollte es sich bei „Titan Books“ ändern?

Action-Drama als Handlungs-Klon

Also bleibt abermals die Kernstory unberührt. Wenn Ripley wie in ersten Band dieser Trilogie (Tim Lebbon: „In den Schatten“) auftritt, hat der Autor zu gewährleisten, dass ihr Handeln nicht den offiziellen Story-Arc tangiert. Dies geschieht meist auf kruden Wegen, die den Zweck allzu deutlich offenbaren. Gern fällt Ripley deshalb einem partiellen Gedächtnisverlust anheim.

Man sollte meinen, dass die Wahl einer eigenen Hauptfigur für erzählerische Freiheit sorgt. Weit gefehlt. Schon die behauptete Verwandtschaft zwischen Ripley und Decker ist für das Geschehen völlig ohne Belang bzw. bleibt reines Lockspiel mit dem Reiznamen „Ripley“. Decker bleibt als Charakter papierflach bzw. eine blasse Ripley-Kopie. Moore schreckt nicht davor zurück, ihn schematisch in dieselbe Außenseiterposition zu drängen.

Auch die Aliens sollen die bekannten, bewährten und vor allem einträglichen Aliens bleiben. Ihr Grusel-Potenzial leidet freilich unter ihrem inflationären Auftreten: Wo Scott oder David Fincher („Alien 3“) jeweils ein Alien reichte, um Angst & Schrecken zu säen, treten sie bei Moore wie ein Heuschreckenschwarm auf. Sie verlieren ihre Individualität und werden beliebig – ein Urteil, das auch diesen Roman beschreibt, dessen wohl ähnlich belanglose Fortsetzung bereits angekündigt ist.

Autor

James Arthur Moore, geboren am 3. September 1965 in Atlanta, Hauptstadt des US-Staates Georgia, begann seine Laufbahn als Autor für Marvel Comics. „Of Love, Cats, and Curiosity“, eine Story, die in Clive Barkers Hellraiser-Universum spielt, wurde 1992 seine erste Veröffentlichung. Moore schrieb außerdem Scripte für mehr als zwanzig Rollenspiele. Sein Romandebüt „House of Secrets“ war folgerichtig ein Buch zum Rollenspiel „White Wolf“.

In den folgenden Jahren etablierte sich Moore als Autor für Gebrauchsliteratur. Meist erschienen seine Titel bei kleinen Verlagen. In rascher Folge stieß er Titel aus und begann Serien, die er bei ausbleibendem Erfolg kurzerhand abbrach. Als rasch arbeitender Autor eignete er sich hervorragend für die Fabrikation sog. „tie-ins“, d. h. Romane zu Filmen und TV-Serien, die als Merchandisingprodukte vermarktet werden. Immerhin wurde Moore 2003 (für seine Roman-Serie „Serenity Falls“) und 2006 (für den zusammen mit Christopher Golden verfassten Kurzroman „Bloodstained Oz“) für einen „Bram Stoker Award“ nominiert.

James A. Moore lebt und arbeitet weiterhin in Atlanta.

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