CSI Las Vegas: Killing Game

Max Allan Collins
CSI Las Vegas: Killing Game

Originaltitel: CSI Crime Scene Investigation – Killing Game (New York : Pocket Books/Simon & Schuster, Inc. 2005)
Übersetzung: Frauke Meier
Deutsche Erstausgabe (geb.): November 2005 (Vgs Verlagsgesellschaft)
276 S.
ISBN-13: 978-3-8025-3485-0

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Das geschieht:

In Las Calinas, einer Siedlung für betuchte Rentner außerhalb der Wüstenmetropole Las Vegas, wurde die 80-jährige Grace Salfer ermordet im eigenen Haus gefunden. Die Alarmanlage hat nicht angeschlagen, der Täter versucht, sein Eindringen als normalen Einbruch zu tarnen. Ganz anders dagegen sieht es in der Wohnung von Angela Dearborn aus. Man hat die junge Frau buchstäblich totgeprügelt, ihre Möbel und andere Einrichtungsgegenstände in blinder Wut aber systematisch in Stücke geschlagen und gerissen. Mögliche Spuren sichert an beiden Orten ein Team der „Crime Scene Investigation“ (CSI). Fall Nr. 2 geht an die Nachtschicht, die seit einiger Zeit von Catherine Willows geleitet wird. Ihr ehemaliger Chef Gil Grissom, nun zuständig für die Tagschicht, leitet in Las Calinas die Ermittlungen, wobei ihm nicht nur die bewährten Sarah Sidle, sondern auch die Neulinge Greg Sanders und Sofia Curtis zur Seite stehen.

Im Mordfall Dearborn finden Willows Kollegen Nick Stokes und Warrick Brown rasch Hinweise auf einen Hauptverdächtigen: Todd, Ex-Gatte der Toten, inzwischen drogenfrei und trockener Alkoholiker, versuchte sich mit Angela zu versöhnen, wurde jedoch von ihr noch am Abend vor ihrem Tod rüde abgewiesen. In Las Calinas gestaltet sich die Ermittlungen schwieriger. Die Sicherheitsmaßnahmen vor Ort organisiert ausgerechnet Todd Templeton, ein Ex-Kollege Grissoms, den dieser vor Jahren der Beweisverfälschung überführte, worauf Templeton seinen Job verlor.

Der verbitterte Mann intrigiert geschickt gegen Grissom, doch die beiden Teams tragen weiterhin verbissen Indiz um Indiz zusammen. Das kriminalistische Puzzle will dieses Mal lange nicht aufgehen. Zu allem Überfluss ergeben sich plötzlich Verbindungen zwischen den beiden Verbrechen, welche die Ermittlungen in eine völlig unerwartete Richtung lenken …

Langsamer Start, furioses Finale

Auch Erfolgsserien haben ihre Durchhänger; je länger sie laufen, desto größer wird die Tendenz, sich mit Routine und Wiederholungen zu begnügen. Es ist halt nicht einfach, sich ständig nicht nur neue, sondern möglichst originelle Plots einfallen zu lassen. Auch „CSI Las Vegas“, die älteste der insgesamt vier „CSI“-Serien, blieb von diesem Schicksal nicht verschont. Das ließ sich verschmerzen, solange immer noch die Episoden in der Überzahl waren, die dies durch pure Unterhaltung ausgleichen konnten.

Normalerweise sollte man sich solche Gedanken bezüglich der Bücher zur Serie nicht machen. Diese werden in der Regel von drittklassigen Schreiberlingen produziert und als gedruckte Verbrauchsware auf den Buchmarkt geworfen. Auch hier bildete „CSI“ eine Ausnahme. Man konnte sich der Mitarbeit eines zwar rasant schreibenden aber fähigen Verfassers versichern, der mit seinen ‚normalen‘ Roman bereits große Anerkennung sowohl seitens der Kritiker als auch der Leser erfahren hatte. Auch ein Max Allan Collins kann jedoch nicht stets auf der Höhe seiner Fähigkeiten sein. Für „Killing Game“ ist ihm trotz des martialischen Titels eine Geschichte eingefallen, die sehr langsam in Schwung kommt. Was er uns – in gewohnt lesenswerten Worten, die das „CSI“-süchtige Hirn sogleich in Bilder umsetzen kann – bis zur ‚Halbzeit‘ erzählt, würde optisch besser zur Geltung kommen als auf dem Papier.

Dann wird es allerdings doch spannend. Die beiden Fälle sind eigentlich nur einer, das bewährte CSI-Team kommt wieder zusammen, seine Mitglieder spielen sich die Bälle zu und entwirren einen scheinbar unlösbaren Fall. Das ist CSI, wie wir es kennen und lieben, mit dem Erzähltempo steigt die Spannung, bis der Doppelfall zufriedenstellend gelöst wird – logisch im kriminalistischen Sinn, überzeugend für die Leser, die Collins letztlich doch überraschen konnte, ohne dafür faule Tricks anwenden zu müssen.

Geteiltes Ermittler-Orchester

„Killing Game“ spielt in einer für unsere „CSI“-Helden schwierigen Phase: Der aalglatte, vor allem von Gil Grissom ständig ignorierte und düpierte Abteilungsleiter Conrad Ecklie hat das bewährte Team auseinandergerissen und auf die Tag- und Nachtschicht verteilt. In der vierten TV-Staffel zog dies einen eigenen, episodenübergreifenden Handlungsbogen nach sich, der die Folgen für die Beteiligten thematisierte; eine jener Drehbuchvolten, die aus „CSI Las Vegas“ mehr als ‚nur‘ eine bemerkenswerte Krimiserie werden ließ.

Im Fernsehen meisterten die Autoren glänzend die selbst gestellte Herausforderung, das „CSI“-Team, welches die Zuschauer am liebsten gemeinsam agieren sehen, zu trennen und doch immer wieder zusammenzuführen. Die fulminante Bildsprache verdeckte manche allzu freie Interpretation der Logik. Das lässt sich im Roman schwieriger erreichen. Collins geht intensiv auf die veränderte Situation ein, die Reaktionen förmlich erzwingt, aber im Fernsehen eher dezent zur Sprache kommt. Catherine Willows bezahlt ihren Aufstieg mit dem Misstrauen ihrer Kollegen und Freunde – hat sie den von allen verehrten Grissom für ihre Karriere verraten? -, während Ecklie sie nach seiner Pfeife tanzen lässt. Gil Grissom muss sich eingestehen, dass sein Desinteresse an der Büropolitik ihm genau dort geschadet hat, wo es ihn am meisten schmerzt: im „CSI“-Alltag, der sein Leben ist. Jetzt hat man ihm ‚sein‘ Team genommen, und das belastet ihn. Collins vermag sehr schön deutlich zu machen, dass der scheinbar chronisch ausdruckslose Grissom sehr wohl über menschliche Gefühle verfügt.

Fernseh-Schicksale

Schlimmer noch: Seine Unfähigkeit, sich zu verbiegen bzw. sein Fähnchen wenigstens manchmal nach dem gerade aktuellen politischen Wind wehen zu lassen, beeinträchtigt dieses Mal auch Grissoms Arbeit als Kriminalist. Er trifft einen unversöhnlichen Feind wieder, dem sein unerbittliches Primat des korrekten Beweises einst den Job kostete. Todd Templeton weiß, wie man das ‚Spiel‘ spielt, d. h. Intrigen spinnt. Collins steht wie seine Leser und die Zuschauer auf Grissoms Seite. So inszeniert er das enthüllende Finale nicht nur als Sieg der Gerechtigkeit, sondern auch als Triumph der Grissomschen Ideale. Das mag recht realitätsfern sein, stellt aber sehr zufrieden.

Relativ neu im Team sind Greg Sanders und Sofia Curtis. Im Hintergrund sah man sie als Laborfreak und ehrgeizige Ermittlerin schon in früheren „CSI“-Folgen. Nun gibt ihnen die personelle Umstrukturierung die Chance, an der ‚Front‘ mitzumischen. Auch das geht nicht ohne Spannungen ab, die Collins anschaulich herausarbeitet, denn die alten CSIler wie Sara Sidle werden mit ihnen nur schwer warm oder scheinen sie gar für den Verlust ihres Mentors Grissom mitverantwortlich zu machen.

Die Konzentration auf das kriminalistisch Zwischenmenschliche erweist sich unterm Strich als eindeutiges Plus dieses Romans. Definitiv gewahrt bleibt der Vorsprung, den die „CSI“-Romane des Max Allan Collins in Sachen Unterhaltungswert und Stil vor den allzu oft traurigen Machwerken der meisten Filmroman-Schreiberlinge halten. Auch die Übersetzung liest sich flüssig und glänzt durch die Abwesenheit jener Schreib- und Grammatikfehler, die der höchstmögliche Verzicht auf redaktionelle Betreuung gerade im Bereich der Verbrauchsliteratur heute fast schon zur traurigen Selbstverständlichkeit werden lässt.

Autor

Max Allan Collins wurde 1948 in Muscatine, US-Staat Iowa, geboren. Er entwickelte wie viele Kinder ein ausgeprägtes Interesse an Comics, entdeckte aber auch generell seine Liebe zur Populärkultur: zum Thriller, zur Musik, zum Fernsehen und für den Film. In den ersten beiden Jahren als Student arbeitete Collins als Reporter. Ab 1971 unterrichtete er Englisch an einem College. 1977 gab er dies auf und etablierte sich als freier Schriftsteller. Sechs Jahre zuvor hatte er seinen ersten Roman verkaufen können: „Bait Money“ (dt. „Köder für Nolan“) wurde zugleich das Debüt seines ersten Serienhelden Nolan, der als professioneller Dieb ständig mit der Polizei wie mit der Unterwelt in Konflikt gerät.

1975 schuf Collins seine bisher bekannteste und erfolgreichste Figur. Ursprünglich war der Privatdetektiv Nathan Heller als Held einer Comic-Serie geplant, die jedoch ihre Premiere nicht mehr erlebte. Die aufwändigen Recherchen versetzten den Schriftsteller in die Lage, Heller 1983 mit „True Detective“ (dt. „Chicago 1933“) einen ebenso voluminösen wie eindrucksvollen ersten Auftritt zu verschaffen. Wie selten zuvor im Genre gelang Collins die Einbettung des klassischen Schnüfflers in das historische Umfeld der frühen 1930er Jahre.

Im Comic-Bereich feierte Collins erste Erfolge als Texter für den Klassiker „Dick Tracy“, der seit 1931 läuft. Collins führte die Serie an ihre Ursprünge zurück und zu neuem Ansehen. Er textete auch für „Batman“ und schuf mit dem Zeichner Terry Beatty die erfolgreiche Comic-Serie „Ms. Tree“ um eine weibliche Privatdetektivin.

1990 entdeckte Collins ein neues Betätigungsfeld: Als „Dick-Tracy“-Spezialist wurde er engagiert, das Buch zum Film von und mit Warren Beatty zu verfassen. Auch zwei Fortsetzungen flossen aus seiner Feder. Der Damm war gebrochen, seitdem schreibt Collins (unterstützt von Co-Autoren, im vorgestellten Buch ist es Matthew V. Clemens) immer wieder „tie-ins“, die gegenüber den allzu oft minderwertigen, weil als Nebenprodukt zum Film produzierten Romanen weniger talentierter bzw. inspirierter Kollegen durch ihre sorgfältige Machart und ihre Lesbarkeit auffallen.

Copyright © 2017 by Michael Drewniok (md)

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