Damien: Omen II

Joseph Howard
Damien: Omen II

Originaltitel: Damien: Omen II (New York : The New American Library, Inc. 1978)
Übersetzung: Tony Westermayr
Deutsche Erstausgabe: Oktober 1978 (Goldmann Verlag/TB Nr. 3745)
192 Seiten
ISBN-13: 978-3-442-03745-2

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Das geschah:

Des Teufels Kampf um die Weltherrschaft geht in eine neue Runde. Dieses Mal versucht er es mit dem alten Kuckucks-Trick und schiebt seinen Mensch gewordenen Sohn – als Mutter springt ein Schakal ein, aber der Junge schlägt nach dem Vater – der steinreichen Thorn-Dynastie unter, der nicht nur der halbe US-Staat Illinois, sondern auch vom Rest der Vereinigten Staaten ein so großer Teil gehört, dass der Präsident sehr aufmerksam zuhört, wenn ein Thorn ihm etwas sagen möchte.

Zwar war Robert, amerikanischer Botschafter in London, dem buchstäblich teuflischen Komplott nach sechs Jahren stolzer (Stief-) Vaterschaft auf die Schliche gekommen, aber da hatte der heranwachsende Anti-Christ – Damien mit Namen – bereits alle lästigen und gefährlichen Zeugen – darunter seine ‚Mutter‘ – auf einfallsreiche Weise aus dem Weg geräumt. Dieses Mal siegte das Gute nicht in letzter Minute: Als Robert Damien zurück in die Hölle schicken wollte (wobei sieben antike Dolche aus dem Heiligen Land eine maßgebliche Rolle spielten), machte sich ausgerechnet Scotland Yard ahnungslos zum verlängerten Arm Satans und erschoss den scheinbar wahnsinnig gewordenen Botschafter.

Das geschieht:

Sieben Jahre später: Damien Thorn ist 13 Jahre alt geworden. Er kennt seine Herkunft nicht, kämpft allerdings seit einiger Zeit mit einer unerklärlichen inneren Unruhe und entdeckt buchstäblich übermenschliche Kräfte an sich. Nach dem Tod seiner Eltern hat Richard, Roberts Bruder, den Waisen aufgenommen, und zieht ihn an der Seite seines Sohnes Mark auf. Die beiden Vettern besuchen eine elitäre Militärakademie, wo man ihnen das Rüstzeug vermitteln soll, das sie benötigen werden, wenn sie dereinst den weltumspannenden Thorn-Konzern übernehmen. Das wird der Tag sein, an dem Satan über Damien seine hochfliegenden Pläne (siehe oben) verwirklichen wird!

Aber wie so oft ist der Teufel schlampig gewesen. Obwohl er sich redlich bemüht hat, alle Hinweise auf Damiens widernatürliche Herkunft zu tilgen, ist ihm eine Zeugin entwischt: die Journalistin Joan Hart, die in den vergangenen Jahren nicht nur aufmerksam Damiens Lebensweg verfolgt hat, sondern kürzlich auch die magischen sieben Dolche in ihren Besitz bringen konnte, die allein Satans Sohn den Tod bringen können. Nun will Hart Richard Thorn einweihen, doch leider stellt sie sich denkbar ungeschickt dabei an und wird von Thorn hinausgeworfen.

Schon seit einiger Zeit hat Damien damit begonnen, seinen Weg an die Spitze des Thorn-Konzerns vorzubereiten. Hindernisse auf diesem Weg pflegt Damien wie gehabt recht spektakulär auszuräumen. Auch Joan Hart geht diesen unerfreulichen Weg, aber wieder hat Satan Pech: Die Journalistin konnte vor ihrem Ende doch jemanden finden, der ihr Glauben schenkte! Richard Thorn wird erneut gewarnt, weiterhin kann und will er nicht hören, und so nimmt das Verhängnis wie von Satan geplant seinen Lauf …

Teuflisch gut Kasse machen!

Während der „Exorzist“ Klassikerstatus erreicht hat sowie die ungebrochene Anziehungskraft der uralten Geschichte vom Kampf des Guten gegen das Böse unter Beweis stellt, ist Satans zweites Eisen im Feuer der Filmschmiede Hollywood ein wenig in Vergessenheit geraten. Dabei gehört die „Omen“-Trilogie (1976, 1978, 1980; vergessen wir hier lieber den „Omen IV“-Nachklapp von 1991, der nicht mehr direkt an die Damien-Story anknüpfte, sowie das inspirationslose Remake von 2006) zu den größten Erfolgen des modernen fantastischen Films und brach seinerzeit an den Kinokassen Besucher- und Einnahmerekorde.

Selbstverständlich ließ letzteres die Merchandising-Abteilungen der Filmmetropole nicht ruhen. Allerdings war die Vorstellungskraft der Werbestrategen von dem, was möglich ist, um den Leuten Geld für Filmdevotionalien aus der Tasche zu locken, Ende der 1970er Jahre noch begrenzt. Anders als heute schwappten die schlimmsten Exzesse kostspieligen Sammlermülls außerdem noch nicht über den Großen Teich. Zur „Omen“-Trilogie gab es hierzulande außerhalb des Kinos eigentlich nur die Romane zum Film. (zu Teil 1 von David Seltzer, zu Teil 2 von Joseph Howard, zu Teil 3 und 4 von Gordon McGill, aber nicht mehr in Deutschland.)

Der Spaß am (moralisch) Verbotenen

Früher war eben alles besser: Das ist Unfug, doch selbst wenn man den Nostalgie-Faktor und alle Gedanken an hehre Filmkunst und innere Logik beiseite lässt, stellen die drei „Omen“-Streifen unterhaltsames, sorgfältig in Szene gesetztes und (wenigstens in den ersten beiden Teilen) sehr gut besetztes Unterhaltungskino dar. Man kann sich dessen inzwischen sogar im Fernsehen versichern, denn anders als bei den unseligen Erstausstrahlungen im öffentlich-rechtlichen ZDF in den 1980er Jahren hält man sich heute mit der Zensurschere erfreulich zurück. Was ursprünglich als brutal und jugendverderbend galt, wurde inzwischen ab 16 Jahren freigegen: Die Zeiten und vor allem die vertretenden Werte ändern sich, und mancher Skandal von Gestern erregt heute nur noch Erstaunen oder Gelächter.

Jedenfalls können endlich wieder die eigentlichen Attraktionen der „Omen“-Filme zur Geltung kommen: die liebevoll inszenierten, immer bizarrer werdenden Mordszenen – ein ungehemmter erster Flirt des klassischen Hollywoodkinos mit dem modernen Splatterfilm und eine wehmütige Erinnerung daran, was im „New Cinema“ der 1970er Jahre möglich war, bevor selbsternannte Tugendbolde und Zensoren ab 1980 allmählich wieder die Oberhand gewannen.

Der Fluch der Sekundärverwertung

Autor Joseph Howard musste sich in dieser Richtung keine Gedanken machen; Papier ist nicht nur geduldig, sondern mildert selbst arge Blutorgien ab. Stattdessen sah sich Howard im ewigen Zwiespalt des „tie-in“-Autoren gefangen, der für eine (eher mittelmäßige aber garantierte) Geldsumme angeheuert wird, um ein Drehbuch in einen Roman zu verwandeln. Dabei ist niemals große Kunst beabsichtigt. Es wird ein kalkulierbares Zusatzgeschäft realisiert – und so lesen sich die meisten dieser Filmromane auch! Nur selten gerät der Leser an einen Schriftsteller, der sich bemüht oder halbwegs in der Lage ist, über das bloße Recycling einer vorgegebenen Handlung etwas Eigenständiges zu schaffen.

Dabei hatte Howard noch Glück: Zwar entstand „The Omen“ 1976 nach einem Originalroman. Dieser stammte jedoch aus der Feder des Drehbuchautoren und Regisseurs David Seltzer, der die Geschichte bereits filmgerecht umsetzte. Howard gehört eindeutig nicht zur ersten Garde amerikanischer Unterhaltungsschriftsteller, aber er gab sich redlich Mühe, mit „Omen II“ mehr zu leisten als die bloße Nacherzählung des Drehbuchs von Stanley Mann und Michael Hodges.

Weil die Darstellung der primär visuellen Effekte nur eingeschränkt möglich war, musste Howard sich stärker als der Film auf die eigentliche „Omen“-Story stützen, was beileibe kein Nachteil ist. Im Roman rückt Damien stärker ins Zentrum der Handlung. Weil der Sohn des Teufels nicht mehr wie im Kino als minderbegabter jugendlicher Darsteller mit einem wahrhaft dämonischen Haarschnitt das Unwillen seines Publikums erregt, ist der Leser in der Lage und willens, Damiens nun plötzlich offenbar werdenden inneren Konflikte, sich in die Rolle der Satansbrut einzufinden, interessant zu finden.

Fast gelungen, nur ein bisschen gescheitert

Erst im letzten Drittel werden die Grenzen des „tie-in“-Genres wieder deutlich spürbar: Weil der vorgegebene Buchumfang (Normierung der Seitenzahl = präzise kalkulierbare Kosten-Nutzen-Rechnung) zu berücksichtigen war, musste Howard stark raffen. Deshalb läuft alles auf ein Finale der Marke „Flach & Hastig“ hinaus.

So ist „Damien: Omen II“ beileibe kein Muss für die Freunde des Unheimlichen, sondern eine Kuriosität, die an eine zeitlich gar nicht so weit entfernte aber dennoch fremd gewordene Epoche der phantastischen Geschichte erinnert. Dies sei an dieser Stelle für jene angemerkt, die – neugierig geworden – versuchen, sich diesen Roman zu beschaffen. Immerhin ist dies weder schwierig noch teuer, dieses Buch vor vielen Jahrzehnten und offensichtlich nur in einer Auflage erschienen.

Gescheitert ist dieser Rezensent indes mit dem Versuch herauszufinden, wer „Joseph Howard“ war oder ist. Hat er noch andere Bücher geschrieben? Ist dies ein Pseudonym? Niemand scheint diesen Fragen bisher nachgegangen zu sein – oder interessiert sich für die Antworten.

Copyright © 2014/2016 by Michael Drewniok (md)

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