Das Monstrum – Tommyknockers

Stephen King
Das Monstrum – Tommyknockers

Originaltitel: The Tommyknockers (New York : Viking Penguin Inc. 1988)
Übersetzung: Joachim Körber
Deutsche Erstausgabe (geb.): März 1988 (Hoffmann und Campe Verlag)
687 S.
ISBN-10: 3-455-01902-1
Neuausgabe: (Heyne Verlag; Allgemeine Reihe 01/7995)
687 S.
ISBN-10: 3-453-03697-2
Neuausgabe: Februar 2011 (Heyne Verlag/TB Nr. 43585)
Übersetzung: Joachim Körber, bearbeitet von Lars Klappert
1072 Seiten
ISBN-13: 978-3-453-43585-8
eBook: März 2011 (Heyne Verlag)
1072 Seiten
ISBN-13: 978-3-641-05354-3

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Das geschieht:

Mitten im schönen US-Staat Maine liegt dort, wo die Wälder tief und die Menschen rustikal sind, das kleine Städtchen Haven. Die Bürger bleiben gern unter sich, Touristen verirren sich nur selten in diese Gegend. So gefällt es Roberta „Bobbi“ Anderson, beliebte Autorin viel gelesener Western-Romane, aber privat eher auf Abstand bedacht und daher recht zufrieden in der einsam gelegenen Waldhütte eines verstorbenen Onkels hausend. Gesellschaft leisten ihr dort zeitweise Jim Gardener, einst Dichter und erfolgreicher Universitätsdozent, heute ein ausgebrannter Alkoholiker und ungebremst auf dem Weg in den Untergang, sowie der alte Beagle Peter.

Bobbi streift nach einem harten Tag hinter der Schreibmaschine – wir schreiben das Jahr 1988 – gern durch die ausgedehnten Wälder hinter ihrem kleinen Haus. Bei einem dieser Spaziergänge stößt sie auf ein merkwürdiges metallenes Artefakt, das harmlos aus dem Boden ragt. Erst neugierig geworden, dann erfasst von einem seltsamen inneren Drang, beginnt Bobbi zu graben und legt Teile eines Objektes frei, das riesengroß und rund ist: Bobbi ist auf eine Fliegende Untertassen gestoßen, die vor vielen Jahren abstürzte und vom Schutt der Äonen begraben wurde, aber dabei völlig unbeschädigt blieb: außen und vor allem innen …

Bobbi gerät in den Bann ihres Fundes, der auf unheimliche Art ihr Denken und Handeln bestimmt. Auch der entsetzte Jim Gardener kann den unheiligen Zauber nicht brechen: Die „Tommyknockers“, sagenhafte Geister oder Dämonen, die den Menschen des Nachts in böser Absicht auflauern, treten in der Gestalt außerirdischer Untoter auf. Erst ist es nur die unglückliche Bobbi, die sich in einer aberwitzigen Metamorphose in ein Wesen aus einer anderen Welt verwandelt. Dann kommen die Tommyknockers über die Bürger von Haven; sie wollen endlich vollenden, was ihnen einst misslang: die biologische Unterwanderung und Übernahme der gesamten Menschenwelt …

Großes Drama in kleiner Stadt

„Es war eine Fliegende Untertasse. Sie waren von der Air Force abgetan worden, von denkenden Wissenschaftlern, von Psychologen. Kein Science-fiction-Autor mit einem Funken Selbstachtung baute eine in seine Geschichten ein … Sie waren der älteste Heuler in einem Buch. Fliegende Untertassen waren mehr als passé; allein schon die Vorstellung war ein Witz, und nur Wirrköpfe und religiöse Exzentriker räumten ihnen überhaupt noch Platz ein, und selbstverständlich die Regenbogenpresse …“

Klar, dass ein mit allen Wasser der Schriftstellerei gewaschener Vollprofi wie Stephen King nicht widerstehen konnte und ausprobieren wollte, ob er quasi mit einer auf den Rücken gebundenen Schreibhand ein uraltes Klischee mit neuem Leben erfüllen konnte. In gewisser Weise ist es ihm zweifellos gelungen, doch in den Chor der Begeisterung mischt sich die Stimme der Kritik, die da verkündet, dass nicht nur die Tommyknockers schon lange mausetot sind.

Aber Vorsicht: „The Tommyknockers“ entstand bereits im Jahre 1988. Da lagen „Akte X“ und tausend Epigonen noch in der Zukunft. Kings spukiges Alien-Garn ist daher längst nicht so abgedroschen, wie es dem heutigen Leser erscheinen mag. Trotzdem blieb dem Roman schon damals das Wohlwollen der Kritik versagt. (Nichts Neues für Stephen King.) Auch die Resonanz des Publikums blieb verhalten, was noch lange nicht hieß, dass es sich beim Buchkauf zurückhielt: Auch die „Tommyknockers“ fuhren wieder einmal Rekord-Geldernten ein.

Warum mag niemand die „Tommyknockers“?

Und doch scheint dieser Geschichte das gewisse Etwas zu fehlen, das King-Werke wie „Shining“ oder „Salem’s Lot“ (dt. „Brennen muss Salem“) in den Rang ewiger Klassiker erhob. Was es ist, lässt sich nur nach langem Nachsinnen in Worte fassen. Unvoreingenommen (neu) gelesen, ist „The Tommyknockers“ nämlich eine sehr vergnügliche Tour-de-force durch Science Fiction und Horror.

Doch King lässt hier etwas geschehen, was er bis dato besser im Griff hatte: Er verschleppt die Geschichte, überfrachtet sie mit überflüssigen Nebenhandlungen und bläht sie dadurch unnötig auf. Daran mussten wir Fans uns nach 1990 leider gewöhnen, denn Kings Romane wurden zunehmend geschwätziger und seelenloser. Nach eigenem Geständnis war dies eine Folge seiner zunehmenden Alkohol- und Drogensucht. Nachträglich versteht man natürlich besser, wieso King den quälenden Seelennöten und Delirien des Jim Gardener so viel Spielraum gibt: In gewisser Weise schrieb er gegen ganz persönliche Dämonen an. (Um den letzten Tropfen aus der King-Kuh zu melken, wurde dem deutschen Publikum 2011 eine „bearbeitete“ und „ungekürzte“ Fassung der „Tommyknockers“ präsentiert, die dank einer kreativen Satzgestaltung auf knapp 1100 Seiten angeschwollen ist …)

Die Episodenhaftigkeit wird durch die eigentümliche Dreiteilung der Geschichte unterstrichen. Teil 1 schildert die Entdeckung des Raumschiffs durch Bobbi Anderson und führt Jim Gardener ein. Teil 2 – mit Abstand der bessere – wirft einen Blick auf das Kleinstadtleben von Haven, das durch die Tommyknockers einen bemerkenswerten, wenn auch unguten Aufschwung erfährt. Teil 3 leitet zwar das große Finale ein, wechselt aber noch einmal die Perspektive und wirft Bobbis Schwester Anne, den Schrecken ihrer Kindheit, in die Handlung. Das führt zu weiteren, jetzt störenden Verzögerungen: Anne hätte eindeutig früher auftreten müssen, wenn sie nicht überhaupt als Figur überflüssig ist. Jetzt sollte sich alles nur noch um die Apokalypse in Haven drehen, die weiß Gott spektakulär genug ausfällt. Die böse Schwester kann vor dieser Kulisse kein Profil gewinnen, und ihr schauriges, verdientes Ende lässt den Leser kalt.

Zeitlos und immer wieder gern beschworen

Ganz der Alte ist King mit seiner Prämisse geblieben, dass Außerirdische auch nur Menschen (und nicht zwangsläufig die Elite des Universums) sind. Als solche ließ er sie nach 1988 mehrfach über die Erde herfallen. Mal laden sie High-Tech-Schrott ab und bescheren den neugierigen Findern die Überraschung ihres Lebens („From a Buick Eight“, 2002, dt. „Der Buick“), dann planen sie eine Invasion der etwas offensiveren aber einfältigen Art („Dreamcatcher“, 2001, dt. „Duddits – Dreamcatcher“)

Hier manchmal rammen sie also eine Fliegende Untertasse unangespitzt in den Waldboden des schönen, dank King von Vampiren, Zombies und ähnlichen Unholden viel geplagten US-Staates Maine. Die Parallelen zwischen „Tommyknockers“ und den beiden anderen Werken sind erstaunlich, wenn man sie in kurzem Abstand liest. Sie können mit Fug und Recht als Variationen desselben Themas bezeichnet werden, ohne dass King deshalb ein Vorwurf gemacht werden könnte. Er ist stets der erste, der darauf hinweist, dass ihm schon lange nichts wirklich Neues mehr einfällt – eigentlich nie eingefallen ist, denn auch die viel gelobten Frühwerke stützten sich stets auf Genreklassiker. Vampire, Werwölfe, Mutanten: Wenn King überhaupt jemals ein ‚neues‘ Monster erfunden hat, dann ist es der (wieder außerirdische) Gestaltwandler, den er in „It“ (dt. „Es“) 1986 in die Welt setzte.

Sie kommen gern wieder

Pennywise, der finstere Clown, aus „Es“, bekommt übrigens in „Tommyknockers“ einen Cameo-Auftritt. Dieselbe Ehre erfährt David Bright, rasender Reporter aus „The Dead Zone“ (1979, dt. „Das Attentat“). Die wenigen überlebenden Tommyknockers erleiden ein Schicksal, das man selbst ihnen nicht gewünscht hätte: Sie fallen dem wiedererstandenen „Shop“ in die Hände, den 1980 das „Feuerkind“ Charlie („Firestarter“) in Schutt und Asche gelegt hatte.

King liebt es, zwischen seinen Werken solche Verbindungen herzustellen. Er greift auch auf die Schöpfungen von Kollegen zurück; so ist Hugh Crane, der zwielichtige Gründervater Havens, natürlich eine Reminiszenz an den gleichnamigen Erbauer des furchtbaren „Hill House“, dem Regisseur Robert Wise 1962 ein filmisches Denkmal setzte („The Haunting“, dt. „Bis das Blut gefriert“).

„The Tommyknockers“ wurde – wie die meisten Stephen King-Geschichten schlecht – verfilmt: 1993 als aufwändig in Szene gesetzter TV-Zweiteiler mit Marg Helgenberger als Bobbi Anderson und Jimmi Smits als Jim Gardener; drei Stunden lähmender Langeweile, die den Zuschauer wünschen lassen, selbst von den Tommyknockers überfallen zu werden, damit das Elend endlich sein Ende hat.

Autor

Normalerweise folgt an dieser Stelle ein Autorenporträt. Hier unterbleibt dies; aus gutem Grund, denn der überaus beliebte Schriftsteller ist im Internet umfassend vertreten. Nur zwei Websites – die eine aus den USA, die andere aus Deutschland –  seien stellvertretend genannt;  sie bieten aktuelle Informationen, viel Background und zahlreiche Links.

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Der Buick

Schlaflos – „Insomnia“

Duddits – Dreamcatcher

Christine

sfbentry

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