Das Rätsel der Fazi

Dean Wesley Smith/Kristine Kathryn Rusch
Das Rätsel der Fazi

(Star Trek – Enterprise)

Originaltitel: By the Book (New York : Pocket Books/Simon & Schuster, Inc. 2002)
Übersetzt von Andreas Brandhorst
Deutsche Erstausgabe: Oktober 2002 (Heyne Verlag/SF & Fantasy 06/6801 = Star Trek – Enterprise 2)
250 S.
ISBN-13: 978-3-453-86536-5
eBook: März 2014 (Heyne Verlag)
954 KB
ISBN-13: 978-3-641-11558-6

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Das geschieht:

Gerade als sich Jonathan Archer, Captain des noch fabrikneuen Erd-Raumschiffs „Enterprise“, zu langweilen beginnt (was schnell geschieht), stolpert er über einen neuen Planeten im All, der nicht nur besiedelt, sondern vor allem den eher tolerierten als geschätzten Lehrmeistern der Menschen, den Vulkaniern, noch unbekannt ist. Gleich zwei Zivilisationen leben auf Fazi – DIE Möglichkeit für Archer, einen Erstkontakt in Szene zu setzen wie er ihn für richtig hält!

Mindestens doppelt so eifrig wie Porthos, sein ins All mitgeführtes Hündchen, drängt Archer auf die Landung. Die Warnungen seines vulkanischen Subcommanders T’Pol und seiner Kommunikationsspezialistin Hoshi Sato, die zum Abwarten raten, um sich mit den Verhältnissen vor Ort besser vertraut zu machen, schlägt er, dem Zaudern ein Gräuel ist, in den Wind.

Das hätte er besser nicht getan, denn den menschenähnlichen Fazi, die er zuerst beglückt, gehen Regeln und Protokoll über alles. Sie sind nicht flexibel und können Abweichungen kaum ertragen. Mit dem ungestümen Archer sind sie völlig überfordert. Mehrere Besuche auf dem Nordkontinent enden daher im Eklat.

Macht nichts, denkt Archer, versuchen wir es eben im Süden. Dort wohnen zu Wasser und zu Lande die spinnenähnlichen Sipon, die nicht so beschränkt zu sein scheinen. Trotzdem hätten auch hier besser Vorab-Infos nicht geschadet, denn dieser Kontaktversuch endet in einer Katastrophe: Das Landungsteam wird von den Sipon attackiert, ein Besatzungsmitglied von einer unsichtbaren Macht lahmgelegt. Schlimmer noch: Die überstürzte Rettungsaktion mit dem noch unerprobten Materietransmitter beamt nicht nur den Verletzten, sondern auch einen Sipon an Bord der „Enterprise“, weshalb sich die Zahl der menschlichen Opfer in der Folgezeit erhöht …

„The same procedure as EVERY year …“

„Star-Trek“-Romane gehören nicht gerade zu den innovativsten Beiträgen des Science- Fiction-Genres. Sie sind Bestandteil eines Franchises, dessen Zweck es nur sekundär ist zu unterhalten. Stattdessen soll global & multimedial so viel Geld wie möglich verdient werden. Dies funktioniert nach Ansicht der „Star-Trek“-Geschäftsstrategen am besten, wenn möglichst keine Zuschauer oder Leser (= zahlende Kunden) verwirrt oder vor die Kopf gestoßen werden. Der größte gemeinsame Nenner wird daher in Kino und Fernsehen und auf dem Buchmarkt angestrebt. Streng achtet die Franchise-Zentrale auf Einhaltung dieser Regel. Sie ist der Grund dafür, dass „Star Trek“ heute zwar handwerklich recht solide aber eben auch langweilig ist.

Die Romane werden von fixen aber sicherlich nicht genialen oder übermäßig talentierten Routiniers verfasst und in die Buchläden gepumpt. „Das Rätsel der Fazi“ passt in Handlung und Figurenzeichnung präzise ins gerade skizzierte Bild. Die Stimmung der TV-Serie „Enterprise“ wurde getroffen; so war es mit dem Auftraggeber vereinbart. Beim Leser sieht man die filmische Umsetzung vor dem inneren Auge. Das Ergebnis ist Lesefutter für den Feierabend nach einem harten Arbeitstag. Manchmal ist das ja völlig ausreichend.

Freilich gibt es – womöglich unabsichtlich – einige interessante Untertöne. „Das Rätsel der Fazi“ mutet über weite Strecken wie ein Kommentar zur US-amerikanischen ‚Außenpolitik‘ der Gegenwart an. Mit ehrenvollen Motiven aber eben auch übereifrig, unbelehrbar, arrogant und bald überfordert fallen die Mannen (und Frauen) der „Enterprise“ quasi über die Bewohner von Fazi her.

Wir wissen, was gut für euch ist!

Binnen kurzer Zeit haben sie das Chaos importiert, verstoßen ‚zum Besten‘ der Einheimischen stetig gegen deren Sozialkodex und wundern sich, dass man ihren guten Willen einfach nicht anerkennen möchte. Jeder Versuch zu retten, was noch zu retten ist, verschärft die Krise, bis sich endlich die Einsicht durchsetzt, dass es so nicht geht und Kontaktaufnahme eine zweiseitige Angelegenheit ist. (Selbstverständlich wird Archer diese Lehre beim Anblick des nächsten bunt funkelnden Planeten wieder vergessen haben.)

Dramaturgisch ungeschickt ist die Entscheidung der Autoren, die Handlung auf Fazi mit dem SF-Rollenspiel einiger „Enterprise“-Besatzungsmitglieder zu konterkarieren. Das wird in epischer Breite durchgezogen und hat mit der eigentlichen Geschichte nichts zu tun, auch wenn eine Verbindung schließlich sehr vorhersehbar an den Haaren herbeigezogen werden soll. Außerdem ignorieren Smith/Rusch die eigene Aussage, wonach Rollenspiele für nicht beteiligte Außenstehende denkbar langweilig sind. Damit haben sie völlig Recht, halten sich leider aber selbst nicht daran.

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Jonathan Archer hat wohl selten so schlecht ausgesehen wie in dieser Geschichte. Ein Botschafter für die Erde soll er sein. Stattdessen ist er ein hirnloser Heißsporn, der mehr Schaden anrichtet als nützt. Zwar lernt er dazu – und dieser Prozess ist offenbar ein Handlungsstrang -, aber nur langsam und ohne jemals die Frage vergessen zu machen, wieso man ausgerechnet ihn in den Weltraum geschickt hat. Mit Wehmut denkt man an die Jahre der Captains Piccard oder Sisko zurück, die das All mit Menschenverstand bereisten. Archer muss dagegen den im realen 21. Jahrhundert immer noch aktuellen US-Pionier mimen, der seinem Land am besten dient, indem er ihm neue Grenzen absteckt bzw. die alten hinausschiebt.

Anwesenheitspflicht statt Anwesenheitssinn

T’Pol = die NATO? Ist dieser Vergleich zu gewagt? In der „Enterprise“-Serie verkörpert die Vulkanierin aus US-Sicht eher die besserwisserische, zauderliche Spielverderberin, die Repräsentantin einer vielleicht klugen aber kleingeistigen und mit ihren Informationen knausernden Macht, welche den unternehmungslustigen Menschen den frischen Wind aus den Segeln nehmen will. Immerhin: Man trifft sich auf der Mitte, auch wenn es wieder einmal T’Pol ist, die dafür die größeren Zugeständnisse machen muss.

Die übrige „Enterprise“-Besatzung ist höchstens anwesend. Vor allem außerhalb der Kommandobrücke bleibt alles wie gehabt gesichtslos und damit ersetzbar, wenn die Dramaturgie wieder einmal ein Opfer erfordert. Unsere Rollenspieler, hier aufwändig eingeführt, werden rasch in der Anonymität versinken. Selbst „Enterprise“-Prominenz wie Dr. Phlox, „Trip“ & Co. bleiben seltsam gesichtslos, was allerdings auch daran liegen mag, dass diese Figuren tatsächlich profilarm sind und so gar nichts mehr mit den lästigen Individualisten von „Deep Space Nine“ zu tun haben …

Copyright © 2016 by Michael Drewniok (md)

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