Dawn of the Dead

George A. Romero/Susanna Sparrow
Dawn of the Dead
Der Roman zum Film

Originaltitel: Dawn of the Dead (New York : St. Martin’s Press Inc. 1978)
Übersetzung: „Frank N Stein“
Deutsche Erstausgabe: 1979 (Wilhelm Goldmann Verlag/Goldmann Filmbuch 3895)
205 S.
ISBN 3-442-03895-2
Neuausgabe: März 2004 (Dino Verlag/Dino Entertainment)
Übersetzung: Michael Morris
236 S.
ISBN-13: 978-3-8332-1115-7

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Das geschieht:

Vier Menschen auf einer wilden Flucht: Francine, Steve, Roger und Peter haben die Großstadt Philadelphia verlassen, in der das Chaos regiert, seit sich die Toten, neu belebt durch eine unbekannt Kraft, aus ihren Gräbern erhoben und über die Lebenden herfielen, um sie zu fressen. Nur ein Schuss ins Gehirn kann die Zombies stoppen, die weder Angst noch Mitgefühl kennen. Ihre schiere Übermacht hat die USA in eine existenzielle Krise gestürzt. Die Regierung ist ratlos, die Bürger sind mit der Situation genauso überfordert wie die Behörden und das Militär. Die lebenden Leichen gewinnen allmählich die Oberhand.

Steve fliegt für den Verkehrsfunk eines Senders einen Hubschrauber. Er dient dem zufällig zusammengewürfelten Quartett als Fluchtvehikel. Doch wohin soll man sich wenden? Überall im Land warten die Zombies, schießwütige Militärs oder gewaltbereite Milizen. Jede Zwischenlandung entwickelt sich zum Glücksspiel. Mehrfach kommt man nur zufällig mit dem Leben davon. Eine Lösung scheint sich abzuzeichnen, als im Hinterland ein gewaltiges Einkaufszentrum in Sicht gerät. Zwar haben sich auch hier Zombies Einlass verschafft, doch das mit Lebensmitteln, Waffen und anderen für das Überleben wertvollen Gütern vollgestopfte Gebäude ist relativ einfach zu verteidigen. So beschließen die Flüchtlinge, hier Zwischenstation zu machen.

Aber der Frieden ist trügerisch. Mehr Zombies als gedacht schleichen durch die endlosen Gänge. Die vier Überlebenden sind sich uneins, Streit bricht aus und schwächt die Aufmerksamkeit. Dann werden Plünderer auf das Zentrum aufmerksam. Sie betrachten Peter, Roger, Steve und Francine als Konkurrenten und lästige Zeugen, die es wie die Zombies auszuschalten gibt. Auf allen Ebenen des Kaufhauses kommt es zum mörderischen Kampf zwischen Eroberern und Verteidigern. Geduldig warten in jedem dunklen Winkel die lebenden Toten auf ihre Gelegenheit, die kommen wird …

„When there’s no more room in hell, the dead will walk the earth”

Wieso sie dies tun, bleibt ungeklärt. Es ist eigentlich auch nicht wichtig; ein erster Pluspunkt für George A. Romero, der dies 1978 sehr gut wusste und keine Zeit auf ‚Erklärungen‘ verschwendete, sondern stattdessen die Geschichte erzählte, die ihn eigentlich interessierte: Wie verhalten sich Menschen in einer wirklich ernsten Notlage?

Romeros Zombies sind der Katalysator. Darin erschöpft sich ihre Aufgabe im Grunde. Bei nüchterner Betrachtung basiert ihre Gefährlichkeit auf Überzahl und ständiger Präsenz. Ansonsten sind sie bar jeglicher Intelligenz, sie werden allein von Instinkten und vom Hunger nach Menschenfleisch gesteuert. Die Untoten können keine Pläne schmieden und sind langsam; behält man einen kühlen Kopf, kann man sie per Schuss in den Schädel wie Tontauben abschießen.

Der springende Punkt ist laut Romero, dass es den Menschen nicht gegeben ist sich zu verbünden, eine Taktik gegen den unheimlichen Feind zu entwickeln, diese planvoll zum Einsatz zu bringen und so den Sieg zu erreichen. Stattdessen regiert das Chaos. Großartig ist der Einstieg in die Handlung: In Francine Parkers Sender brüllen sich ‚Spezialisten‘ und ‚besorgte Zeitgenossen‘ nieder, statt sich gemeinsam gegen den Feind zu stellen. Skrupellose Medien-Veteranen schüren den Streit, um noch im Angesicht der nationalen Katastrophe die Einschaltquoten in die Höhe zu treiben.

Draußen auf den Straßen kämpfen Soldaten, Polizisten und Bürgermilizen gegen das Grauen. Die schlecht organisierten Aktionen richten sich jedes Mal gegen die völlig überforderten Männer, die dem seelenlos geduldigen Gegner zum Opfer fallen oder im Wahnsinn sogar übereinander herfallen.

Apokalypse Now – die Zombie-Version

Eigentlich braucht diese Welt gar keine Zombies mehr; die Lebenden richten sie auch ohne sie zugrunde. Romero übt herbe Kritik an der US-Gesellschaft. Dies war 1978 nicht nur möglich, sondern sogar üblich: Längst war besonders die jüngere, skeptisch gewordene Generation nicht mehr bereit, die überkommenen Ansichten ihrer Eltern zu übernehmen. Fragen nach dem Sinn politischer, wirtschaftlicher und kultureller Werte wurden gestellt. Darf man angebliche Minderheiten unterdrücken. Ausländische Regierungen manipulieren? Was ist in Vietnam geschehen? Wieso bespitzelt ein Präsident heimlich seine eigenen Bürger? Ist Atomkraft wirklich sicher? Was bedeutet Umweltverschmutzung?

Cover der dt. Erstausgabe (Sammlung md)

Fragen über Fragen, mit denen sich auch das Kino dieser Zeit beschäftigte: „New Hollywood“ nannte man das Phänomen. Klassiker wie „Easy Rider“, „Taxi Driver“ oder „Apocalypse Now“ entstanden in dieser Phase. Sie legten Finger auf tiefe Wunden.

Den spannenden, auf die ‚niederen Instinkte‘ des Menschen zielenden Horrorfilm bringt man gemeinhin nicht mit dieser hehren Filmkultur in Verbindung, aber das ist falsch. George A. Romero besitzt zumindest in eine Nische von „New Hollywood“. Bereits 1968 hatte er in „Night of the Living Dead“ (dt. „Die Nacht der lebenden Toten“), dem ersten Teil seiner ersten Zombie-Trilogie (die 1985 durch „Day of the Dead“ komplettiert wurde), die Invasion der lebenden Toten mit harscher Kritik gekoppelt.

Die Botschaft als Effekt-Spektakel

Romeros Zombies sind folglich in erster Linie ein Symbol dafür, was schief läuft in Amerika. „Dawn of the Dead“ war – der Roman bestätigt es – keine echte Weiterentwicklung dieser Ideen, sondern ein Luxus-Remake. Zu diesem Zeitpunkt bekam Romero, sonst ein Filmer, der seine Werke selbst produzierte, Geld aus Hollywood in die Finger. Im Vergleich mit dem üblichen Mainstream war „Dawn of the Dead“ 1978 in der Tat ein Ereignis: ein intelligenter Splatter mit Botschaft, den sogar das Kritiker-Establishment würdigte.

Der Roman zum Film legt indessen das ausgesprochen simple dramaturgische Gerüst des durch seine Bilder lebenden Meisterwerks offen. „Dawn of the Dead“ ist kein wirklich komplexer Film. Die Schauplätze beschränken sich auf das Filmstudio, einen Straßenzug in Philadelphia, einen verlassenen Flughafen und schließlich das Einkaufszentrum. Die Apokalypse einer Welt im Würgegriff der Zombies stellt sich nur in Ausschnitten dar. Das funktioniert sogar, aber vor allem ist es in der Produktion billig.

Dem Roman tut diese Beschränkung nicht gut. Er muss durch Worte wirken, die ihn statisch wirken lassen, sobald die Handlung im Großkaufhaus zur relativen Ruhe kommt. Nunmehr kämpfen Flüchtlinge gegen Plünderer und Zombies. Das wirkt spannend, wenn man es sieht, ist aber Routine, muss man es lesen: Simple Action verdrängt die Ebene der Hinterfragung, ein Aspekt, der natürlich der nur noch der Unterhaltung geschuldeten Remake von 2003 sehr zugute kommt.

Vier Musketiere gegen die Zombies

Das Muster ist bekannt und bewährt. Auch Romero hält sich daran. Steve, Francine, Peter und Roger sind Archetypen, die bestimmte Bevölkerungsgruppen repräsentieren. Auf den ersten Blick sind sie typische US-Amerikaner (allerdings des Jahres 1978), Durchschnittsmenschen, die in die Krise geraten. Vor einem Vierteljahrhundert ließ sie dies nicht zwangsläufig über sich selbst hinauswachsen, wie dies heute (wieder) Kinostandard geworden ist.

Francine ist natürlich die Alibifrau des Teams. Beruflich ist sie als Sendeleiterin emanzipiert und taff, privat unabhängig. Doch als die Zombies über sie kommen, setzen sich alte Klischees rasch wieder durch. Ständig verliert Francine die Nerven, reagiert gefühlsgesteuert und damit falsch, muss gerettet werden und wiegelt als love interest die Männer gegeneinander auf.

Das stört den Leser gewaltig. Allerdings verhalten sich die Männer auch nicht gerade kopfstärker. Roger und Steve sind jeder auf ihre Weisen ebenfalls schwach. Wenn es so etwas wie einen Anführer gibt, nimmt Peter diese Rolle ein. Er ist zudem schwarz, was 1978 noch deutlich provokanter wirkte: Peter ist nicht mehr der ‚gute Neger‘, der sich anpasst und vor den weißen ‚Herren‘ kuscht. Er ist selbstbewusst und wesentlich krisentauglicher als seine Gefährten.

Die untoten und die lebenden Bestien

Die Zombies sind wie schon angesprochen Romeros genial gewählter Auslöser, der die ohnehin morsche Gesellschaft zum Einsturz bringt. Nicht ‚rote‘, ‚gelbe‘ oder andersfarbige Feinde aus dem Ausland oder aus dem All attackieren God’s Own Country. Es sind Amerikaner, die andere Amerikaner anfallen. Die einen sind tot, die anderen nicht, aber es sind doch Familienmitglieder, Freunde, Landsleute. Kein Wunder, dass die ‚Zombie-Experten‘ nicht durchdringen mit ihrem ‚Rat‘, diese neuen ‚Mitbürger‘ auf drastische Weise mit einem Schuss in den Schädel auszuschalten, kein Wunder, dass nicht mannhafte Verteidigung in Pioniertradition, sondern Bürgerkrieg die Folge ist.

Bürgerkrieg und Anarchie: Die braven Amerikaner verwandeln sich in der Krise eher in Plünderer und Barbaren als in Kampfgefährten. Soldaten, Polizisten und andere Ordnungskräfte tun da kräftig mit; auch dies war 1978 noch starker Tobak. Das Großkaufhaus, Symbol des dollargestützten Rund-um-die-Uhr-Konsums, verwandelt sich in eine Steinzeithöhle, vollgestopft mit gerade noch heiß begehrten, nun aber nutzlos gewordenen Dingen. Niemand ist wirklich sympathisch in dieser Geschichte, die jedoch – so traurig es sein mag – trotz der bizarren Zombies in dieser Hinsicht ausgesprochen realistisch wirkt.

Autoren

George A. Romero (1940-2017) ist Drehbuchautor und Regisseur von „Dawn of the Dead“ und einer Reihe anderer Klassiker des Horrorfilms. Schriftsteller war er indes nicht. Den Roman zum eigenen Film hat er folglich nicht verfasst. Er gab nur seinen verkaufsförderlichen Namen. Wie schon für „Martin“ (1977) schrieb auch dieses Mal Susanna Sparrow das Buch zum Film. Wer diese Frau ist, ob sich hinter ihrem Namen ein Pseudonym verbirgt oder was sie nach 1978 getrieben hat, lässt sich nicht einmal dem Internet entnehmen.

Copyright © 2011/2017 by Michael Drewniok (md)

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Comments

  1. Das ist und bleibt Kult! Mir war gar nicht bekannt, dass es dazu auch Bücher gibt!

    Die Filme, sowohl das Original, als auch das Remake, finde ich persönlich absolut toll, gehören zu meinen Favoriten (das Remake haben mein Mann und ich „damals“ auf unserem Hochzeitstag im Kino gesehen…). Ich bin immer skeptisch, was Zombies in der Literatur angeht, aber auch neugierig! Wäre mal einen Test wert!

    LG
    Bine

  2. Leider sind die Titel bei Booklooker diesmal nicht ganz günstig, um die 20 Euro pro Stück! Bei Buch24 gar nicht mehr zu bekommen, schade!

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