Halloween III

Jack Martin
Halloween III
Ein Zombie-Roman

(sfbentry)
Originaltitel: Halloween III (New York : Yove Publisher Books 1982)
Übersetzung: Wolfgang Crass
Deutsche Erstausgabe: Februar 1984 (Wilhelm Heyne Verlag/Die Unheimlichen Bücher 11/10)
208 S.
ISBN-13: 978-3-453-44064-7

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Das geschieht:

Ende Oktober (vermutlich) 1982: Die britische Insel ist um eine Sehenswürdigkeit ärmer. Unbekannten ist es gelungen, die steinzeitliche Kultstätte Stonehenge des neun Tonnen schweren Bluestones zu berauben Auf der anderen Seite des Erdballs und in einer kleinen Stadt im Norden des US-Staates Kalifornien hat Dr. Daniel Challis gerade eine schmutzige Scheidung hinter sich, die ihn nicht nur an den Bettelstab, sondern allen Lebensmut gekostet hat. Unbemerkt stolpert er daher in ein unheimliches Geschehen.

Ein von keltischen Druiden geweckter Dämon sucht die Menschheit seit Jahrtausenden heim. Bisher hat er sich darauf beschränkt, ein unglückliches Opfer zu suchen, dessen Hirn zu übernehmen und den Körper allerlei Übeltaten verrichten zu lassen. Zuletzt war dies im Jahre 1963 gelungen, als besagter Geist in den sechsjährigen Michael Myers aus Haddonfield, Illinois, fuhr und dieser Furcht und Schrecken verbreitete, bis er endlich gestellt und vernichtet werden konnte.

Ein fataler Irrtum, denn das Böse entwich nur aus Myers Körper. Seinen nächsten Coup bereitet es generalstabsmäßig vor. Dr. Challis wird in dieses Komplott verwickelt, als er ansehen muss, wie einer seiner Patienten grausam erstochen wird; der Killer übergießt sich seelenruhig mit Benzin und sprengt sich samt Auto in die Luft. Kurz darauf bittet Ellen Grimbridge, die Tochter des Ermordeten,  Challis um Hilfe. Ihr Vater glaubte in den letzten Wochen seines Lebens an eine Invasion aus dem Jenseits. Als Instrumente oder Träger des Bösen dienen offenbar die Halloween-Masken der Firma „Silber-Kleeblatt“, die in Santa Mira, einem Nest im Süden, hergestellt werden. Ellen überredet den Arzt, sie dorthin zu begleiten. Die Firma ist eine hermetisch abgeriegelte Festung. Über allem thront der mysteriöse Conal Cochran, der pünktlich zu Halloween Masken aktivieren und ihre Träger in seelenlose Zombies à la Michael Myers verwandeln wird, die anschließend die Welt ins Chaos stürzen werden …

Auch aller schlechten Dinge sind drei

… wobei die Welt wie so oft nur aus den Vereinigten Staaten von Amerika zu bestehen scheint, obwohl im großen Finale gnädig Erwähnung findet, dass der böse Keltendämon seine Horror-Masken auch ins Ausland verkauft. Aber bevor wir nun beginnen, uns über solche Details aufzuregen, sollten wir einen Blick auf das Gesamtwerk werfen – dies bietet nämlich mehr als genug echte Gründe sich zu ärgern.

Die „Halloween“-Bücher zu den ersten drei Filmen gehören allesamt zum Bodensatz nicht nur der phantastischen Literatur. Ebenso billig für den schnell verdienten Dollar geschrieben wie die ersten beiden Teile der Saga, stellt „Halloween III“ als Film und als Roman dennoch ein gewisses Novum in der Geschichte des Horrors dar: Sehr richtig von der Prämisse ausgehend, dass eine weitere Wiederbelebung des unverwüstlichen Michael Myers sogar den langmütigsten (bzw. geistig ärmsten) Gruselfan auf eine vielleicht zu harte Probe stellen würde, planten die Produzenten (deren Namen wir hier gnädig verschweigen wollen, da ihre Vergehen inzwischen verjährt sind) nichts weniger als den radikalen Neuanfang. Michael blieb tatsächlich Toast, auch von seiner Nemesis Dr. Loomis blieben nur die Krümel, und Laurie Strode alias Jamie Lee Curtis hatte zur Abwechslung wohl einmal das Drehbuch gelesen, bevor sie den Vertrag unterschrieb.

Ein Geist ohne Esprit

Also besann man sich auf ein Element, das man in Teil 2 der „Halloween“-Mythologie eingeflochten hatte; es war überhaupt die einzige echte Idee gewesen: Michael Myers wurde demnach von einem keltischen Geist besessen, dessen einziger Lebensinhalt darin besteht, Tod und Verderben über die Menschenwelt zu bringen. Es steht uns nicht zu, über Sitten und Gebräuche der Höllenvölker zu urteilen; bescheiden sei dennoch angemerkt, dass die oben erwähnte Motivation unter Umständen das Interesse wecken aber nicht die Faszination der Gruselfreunde lebendig erhalten kann.

Solange Michael Myers das Messer schwang und vor allem den Mund hielt, waren des Dämons Eskapaden leidlich vergnüglich. Doch in der Inkarnation des Conal Cochran wird er leider geradezu geschwätzig und verrät uns sogar, was ihn dazu trieb, a) Stonehenge zu schänden, b) eine Firma beachtlicher wirtschaftlicher Potenz aufzubauen, c) sich eine Roboterarmee zu schaffen und d) die Welt mit 150 Millionen (!) Halloween-Masken zu überschwemmen: „Ich will Unruhe stiften, Dr. Challis … Ich liebe tatsächlich einen guten Witz. Die Witzbolde sind die großen Gestalten der Geschichte, und Witze sind unsere eigentliche Stärke. Darin beherrschen wir die Welt. Und wenn wir sie endlich nach unserem eigenen Bild umformen …, dann wird das der größte Witz aller Zeiten sein.“ (S. 181)

Gut & Böse torkelt umeinander

Muss noch eigens erwähnt werden, dass die Zeichnung des „Halloween III“-Figurenpersonals schlicht verheerend ist? Eine auch nur in Ansätzen differenzierende Charakterisierung gibt es nicht; die Guten sind unsympathisch, die Bösen lächerlich, und über alle zusammen würde man selbst in einem Kasperle-Theater Auftrittsverbot verhängen. Immerhin trifft der Untertitel – „Ein Zombie-Roman“ – dieses Mal den Nagel auf den Kopf. Da in der gesamten Geschichte nicht einmal von weitem ein Zombie zu sehen ist, muss man ihn wohl auf den Verfasser (klug erneut unter Pseudonym tätig: Dennis Etchison) beziehen. Ein weiterer Kandidat ist der deutsche ‚Übersetzer‘, der in Sachen unterirdisches Niveau mühelos mithalten kann.

Fragt sich nur, wer sich so etwas antun möchte; der Leser sollte es nicht und sich den Zuschauern anschließen, die 1982 ebenso handelten: „Halloween III – Season of the Witch“ gehört zu den großen Flops der Filmgeschichte. Kein Wunder, dass Michael Myers für einen vierten Teil schleunigst wieder zusammengeklebt wurde! (Zu diesem ob seiner ebenso dreisten wie misslungenen Plagiate der ersten beiden Teile fast vergnüglichen Streifen gibt es übrigens auch einen Roman, zusammengemüllt von einem gewissen Nicholas Garbowsky, doch dieses Mal blieben wir zumindest hierzulande verschont.)

Autor

Dennis William Etchison (geb. 1943 in Stockton/Kalifornien) gehört zu den unbekannten Größen der Phantastik. Im angelsächsischen Sprachraum preisen ihn anerkannte Meister wie Stephen King und Peter Straub und weisen ihm eine Vorbildfunktion für das Genre und hier vor allem im Bereich des ‚psychologischen‘ Horrors zu. Zwar ist Etchisons Werk vergleichsweise schmal, doch darf man ihn nicht nur als Schriftsteller sehen: Er gilt als ausgewiesener Kenner der Phantastik, was er in zahlreichen sekundärliterarischen Texten unter Beweis stellte. Zwischen 1992 und 1994 stand er der „Horror Writers Association“ als Präsident vor. Außerdem arbeitete er an Drehbüchern für und mit John Carpenter oder Dario Argento. 1985 gehörte er zum Stab der Drehbuchautoren, die für die TV-Serie „The Hitchhiker“ schrieben.

Schon für seine erste Storysammlung („The Dark Country“, 1982) wurde Etchison sowohl mit dem „World Fantasy Award“ als auch mit dem „British Fantasy Award“ für die beste Anthologie des Jahres ausgezeichnet. Seither hat der Verfasser viele weitere Preise erhalten. Als Romanautor begann Etchison dagegen bescheiden. Meist unter dem Pseudonym „Jack Martin“ produzierte er zwischen 1980 und 1983 diverse Romane zu zeitgenössischen Horrorfilm-Erfolgen. Erst ab der zweiten Hälfte der 1980er Jahre schrieb Etchison Romane, für die er großes Kritikerlob einheimste.

In Deutschland blieb Dennis Etchison fast unbekannt. Seine Kurzgeschichten finden sich in vielen auch hierzulande erschienenen Sammlungen, doch seine eigenen Werke sind kaum erschienen – ein weiterer Beleg für die traurige Praxis der deutschen Großverlage, die Buchladenketten lieber mit dem kalkulierbaren Machwerken lebender Schreibautomaten zu überschwemmen.

[md]

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