Heimkehr

Christie Golden [u. Diane Carey]
Heimkehr
(Star Trek – Voyager)

Originaltitel: Endgame (New York : Pocket Books/Simon & Schuster Inc. 2001)
Dt. Erstausgabe (als „Endspiel“): Dezember 2001 (Heyne Verlag/SF 06/5823 = Star Trek Voyager 23)
Übersetzung: Andreas Brandhorst
200 S.
ISBN-13: 978-3-453-21062-2
eBook: März 2014 (Heyne Verlag)
755 KB
ISBN-13: 978-3-641-11580-7

Neuausgabe (als „Heimkehr“): Oktober 2013 (Cross-Cult-Verlag/Star Trek Voyager 1)
Übersetzung: Andrea Bottlinger
258 Seiten
ISBN-13: 978-3-86425-287-7
eBook: Oktober 2016 (Cross-Cult-Verlag)
1704 KB
ISBN-13: 978-3-86425-322-5

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Das geschieht:

Zum zehnten Mal jährt sich der Tag, an dem das Föderations-Raumschiff „Voyager“ unter dem Kommando von Captain Kathryn Janeway nach einer Irrfahrt, die 26 Jahre währte, aus dem Delta-Quadranten zur Erde zurückkehrte. Längst ist wieder der Alltag eingekehrt. Janeway ist zum Admiral der Sternenflotte aufgestiegen. Harry Kim führt ein eigenes Schiff. Der Holo-Doktor konnte seinen Status als ‚echte‘ Lebensform wahren und ist inzwischen sogar Ehemann geworden. Tom Paris hat seinen Abschied genommen und sich als Schriftsteller einen Namen gemacht. B=Elanna Torres, seine Gattin, ist ebenfalls aus dem aktiven Flottendienst ausgeschieden, während beider Tochter Miral in die Fußstapfen der Eltern trat.

Die junge Pilotin wird zur Schlüsselfigur in Janeways geheimen Privatkrieg gegen die Zeit und das Schicksal. Die Heimkehr der „Voyager“ musste bitter erkämpft werden; viele Mitglieder der Besatzung, darunter Commander Chakotay und Seven of Nine, verloren ihr Leben. Wissenschaftsoffizier Tuvok konnte von einer Nervenkrankheit nicht geheilt werden und dämmert in einer Anstalt dem Tod entgegen.

Admiral Janeway beschließt, allen Direktiven der Föderation zum Trotz die Geschichte nach ihrem Willen umzuschreiben: Sie will eine Zeitreise unternehmen, ihrem jüngeres Ich mit Hilfe der inzwischen weit vorangeschrittenen Technik eine ‚Abkürzung‘ nach Hause zeigen und so der Zukunft ein neues und erfreulicheres Gesicht geben. Nach großen Anlaufschwierigkeiten glückt der Sprung zurück, wo Captain Janeway nach den Vorgaben ihres desillusionierten und zynischen Alter Egos die „Voyager“ für die Reise durch ein Wurmloch umrüsten lässt, das just im All entdeckt wurde.

Aber der Admiral hat dem Captain verschwiegen, dass am Eingang des Wurmlochs die Borg lauern. Sie arbeiten hier an einem Portal, das endlich die Invasion des Alpha-Quadranten ermöglichen soll. Die „Voyager“ könnte sich trotzdem durch das Wurmloch mogeln, doch Captain Janeway fragt sich, ob man die Chance verstreichen lassen darf, das Borg-Portal zu sabotieren. Der Admiral ist gegen diesen Plan und versucht, die Besatzung der „Voyager“ gegen den Captain aufzuwiegeln. Der Konflikt verschafft den Borg Zeit für Gegenmaßnahmen …

Dramatisches Finale in banaler Umsetzung

Nach sieben Jahren in den Weiten des TV-Äthers kehrte die „Voyager“ 2001 heim. Die große Odyssee endete roddenberry-typisch, d. h. von Bord gingen durch Erfahrung geläuterte, klüger, sogar weise gewordene oder doch wenigstens miteinander verbandelte Männer und Frauen, die zuvor noch um des dramaturgisches Verzögerungseffektes wegen ein zwar unglaubwürdiges aber leidlich spannendes Abenteuer erleben mussten.

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Diane Carey ist keine von echtem Unterhaltungsgeschick beseelte Schriftstellerin, wie schreckliche „Star Trek“-Schmonzetten belegen, die sie sich aus dem Hirn gewrungen hat. Lässt man sie jedoch nach Drehbuch schreiben, liefert sie termingerecht und wahrscheinlich nach Tariflohn leidlich lesbare „Romane zum Film“, die es dem „Star Trek“-Franchise ermöglichen, einen nicht exorbitanten, aber doch respektablen und vorab kalkulierbaren Gewinn einzustreichen. Die Resonanz könnte größer sein, würde man einen wirklich talentierten Autoren beschäftigten, aber dieses Risiko ist in der Kosten-Nutzen-Planung nicht vorgesehen, und daher reicht es, Diane Carey anzuheuern.

Das Ergebnis entspricht solchem nüchternen Geschäftsdenken. „Endspiel“ ist formal wie inhaltlich jederzeit Mittelmaß; ohne Überraschung, ohne Feuer, lebendig höchstens durch die Vorgeschichte der hier nun zum vorerst letzten Mal agierenden Figuren und die (sich freilich auch in Grenzen haltende) Spannung durch die Frage, wie diese denn nun ins (TV-) Nirwana entlassen werden.

Schema F in den Quadranten A bis D

Nicht verantwortlich zu machen ist Carey indes für die gewaltigen Löcher, die bereits durch das lieblos zusammengeschluderte Drehbuch in die Handlung geschlagen wurden. Nun sind logische Bocksprünge seit jeher typisch für „Star Trek“, was einer Science Fiction-Serie sogar gut zu Gesichte steht. Das enthebt jene, die sich über die TV-Apokalypse der Woche den Kopf zermartern, jedoch nicht der Verantwortung, für eine gewisse Stimmigkeit der erfundenen Welten Sorge zu tragen. „Endspiel“ verkauft sein Publikum schlicht für dumm, und was dem Zuschauer vor einem Wirbel eindrucksvoller Spezialeffekte im Fernsehen womöglich nicht so bewusst wird, bleibt dem Leser nicht lange verborgen. Hier nur eine Auswahl offener Fragen:

– Was treibt eigentlich die „Abteilung für Temporale Ermittlungen“ der Sternenflotte, deren gestrenge Repräsentanten wir in früheren „Star Trek“-Episoden kennenlernten, während Admiral Janeway offenbar nach Belieben im Zeitstrahl herummurkst?

– Wie würden wohl jene Besatzungsmitglieder über Janeways ‚Korrektur‘ der Vergangenheit urteilen, die nicht nur die Reise der „Voyager“ überlebt, sondern sich ein neues und offensichtlich glückliches Leben aufgebaut haben? Wohl weil sie die Antwort kennt, fragt der Admiral lieber gar nicht …

– In den alten „Frankenstein“-Filmen der 1930er Jahre gab es im Labor des guten Doktors stets einen Hebel, der, einmal umgelegt, das Labor samt Monster in Rauch und Flammen aufgehen ließ. Realistisch ist ein solcher Mechanismus nicht, aber im Film lässt er sich weiterhin prima einsetzen, Die „Star-Trek“-Autoren haben sich dies gut gemerkt und bringen den Hebel seither immer wieder zum Einsatz. In unserem Fall treffen wir die Borg in ihrer ganzen Pracht und Übermacht; seit Jahr und Tag sind sie emsig damit beschäftigt, eine planetengroße Bosheit zusammenzuschrauben. Dann kommt die „Voyager“ mit den Janeways im Doppelpack, halst den Borg einen ‚Virus‘ auf, und siehe da: Die Wurmloch-Wundermaschine löst sich samt böser Königin binnen weniger Augenblicke (und gerade noch rechtzeitig vor dem großen Finale) in ihre Einzelteile auf.

– Eine ketzerische Frage: Welches harmoniesüchtige Franchise-Seelchen hat sich die Last Minute-Romanze zwischen Chakotay und Seven of Nine einfallen lassen? Sie wirkt nicht nur an den Haaren herbeigezogen, sondern einfach lächerlich in ihrem Bemühen, auf Biegen und Brechen ein Happy-End aus dem Hut zu zaubern.

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Fazit: Ein Kann, aber kein Muss, dieses nach Schema F weniger verfasste als konstruierte „Star Trek“-Abenteuer; für das Ende einer Ära ein schwacher Abgesang, aber für den Fan natürlich Pflichtlektüre, die immerhin eher langweilt als offen ärgert. (Eine Frage bleibt offen: Wer hat diesen Roman eigentlich geschrieben? Für die Erstausgabe wurde Diane Cary als Autorin genannt, für die Neuausgabe Christie Golden. Wahrscheinlich haben sie beide ihren Beitrag geleistet.)

Autorinnen

Diane Carey wurde 1954 in Flint, US-Staat Michigan, geboren. Sie besuchte das Alma College und später die University of Michigan, die sie mit einem Master of Arts abschloss. Ihre schriftstellerische Laufbahn begann sie mit Historienromanen und Romanzen, bevor sie Mitte der 1980er Jahre eine noch junge Nische für hauptberufliche Schriftsteller/innen für sich eroberte und sich auf „tie-ins“ – Romane zu Filmen und TV-Serien – spezialisierte. Im Rahmen standardisierter Exposés, eines fest stehender Handlungsrahmens und vorgegebener Charakterzeichnungen setzt sie die Abenteuer bekannter und beliebter Figuren fort.

Bekannt ist Carey primär für ihre Arbeiten für das „Star-Trek“-Fanchise geworden. Sie hat Romane zu allen Fernsehserien geschrieben und einige neue, speziell für den Buchmarkt entworfene „ST“-Serien (u. a. „New Earth“ und „Gateways“) mitgestaltet. Carey liefert termingerecht Texte ab, die niemals originell sind, weil sie es nicht sein dürfen, um die „arcline“ – die fiktive Chronologie und Chronik des „Star-Trek“-Universums – zu wahren.

Ein zweites berufliches Standbein besitzt Carey, die seit 1993 mit ihrer Familie (Gatte Gregory Brodeur liefert ebenfalls „Star-Trek“-Romane) in Owosso, Michigan, lebt, in ihrer Firma „Falconbane Historic Events and Weddings“.

Auch Christie Golden, geboren am 21. November 1963 in Atlanta, US-Staat Georgia, gehört zu den Lohn-&-Brot-Autoren der Merchandising-Industrie. Seit 1995 schreibt bzw. fabriziert sie Romane zu Franchise-Serie wie „Star Trek“, „Star Wars“, „Ravenloft“ „Assassin’s Creed“ oder „World of Warcraft“.

Copyright © 2016 by Michael Drewniok (md)

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