Q2

Peter David
Q2

(Star Trek – The Next Generation)

(sfbentry)
Originaltitel: Q Squared (New York : Pocket Books/Simon & Schuster 1992)
Übersetzung: Andreas Brandhorst
Deutsche Erstausgabe (geb.): 1997 (Vgs Verlagsgesellschaft)
367 S.
ISBN-10: 3-8025-2478-0
Neuausgabe: Mai 1999 (Heyne Verlag/Heyne SF 06/5745)
367 S.
ISBN-13: 978-3-453-14909-0
eBook: Februar 2014 (Heyne Verlag)
775 KB
ISBN-13: 978-3-641-11698-9

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Das geschieht:

Vor einem Jahrhundert hat ihm der legendäre Captain James T. Kirk eine tüchtige Lektion erteilt, doch nun ist er wieder zurück: Trelane, der erste den Menschen bekannt gewordene Bewohner des Q-Kontinuums, Heimat kosmischer Superwesen mit quasi gottgleichen Kräften. Aus dem kindlichen „Squire von Gothos“ ist ein Jugendlicher geworden, dessen weiterhin aufbrausendes Wesen ihn zu einer Gefahr für das ‚normale‘ Universum machen. Daher haben die Q beschlossen, Trelane einen Mentor zur Seite zu stellen: Q, den die Menschen ähnlich faszinieren wie sein Mündel. Dieser stimmt zu, aber da sich Trelane als arges Problemkind herausstellt, wendet sich Q Hilfe suchend an seinen alten Freund bzw. liebsten Streitgenossen. Captain Jean-Luc Picard ist nicht begeistert, als gleich zwei Qs ihn und das Raumschiff „Enterprise“ heimsuchen.

Trelane braucht nicht lange, um sich unbeliebt zu machen. Schlimmer noch: Aus einem alternativen, zukünftigen Zeitstrom dringt ein anderer, bösartiger Trelane in diese Realität ein, der es gelernt hat, sich die kosmischen Mächte des Chaos nutzbar zu machen – und von ihnen überwältig wurde. Unbemerkt schaltet er sein jüngeres Gegenstück aus und setzt seine Kräfte ein, das ihm lästige Q-Kontinuum hermetisch abzuschotten.

Q gelingt es, in ein paralleles Universum zu entkommen. Wieder macht er sich dort zum Raumschiff „Enterprise“” auf. Deren Captain heißt Jack Crusher, Picard ist sein erster Offizier. Die „Enterprise“ holt den Raumhelden William T. Riker ab, der just von einem klingonischen Einsatzkommando aus romulanischer Folterhaft befreit wurde und sehnlich von seiner Familie erwartet wird – der Ehefrau Deanna Troi und Sohn Tommy.

Q beschließt, den Kampf gegen Trelane mit der Hilfe seiner neuen, unfreiwilligen Verbündeten aufzunehmen. Trelane selbst zapft noch einen weiteren Zeitstrom an und beginnt, die drei alternativen Universen zu vermischen. Das Ergebnis sind neue tödliche Spiele, die dieses Mal nicht auf Gothos, sondern an Bord der „Enterprise“ stattfinden und womöglich im Untergang des Universums gipfeln werden …

Routine als erfreulich gelungene Unterhaltung

Wobei dieses Universum wohl eher als „Multiversum“ zu bezeichnen ist, stellt es sich doch aus Qs Sicht als komplexes Geflecht paralleler Welten und Zeitströme dar, die in diesem schon etwas angejahrten „Star-Trek“-Abenteuer mit jener Kunstfertigkeit verknäult werden, die den Franchise-Veteranen Peter David auszeichnet. Dieser Mann beherrscht sein Handwerk – und das ist es, was er betreibt: Er verfasst „Star- Trek“-Romane, einen nach dem anderen. Manchmal gönnt er sich ein wenig Abwechslung, indem er weitere TV-Bestseller in Worte fasst.

Die „tie-in“-Industrie stellt normalerweise ein trübsinniges Kapitel der Unterhaltungsliteratur dar. Geschichten, die für den Bildschirm konzipiert wurden, müssen in Buchform umgepresst werden. Dass dabei keine große Literatur entsteht, dürfte klar sein, und tatsächlich stellen zweit- und drittklassige Lohnschreiber das Gros derer da, die sich auf „Bücher zum Film“ (oder zur Fernsehserie) spezialisiert haben.

Peter David ist eine Ausnahme. Ihn zeichnen Ehrgeiz, gute Ideen und das Talent, diese auch ansprechend umzusetzen, aus. Daher wecken seine „Star-Trek”-Beiträge die Vorfreude des kundigen Lesers. Diese wird selten enttäuscht. „Q2“ stellt keine Ausnahme dar, zumal David von allen Franchise-Autoren am besten auf die Figur des Q versteht.

Auf den Standpunkt kommt es an

Zwar gibt es offensichtliche Parallelen zum im Vorjahr entstandenen 21. „Next Generation“-Abenteuer „Q-in-Law“ (1991, dt. „Eine Lektion in Liebe“), aber wann hat es im „Star-Trek“-Universum in den vergangenen Jahrzehnten etwas wirklich Neues oder gar Überraschendes gegeben?

„Q2“ ist vom Grundton ernsthafter angelegt als die gerade erwähnte Q-Geschichte. Trelane ist ein Kind, das es liebt, Fliegen die Flügel auszureißen. Das ist die Prämisse, auf der die Story ruht, und weil „Q2“ nicht für die Inkarnation des größten gemeinsamen Publikum-Nenners – das Fernsehen – geschrieben wurde, ist es David möglich, ein wenig derber zur Sache zu gehen.

Das heißt nicht, dass die typischen Q-Scherze fehlen würden. Aber sie neigen dieses Mal dazu, ein wenig schwärzer als üblich auszufallen, wenn Trelane für sie verantwortlich zeichnet. Man kann ihm einen boshaften Einfallsreichtum nicht absprechen. Die Attacke der recht gewalttätigen Hauptfiguren aus dem Kinderbuch-Klassiker „Winnie Pu“ ist wirklich witzig. Sie belegt gleichzeitig, dass David über die Gabe echten Humors verfügt, die rar ist im bierernsten „Star-Trek“-Franchise, das ängstlich alles meidet, was den Profit beeinträchtigen könnte.

Die Story selbst ist simpel, aber tausendfach bewährt: Zeitreisen und parallele Welten werden vom SF-Publikum seit jeher geliebt. Wieso auch nicht, hat sich doch die Frage „Was wäre, wenn …“ wohl jeder denkende Mensch mindestens einmal gestellt. Im „Star-Trek”-Film und Fernseh-Universum schöpften und schöpfen die besten und beliebtesten Folgen aus den mehr oder weniger gravierenden Abweichungen, die eine alternative Realität den ansonsten in Routine gefangenen Helden beschert.

Cover der TB-Ausgabe von 1999 (Sammlung md)

Zurück in die Vergangenheit

Auch der Rückgriff auf die eigenen Vergangenheit ist so neu nicht; „Der Zorn des Khan“, der zweite „Star-Trek“-Kinofilm, griff 1981 auf eine TV-Episode der klassischen Serie um Kirk & Co. zurück. Das hatte hervorragend funktioniert und wurde später oft und gern wiederholt. Daher erleichtert sich auch David sein Schriftstellerleben und greift auf Bewährtes zurück, das er allerdings nicht einfach aufwärmt, sondern logisch und spannend weiterentwickelt.

„The Squire of Gothos“ (dt. „Tödliche Spiele auf Gothos“) erzählte als Folge 18 der ersten „ST-Classic“-Staffel vom ersten Auftritt Trelanes. Geschickt baut David auf dieser Handlung auf, indem er sie quasi zur Vorgeschichte erklärt und gleichzeitig einen Weg findet, sie in den „Next-Generation“-Kosmos zu integrieren. Die nachträgliche ‚Adoption‘ Trelanes als Angehöriger der Q lag nahe, wirkt aber nicht aufdringlich, obwohl er nie wirklich ins Q-Kontinuum passt.

David versucht gar nicht erst, die ausgeprägten Unterschiede zwischen Trelane und Q zu verwischen, sondern lässt sie bestehen und in seine Geschichte einfließen: ein zusätzlicher Bonus, der den Bogen vom „Star Trek“ der 1960er Jahre zum „Star Trek“ der Gegenwart (bzw. hier der 1990er Jahre) schlägt.

„Where no Man Has Gone Before” (dt. „Spitze des Eisbergs”) ist die zweite TV-Folge, auf die sich David beruft. Die Geschichte vom spektakulär gescheiterten Versuch der Kirkschen „Enterprise“, die galaktische Barriere zu durchbrechen, ist die fünfte der ersten „ST-Classic“-Staffel und gehört ebenfalls zu den Klassikern. Wiederum weiß David die Besessenheit Gary Mitchells und Dr. Elizabeth Dehners gut auf Qs damals noch anonymes Wirken zurückzuführen, und er verschafft auch James T. Kirk einen Gastauftritt in „Q2“.

Spielen und Spaß haben

Ein gediegener Lesespaß erwartet den Leser also, und eine angenehme Abwechslung von der öden Klingonen-„Blut-&-Ehre“-Folklore oder dem pseudo-dramatischen Ringen um die „Erste Direktive“, mit denen faule und geistlose (Dreh-)Buchautoren allzu viele „Star-Trek“-Abenteuer bestreiten. Peter David konzentrierte sich später auf eine ‚eigene‘ „Star-Trek“-Serie („The New Frontier“), die es nur auf dem Papier gibt.

Ihn lockte die Chance, endlich einmal die vorgegebenen Muster zu durchbrechen und eine „Star-Trek“-Welt zu gestalten, die – da war das Franchise vor! – auch nicht für sich beanspruchen konnte, wirklich originell zu sein. Leider war „The New Frontier“ so erfolgreich, dass es mehr als ein halbes Jahrzehnt dauerte, bis David zu den aus Kino und Fernsehen bekannten Figuren zurückkehrte, die er so unnachahmlich mit Leben zu erfüllen weiß.

„Q2“ bietet „Star-Trek“-SF vom Feinsten und sei daher dem Publikum als seltene Perle im Meer der Diane Careys, John Vornholts, L. A. Grafes und anderer „ST“-Zeilenschinder ausdrücklich ans Herz gelegt!

Kurzkritik für Ungeduldige: Die mit Superkräften ausgestatteten Wesen Q und Trelane suchen Captain Picards Enterprise heim. Als Trelane Amok läuft, sucht Q Hilfe in einem parallelen Universum. Ein dritter Zeitstrom macht das Chaos komplett … – Mit einem ausgeprägten Gefühl für das „Star-Trek“-Universum erzählt Verfasser David eine ebenso spannende wie witzige Geschichte, die einfallsreich mit bekannten Figuren und Situationen spielt.

[md]

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