The Walking Dead 2

Robert Kirkman/Jay Bonansinga
The Walking Dead 2

Originaltitel: The Walking Dead: The Road to Woodbury (New York : Pan Macmillan 2012)
Übersetzung: Wally Anker
Deutsche Erstveröffentlichung: Mai 2013 (Heyne Verlag/TB Nr. 52953)
409 S.
ISBN-13: 978-3-453-52953-3
eBook: Mai 2013 (Heyne Verlag)
513 KB
ISBN-13: 978-3-641-09531-4
Hörbuch-Download: Mai 2013 (Random House Audio)
Gelesen von Michael Hansonis
Laufzeit: 654 Minuten (ungekürzt)
ISBN-13: 978-3-8371-2214-5

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Das geschieht:

Eine Seuche hat die USA und wohl auch die übrige Welt heimgesucht: Wer stirbt, kehrt als intelligenzloser aber gieriger Zombie zurück, um die noch Lebenden zu verfolgen und zu fressen. Wird jemand gebissen, fällt er oder sie ebenfalls dem Untod zum Opfer. Vor der Übermacht der wandernden Toten, die nur durch einen gezielten Kopfschuss außer Gefecht gesetzt werden können, mussten Staatsmacht und Militär kapitulieren. Sämtliche nationalen Verwaltungsstrukturen sind zusammengebrochen. Die wenigen Überlebenden ziehen in wilder Flucht durch die verheerten US-Staaten oder haben sich verbarrikadiert. Demokratische Strukturen wurden durch wilden Anarchismus oder totalitäres Bandentum ersetzt.

Im US-Staat Georgia gehört Lilly Caul zu denen, die nach einem sicheren Winkel suchen. Die junge Frau hat sich einer Gruppe angeschlossen, die ein altes Zirkuszelt als Bleibe organisieren konnte: Der Winter steht vor der Tür; die Menschen müssen ihm ohne die Hilfsmittel der untergegangenen Zivilisation trotzen. Lilly hat sich mit der neuen Realität arrangiert. Sie hält sich an den kräftigen Josh Lee Hamilton, der sich in sie verliebt hat und sie schützt. Deshalb geht Lilly mit ihm, als Josh, der einen geilen Strolch erschlug, von der Gruppe ausgeschlossen wird. Zwei weitere Männer und eine Frau schließen sich ihnen gerade noch rechtzeitig an, denn die Gruppe wird von einer Zombie-Herde überfallen und ausgelöscht.

Das Quintett schlägt sich mühsam durch. Gerade hat man in einer verlassenen Tankstelle ein provisorisches Quartier aufgeschlagen, als andere Überlebenskünstler ihnen ein verlockendes Angebot unterbreiten: Kommt mit uns nach Woodbury, eine kleine Stadt, die sich gegen die Untoten abschotten konnte. Verschwiegen wird allerdings, dass hier der wahnsinnige und psychopathische „Governor“ buchstäblich über Leben und Tod herrscht …

Der (Un-) Tod als multimediales Spektakel

Mit „The Walking Dead“ gelang dem Comic-Autor Robert Kirkman 2003 der Coup seines Lebens. Zwar hatte er bereits zuvor einige Achtungserfolge erzielt. Nun schuf er in Zusammenarbeit mit dem Zeichner Tony Moore seine Version einer Menschheit in der Dauerkrise. Geschickt verwendete Kirkman eingängige Klischees, die er mit rabiaten Zombie-Ekeleien kombinierte. Hinzu kamen Motive der alten aber bewährten „New-Frontiers“- und Pionier-Mentalität, mit der sich die US-Bevölkerung noch heute identifiziert, sowie die üblichen „family values“. So fand die Serie ein zahlenstarkes Publikum und musste deshalb irgendwann auch die Aufmerksamkeit anderer Unterhaltungsmedien erregen.

„The Walking Dead“ gewann nicht nur aufgrund der erzählerischen Struktur, sondern auch wegen seiner monatlichen Erscheinungsweise rasch Epos-Charakter. Deshalb wurde die Serie nicht als Spielfilm, sondern als TV-Serie umgesetzt. Da dies für das Bezahl-Fernsehen geschah, musste man sich nicht der üblichen Zensur beugen, sondern konnte die Horror-Effekte in einer Drastik realisieren, die sogar im Kino selten so dagewesen war. „The Walking Dead“ war spannend und aufwändig inszeniert und trat auch als Fernseh-Serie einen Triumphzug an.

Um die Kuh zu melken, solange sie Milch hergab, beschloss Robert Kirkman, seinem Comic eine Nebenhandlung zu schaffen, die neben dem Hauptstrang herlief, um sich irgendwann wieder mit ihm zu vereinen. Dieses „Walking-Dead“-Bonus-Abenteuer sollte nicht gezeichnet, sondern in Romanform niedergeschrieben werden. Da Kirkman als Buch-Autor unerfahren war, tat er sich mit dem schreibenden Profi Jay Bonansinga zusammen. Ursprünglich geplant war ein Zweiteiler, der schließlich zu einer Trilogie ausgebaut wurde.

Alles bekannt und trotzdem anders

Vor der Lektüre gilt es zu differenzieren: „The Walking Dead“, der Comic, ist mit der gleichnamigen TV-Serie nicht identisch. Zwar tragen die Figuren die gleichen Namen, aber sie weichen von ihren Vorbildern ab und erleiden manchmal auch andere, meist traurigere Schicksale.

Die Buch-Trilogie folgt Kirkmans Intentionen. Es fällt zumindest in den beiden ersten Bänden nicht allzu stark auf, weil das Verfasserduo personale Überschneidungen mit der Fernseh-Version weitgehend meidet. Während der „Governor“ in Woodbury sein Schreckensregiment etabliert, richten sich nicht weit entfernt Rick Grimes und seine Gefährten in jener verlassenen Gefängnisanlage ein, die in der dritten TV-Staffel eine der Hauptkulissen darstellen wird. „The Walking Dead 2“ fällt zeitlich demnach in die Lücke zwischen den Staffeln 2 und 3.

Dem Fernsehen wird oft und zu Recht eine allzu intensive Trivialisierung literarischer Vorlagen vorgeworfen. Dieses Mal ist es umgekehrt: Die TV-Version von „The Walking Dead“ ist wesentlich sorgfältiger ausgestaltet als die Buch-Trilogie. (Der Comic sei hier ausgeklammert.) Jay Bonansinga, der Kirkman zur Seite stand, ist ein Schriftsteller, der eher die grobe Machart schätzt bzw. zu einer feinfühligen Charakterisierung nicht in der Lage ist, wie er in seinem Solo-Werk immer wieder unter Beweis gestellt hat.

Killen & irre mit den Augen rollen

Dies kennzeichnet vor allem und ausgerechnet die Figur des „Governors“. Ihm verleiht im TV David Morressey eine echte Persönlichkeit, sodass die Nero-ähnliche Witzfigur, die Kirkman/Bonansinga aus ihm machen, noch peinlicher wirkt. Ihr Philip Blake ist ein eindimensionaler, schmieriger Irrer, den die Autoren deshalb über möglichst geist- und willensschwache Untertanen herrschen lassen, um dies nicht gar zu deutlich werden zu lassen. Während über dem TV-Woodbury ein dünner aber deutlicher Schatten ständiger Bedrohung schwebt, ist das Buch-Woodbury ein Lumpen-Heerlager, das besser in einen „Mad-Max“-Film passen würde.

Zweite Hauptfigur des Buches ist Lilly Caul, die in den Comics ein kurzes aber wirkungsstarkes Intermezzo gab. Kirkman/Bonansinga versuchen nachzuzeichnen, wie sie zum erbitterten Feind des „Governors“ wurde. Leider ist diese Entwicklung denkbar schlicht. Lilly ist gut und nach den Gesetzen der Trivial-Unterhaltung dazu verurteilt, gegen das Böse – den „Governor“ – zu kämpfen, der natürlich allgegenwärtig und paranoid ist, was zu den üblichen Intrigenspielchen führt.

Diese folgen ebenfalls einschlägigen Vorgaben und bieten folgerichtig keine Überraschungen. Sie versucht das Autorenduo zu generieren, indem in den Täuschungspausen die Zombies angreifen. Obwohl die Buch-Trilogie wie Comic und Fernsehserie den Titel „The Walking Dead“ tragen, hatten uns Kirkman & Bonansinga die Untoten beinahe vergessen lassen. Wenn sie auftauchen, lassen sie uns kalt, obwohl die Autoren Blut und Fleischfetzen höher und weiter denn je spritzen lassen. Zombies sind keine besonders interessanten Unholde. Ihnen fehlt die Intelligenz, die sie durch Scheußlichkeit in Gestalt und Benehmen ersetzen müssen. Dies funktioniert jedoch nur bedingt, weshalb auch im Milieu der Untoten paradoxerweise die Lebenden stets im Mittelpunkt stehen.

Aufstieg, Herrschaft … was kommt dann?

Die Geschichte selbst ist routiniert bis beliebig. Bis wir nach Woodbury gelangen, verfolgen wir die Irrfahrt der erwähnten Lilly Caul. Ihre Story unterscheidet sich nicht von den Erlebnissen anderer Flüchtlinge. Vor allem gelingt es den Autoren nie, uns zu verdeutlichen, wieso gerade Lilly zu einer starken Gegnerin des „Governors“ wird. In der TV-Serie ist dies mit der sehr ähnlich angelegten Figur der Andrea wesentlich überzeugender gelungen.

Lilly wird von einigen Gefährten begleitet, die in ausführlichen Biografien vorgestellt werden. Der erfahrene Leser weiß schon deshalb, dass es diese Pechvögel garantiert erwischen wird. Ihr Ende soll tragischer wirken, weil wir sie ‚kennen‘. Das Prinzip ist alt und durchaus funktionstüchtig, aber es verfehlt seine Wirkung, wenn sich besagte Biografien auf bloße Klischees beschränken.

Dem Thema angemessen – also leblos – rollt die Handlung bis zu ihrem notgedrungen offenen Ende ab: Das Mittelstück einer Trilogie kann nicht anders ausgehen; es bereitet das eigentliche Finale vor. Dieses kennen wir dummerweise bereits; selbst Kirkman & Bonansinga machen daraus keinen Hehl, wenn sie dem dritten Band den Titel „Fall of the Governor“ geben. So ist es keine schwierige Prognose, dass auch „The Walking Dead 3“ vor allem die Popularität der Comic- und Fernseh-Vorlage (aus-) nutzen und sich ansonsten ebenfalls in Routine-Horror erschöpfen wird.

Autoren

Robert Kirkman (geb. 1978) ist (bisher) weniger als Schriftsteller, sondern als Autor für Comics bekannt geworden. Schon 2000 brachte er in Zusammenarbeit mit dem Zeichner Tony Moore die Superhelden-Parodie „Battle Pope“ heraus. Nach einigen anderen Projekten verwirklichten Kirkman und Moore ab 2003 „The Walking Dead“. Aufgrund ständiger Terminschwierigkeiten stieg Moore aus und wurde von Charlie Adlard ersetzt. „The Walking Dead“ wird weiterhin fortgesetzt. Zwischenzeitlich arbeitete Kirkman für „Marvel Comics“, wo er u. a. für Serien wie „Avengers Disassembled“, „Marvel Knights“ oder „Fantastic Four“ schrieb.

2008 wechselte Kirkman zu „Image Comics“; 2010 gründete er das Imprint „Skybound“. Parallel dazu wurde er einer der Produzenten und Autoren der Fernsehserie „The Walking Dead“, die unter der Leitung von Frank Darabont zu einem TV-Ereignis wurde. Ab 2011 veröffentlichte Kirkman mit Ray Bonansinga die Roman-Trilogie „Rise of the Governor“, die ebenfalls im „Walking-Dead“-Universum spielt. Mit seiner Familie lebe Robert Kirkman lange in Kentucky. Um ‚seiner‘ TV-Serie näher zu sein, ist er nach Los Angeles umgezogen.

Jay R. Bonansinga (geb. 1959) verfasst seit 1994 auf Unterhaltung getrimmte Krimi- und Horror-Thriller der unterhaltsamen aber rasch wieder vergessenen Art. Der in Sachen Eigenwerbung (s. Website) sehr kreative Autor lebt mit seiner Familie in Evanston, US-Staat Illinois, wo er als Gastprofessor für kreatives Schreiben an der Northwestern University lehrt.

In Deutschland ist Bonansinga erschienen Mitte der 1990er Jahre die Thriller „Black Mariah“ („The Black Mariah“, 1994) und „Sick“ („Sick“, 1995). Kurz darauf versuchte es der Goldmann-Verlag mit den Bonansinga-Krimis „Killer-Parade“ („The Killer’s Game“, 1997) und Kopf an Kopf („Head Case“, 1998), wobei sich der Erfolg ebenfalls in Grenzen hielt. Ende 2005 nahm Rowohlt mit einer Serie um den mit dem Übersinnlichen konfrontierten Ermittler Ulysses Grove einen neuen Anlauf.

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