World War Z. Operation Zombie

Max Brooks
World War Z. Operation Zombie

Originaltitel: World War Z: An Oral History of the Zombie War (New York : Crown Publishers 2006)
Übersetzung: Joachim Körber
Deutsche Erstausgabe: November 2007 (Wilhelm Goldmann Verlag/TB Nr. 46539)
445 S.
ISBN-13: 978-3-442-46539-2
Neuausgabe: Juli 2013 (Wilhelm Goldmann Verlag/TB Nr. 47860)
445 S.
ISBN-13: 978-3-442-47860-6
eBook: März 2012 (Wilhelm Goldmann Verlag)
632 KB
ISBN-13: 978-3-641-08247-5
Hörbuch-Download: Dezember 2011 (Random House Audio)
842 min. (ungekürzt), gelesen von David Nathan
ISBN-13: 978-3-8371-1085-2
MP3-CD: Juli 2013 (Random House Audio)
842 min. (auf 2 CDs, ungekürzt), gelesen von David Nathan u. Michael Pan
ISBN-13: 978-3-8371-2039-4

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Das geschieht:

Kaum ein Jahrzehnt ist vergangen, seit die menschliche Zivilisation beinahe unterging. Kein Atomkrieg, keine terroristischen Umtriebe und keine Ebola-Pandemie haben ihr den Untergang gebracht, sondern Zombies – verstorbene und wiederauferstandene Männer und Frauen, die nicht nur hungrig Jagd auf ihre früheren Mitmenschen machten, sondern diese durch ihren Biss selbst in lebende Tote verwandelten. Erst nach Jahren eines verzweifelten Kampfes konnten die Zombies ausgerottet werden. Die Zahl der Opfer geht in die Milliarden.

Der Autor dieses Buches gehörte einer Kommission an, die für die Vereinten Nationen die Geschichte des „Zombie-Weltkriegs“ rekonstruierte. Er konnte die Brennpunkte der Ereignisse bereisen und mit denen sprechen, die dort mit den Zombies in Berührung kamen (und dies überlebten). Die gesammelten Interviewtexte sind wichtige Steinchen in einem Mosaik, das bisher nie in seiner Gesamtheit dargestellt werden konnte. Sie wurden chronologisch geordnet und spielen an vielen Orten der Erde. Die schlaglichtartige Berichterstattung entwirft das deprimierende Bild einer Katastrophe, die in diesem Ausmaß vor allem auf menschliches Versagen zurückzuführen ist. Immer wieder versagten Regierungen und Militärs, griffen Rettungsmaßnahmen ins Leere, machten Unfähigkeit, Korruption und organisiertes Verbrechen ein gemeinschaftliches Vorgehen zunichte.

Tiefer und tiefer dringt der Verfasser in die Geschichte des Zombie-Krieges ein. Sie enthüllt auch eine Gegenwart, die vom Krieg gegen die Untoten tief geprägt wurde und einschneidende Veränderungen erfuhr. Die alten Strukturen sind zerschlagen, was eine Chance zum Neubeginn bedeutet. Doch schon kehren alte Fehler in neuer Gestalt zurück …

Was wäre, wenn sie wirklich wiederkämen?

Sie sind die Schmuddelkinder des Horrorgenres – die Zombies, die aus ihren Gräbern steigen, den Lebenden hinterherjagen, um sie zu fressen und selbst in wandelnde Leichen zu verwandeln, die sich nur per Kopfschuss erledigen lassen. Die Vorstellung als solche ist uralt; sie dürfte den Menschen beschäftigen, seit er seinesgleichen nach dem Tod unter die Erde bringt: Kommen sie womöglich wieder? Nicht nur die phantastische Literatur ist reich an einschlägigen Beiträgen, wobei der oder die Verstorbene allerdings selten als tatsächlicher Leichnam, sondern eher als Gespenst zurückkehrt. Schon deutlich morbider ging es zu, als im 19. Jahrhundert der Vampir die Szene betrat. Solange ihn kein Pfahl ins Herz trifft, ist er zwar untot, bewahrt jedoch Geist und Körper, während der moderne Zombie fröhlich weiterfault, während er hirnlos aber hartnäckig seiner Fressgier frönt.

Spätestens seit 1968 ist er in die Galerie der großen Horrorgestalten eingegangen. Das verdankt er George A. Romero, der ihm in „Night of the Living Dead“ (dt. „Die Nacht der lebenden Toten“) Gestalt und Verhaltensmuster auf den unschönen Leib schrieb sowie auf Film bannte – Bilder wirken einprägsamer als Worte. Romero war es auch, der in den Fortsetzungen seines Filmklassikers („Dawn of the Dead“, 1978; „Day of the Dead“, 1985; „Land of the Dead“, 2005 usw.) durchspielte, was es bedeuten könnte, würden die Toten sich weltweit erheben. Das Ergebnis wäre kein Krieg im eigentlichen Sinn, da sich der ‚Lebensinhalt‘ der Zombies allein auf den Nahrungserwerb beschränkt. Es ginge deshalb nicht um Grenz-, Rohstoff- oder Glaubensstreitigkeiten, sondern nur ums Fressen & Gefressen werden – ein wahrlich archaisches Szenario, das tief an die Wurzeln menschlicher Ängste rührt.

Eine unerwartete Schattenseite der Globalisierung

Was Romero aus Kostengründen nur ansatzweise visualisieren konnte, kann Max Brooks in epischer Breite darstellen. „Wer länger lebt, ist später tot“ – für den dämlichen, weil den Inhalt völlig fehlinterpretierenden deutschen Titel ist der Verfasser nicht verantwortlich – hat den Gesamtschauplatz Erde im Blickfeld. Jedes Kapitel ist ein Sprung zu einem neuen Brennpunkt des „Z-Krieges“. Mit erstaunlicher Überzeugungskraft schildert Brooks Ereignisse an unterschiedlichsten Ort, wobei er die jeweiligen politischen und kulturellen Hintergründe sehr akkurat einfließen lässt.

Als Blaupause für die Handlung dienten Brooks Notfall-Szenarien, wie sie z. B. die Vereinten Nationen zu möglichen globalen Krisen wie den klassischen Atomkrieg und seine Folgen oder den Ausbruch einer sich weltweit ausbreitenden Seuche vorsorglich entwickeln. Sie verfolgen das Ziel, unter Nutzung der vorhandenen Ressourcen möglichst vielen Menschen ein Überleben zu sichern.

Diese Planspiele beziehen den menschlichen Faktor durchaus ein, denn er ist wohl der eine Faktor, der besonders unberechenbar bleibt. Das optimale Verhalten im Falle einer Seuche beinhaltet die kollektive Unterstützung aller potenziell Infizierten, die sich konzentrieren, isolieren und behandeln lassen. Wie Brooks sehr glaubhaft machen kann, sähe die Realität anders aus: Nicht viele Menschen würden sich diesem Schicksal fügen. Der Lebenserhaltungstrieb ist stärker als die Vernunft. Das Misstrauen gegenüber behördlichen Institutionen, die zusätzlich die Aufgabe von Haus und Hof fordern, sorgt für den Rest. Ein Fluchtimpuls setzt ein: Wer kann, bringt sich und seine Familie in Sicherheit. Dass dadurch die Mehrheit in Gefahr gebracht wird, ändert daran gar nichts.

Die Lebenden gegen die Lebenden und die Toten

Die legendäre „Murphy’s Law“ besagt, dass schiefgehen wird, was schiefgehen kann. Das beinhaltet natürlich auch Pläne aller Art. Jede Nation auf dieser Erde hat auf dem Papier Vorsorge für Krisen getroffen. Die Umsetzung wird ihnen und denen, die davon betroffen sind, hoffentlich erspart bleiben. Was damit gemeint ist, bringt Brooks immer wieder drastisch auf den Punkt. Er geht von der Prämisse aus, dass die Gemeinschaft einerseits zu ‚menschlich“ und andererseits zu träge ist, um auf springfeuerhafte Katastrophen wie den „Zombie-Krieg“ angemessen und rasch zu reagieren.

Für „Wer länger lebt …“ extrapoliert Brooks die politischen, wirtschaftlichen und sozialen Realitäten der Gegenwart. ‚Sein‘ Krieg beginnt als exotische Seuche, die fatalerweise in China und damit in einer Diktatur ausbricht, deren Machthaber ihre Not verschweigen, bis es zu spät ist: Zombiehorden stürmen die Grenzen, Flüchtlingswellen ergießen sich über die Nachbarländer. Viele noch lebende aber schon infizierte Flüchtlinge tragen die Krankheit weiter. Die reichen Länder wähnen sich in sicherer Entfernung, was sich in einer verkehrstechnisch vernetzten Welt als gefährliche Illusion erweist. So nimmt das Unheil seinen Lauf, bis es zu spät ist, es noch im Keim zu ersticken. Stattdessen greifen Panik und Selbstsucht um sich. Alle vorgeblich zuverlässigen Notfallstrukturen brechen zunächst zusammen, bevor sie sich konsolidieren können. Bis dies geschieht, zählen die Opfer nach Milliarden – und längst nicht alle gehen auf das Konto der Zombies. In ihrer Angst kämpfen die Überlebenden um schwindende Nahrungs-, Treibstoff- und Medikamentenvorräte.

Mit deprimierender Eindringlichkeit schildert Brooks, wie das, was wir Zivilisation nennen, sich als Kartenhaus entpuppt, das dem Sturm nicht gewachsen ist. Die brutale Realität setzt sich durch; in diesem Fall fordert sie die Aufgabe dicht bevölkerter Regionen, die sich weder versorgen noch verteidigen lassen. Über viele Seiten verschwinden die Zombies im Hintergrund. Brooks benötigt sie nicht. Die moralische Zerreißprobe, der sich die Menschheit ausgesetzt sieht, ist wesentlich spannender und erschütternder als die Bedrohung durch wandelnde Leichen. Die bekommt man letztlich in den Griff. Als dies geschieht, ist die Erdbevölkerung allerdings weit unter die Milliardengrenze gefallen. Die Zahl der Opfer – daraus macht Brooks keinen Hehl – ist vor allem deshalb so hoch, weil die Menschen von der Krise überfordert waren.

Die Folgen der Apokalypse

Ein weltweiter Überlebenskampf mit menschenfressenden Leichen, panischen Atomschlägen, Bürgerkriegen und anderen Verheerungen lässt sich auf verschiedene Weisen darstellen. Brooks wählt die „oral history“: Er gibt dem Kampf Gesichter, setzt den „Z-Krieg“ aus vielen individuellen Betrachtungen zusammen, die er in das Gesamtgeschehen einbettet, welches im Hintergrund stets präsent bleibt. Im Zentrum stehen jedoch Männer und Frauen als Repräsentanten und Sprachrohr der Krise. Wiederum hält sich der Verfasser dicht an authentisches Material. Die schrecklichen Ereignisse, die dieses Buch sammelt, ‚funktionieren‘ auch ohne Zombies. Wir kennen entsprechende Berichte von Kriegsschauplätzen, aus Orten, über die ein Wirbelsturm, eine Flutwelle oder eine Feuersbrunst kam, oder generell aus den Abendnachrichten, die das Elend eines Welttags auf eine Viertel- oder eine halbe Stunde konzentrieren.

Die Fähigkeit des Menschen, sich gemeinschaftlich einer globalen Krise zu stellen, schätzt Max Brooks offensichtlich gering ein. Er hat die Argumente auf seiner Seite. Zwar überlebt der Mensch den „Z-Krieg“ als Spezies, doch sein Selbstbild wurde Lügen gestraft. Dieser Prozess verschafft Brooks‘ Buch eine Sogwirkung, die ihm die Zombies nicht geben könnten. Obwohl ihr Treiben so detailfreudig inszeniert wird, dass auch der harte Horrorfan zufrieden sein dürfte, sind sie eher ein Symbol bzw. ein Katalysator, der eine Erde schildert, deren vermeintlich intelligente Bewohner sich in dem Irrglauben wähnen, sie seien die Herren der Welt. Ersetzen wir die Zombies durch den globalen ökologischen Kollaps,  der unserer Erde möglicherweise droht, so gewinnt Brooks Mär geradezu prophetische Züge. Zombies sind allerdings interessanter als grüne Untergangs-Unkereien. Sollte Brooks nicht nur Unterhaltung, sondern auch Warnung im Sinn haben, hat er die richtige Entscheidung getroffen. Die bittere Pille wird auf ungewöhnliche aber sehr effiziente Weise versüßt.

„World War Z“ – der Film

2011 begannen die Dreharbeiten zum Film „World War Z“. Aufgrund erheblicher Differenzen über Handlung und ‚Härtegrad‘ der Zombie-Szenen verzögerten sich diese nicht nur, sondern verschlissen auch mehrere Autoren. Mit einem (vom Studio zugegebenen) Budget von 200 Mio. Dollar galt „World War Z“ als sicherer Kandidat für den katastrophalsten Film-Flop des Jahres 2013. Stattdessen bekam der mit Brad Pitt in der Titelrolle prominent besetzte Streifen die Kurve an den Kino-Kassen und spielte allein dort weltweit knapp eine halbe Milliarde US-Dollar ein.

Autor

Max Brooks (geb. 1972) ist der Sohn der Komödianten und Schauspieler Mel Brooks und Anne Bancroft. Er folgte seinen Eltern in die Unterhaltungsindustrie, wechselte aber bald hinter die Kamera und wurde Drehbuchautor für Comedy Shows wie „Saturday Night Life“.

2003 veröffentlichte Brooks einen „Zombie Survival Guide“, der in humorvoller Weise Tipps für das Überleben in einer von Untoten bevölkerten Welt gab. Ihm ließ der Autor drei Jahre später den ungleich ernsthafteren, fiktiven ‚Kriegsbericht‘ „World War Z“ folgen. Auch später blieb er den Zombies treu und verfasste eine Fortsetzung seines „Survival Guide“ (2008).

Mit seiner Familie lebt und arbeitet Max Brooks in der Filmstadt Los Angeles. Über seine Arbeit informiert er auf seiner Website.

Copyright © 2013/2017 by Michael Drewniok (md)

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