Medica – Die Ärztin

Ernst Künzl
Medica – Die Ärztin

Nünnerich-Asmus Verlag, Frankfurt am Main, 0982013
Flexicover
Sachbuch, Medizingeschichte/Archäologie & Geschichte
ISBN 978-3-943904-20-8
Titelmotive: Priesterin aus Antiochien (Antakya), Mainz Arzneikästchen
54 Abbildungen im Duoton und 1 Karte aus verschiedenen Quellen

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Der Sachbuchautor Ernst Künzl (Jahrgang 1939) ist ein deutscher Klassischer Archäologe, Kultur-, Wissenschafts- und Medizinhistoriker. „MEDICA – Die Ärztin“ ist eine seiner zahlreichen Publikationen und befasst sich mit der gesellschaftlichen Stellung der Frau in der Antike, bezogen auf den Beruf der Ärztin.

Tatsächlich lassen sich die Rolle der Frau innerhalb der Gesellschaft und der Familie und etwaige berufliche Ambitionen nicht voneinander trennen, sodass der Autor zunächst einen kurzen Einblick gibt, welche Position und welche Rechte die Frau bei den Griechen und Römern sowie in den Gebieten innerhalb ihrer Einflusssphäre hatte.

Fakt ist, dass Frauen sich ausschließlich über ihren Mann und ihre Familie definierten, selber aber keine Rechte besaßen, nicht einmal vollwertige Menschen/Bürger waren und für ihre Aktivitäten stets die Erlaubnis eines männlichen Mitglieds des Haushalts benötigten, weitgehend an das Haus gebunden waren, ihnen meist auch eine den Männern vergleichbare Bildung verwehrt wurde und sie sich nur unter größten Mühen gewisse Freiräume schaffen konnten. Für die Römerin änderte sich gegenüber der Griechin in dieser Hinsicht nicht viel. Infolgedessen waren es nicht Angehörige der Oberschicht, sondern Menschen aus dem einfachen Volk, Sklaven aus anderen Ländern und freigelassene Sklaven, die Bürgerrechte erhielten, welche medizinisches Wissen mitbrachten, sich aneigneten und den Beruf des Arztes ergriffen. Bei diesem handelte es sich keineswegs um eine angesehene Tätigkeit, vielmehr war es eine Arbeit wie jede andere auch, obgleich die Bevölkerung mit der Zeit die Notwendigkeit eines guten Arztes erkannte.

Frauen wurden vor allem als Hebammen eingesetzt – ein Bereich, der ihnen von den Männern gern überlassen wurde. Sie verfassten außerdem medizinische Schriften, die, soweit sie erhalten blieben, von ihren männlichen Kollegen sehr geschätzt wurden. Wie die Ärzte lernten auch die Ärztinnen aus Büchern, durch Unterweisungen durch Ältere, seltener durch ein Studium und durch Experimente an Schwerverbrechern und Toten. Man weiß, dass es Ärztinnen schon in der Antike gab durch schriftliche Überlieferungen (eigene Werke, die Erwähnung durch Zeitgenossen) und archäologische Funde (Mauer- und Grabinschriften, medizinische Geräte als Grabbeigaben, Skelettfunde). Der Autor nennt die Namen dieser Ärztinnen und schildert, was man über sie aus welchen Quellen weiß, welche Geräte und Operationsmethoden bekannt waren.

Nach dem Ende der Antike versank Europa im ‚finsteren Mittelalter‘, und auch die Rechte der Frauen wurden einmal mehr stark eingeschränkt, so dass sich ihre Kenntnisse auf die der Geburtshilfe/Abtreibung und Kräuterkunde beschränkten. Falls eine Frau sich mehr Wissen aneignen konnte, dann kam dieses dem Mann, der über sie bestimmte, zugute. Viele Jahrhunderte mussten vergehen, bevor Frauen erlaubt wurde (Medizin) zu studieren, und es ist durchaus zwei Weltkriegen zu verdanken, dass sich Frauen in (medizinischen) Berufen etablieren konnten – eine Entwicklung, die sich nicht mehr rückgängig machen ließ. Seither ist die Zahl der Ärztinnen kontinuierlich am Steigen; inzwischen gibt es mindestens so viele Ärztinnen wie Ärzte und bereits mehr Medizin-Studentinnen als –Studenten. Allerdings sind sie in Führungspositionen immer noch so gut wie gar nicht vertreten. Eine echte Gleichstellung und Gleichberechtigung ist also nach Jahrtausenden immer noch nicht erreicht (zur Erinnerung: noch 1977 brauchte in Deutschland eine Frau die Genehmigung ihres Ehemanns, wenn sie ein Gewerbe anmelden wollte!).
Der Band wird durch zahlreiche Abbildungen (etwa Dia- bis doppeltes Diaformat) und eine ausführliche Bibliografie ergänzt.

„MEDICA – Die Ärztin“ ist ein informatives Buch für (Hobby-) Historiker, die sich für die Geschichte der Medizin interessieren, für geschichtlich interessierte Therapeuten und Mediziner, aber auch allgemein für Frauen, die sich mit diesen und feministischen Themen befassen. Ernst Künzl schreibt sachlich und kompetent, aber keinen Moment langweilig, sodass auch gebildete Laien seinen Ausführungen problemlos folgen können.

Copyright © 2013 by Irene Salzmann (IS)

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