August 410 – Ein Kampf um Rom

august-410-ein-kampf-um-romMischa Meier/Steffen Patzold
August 410 – Ein Kampf um Rom

Klett-Cotta, Stuttgart, 02/2010
HC mit Schutzumschlag und Lesebändchen, Sachbuch, Geschichte
ISBN 978-3-608-94646-8
Titelgestaltung von Rothfos und Gabler, Hamburg unter Verwendung eines
Fotos von The Course of the Empire: Destruction, 1836 (oil on canvas), Cole,
Thomas (1801 – 48)/Collection of the New-York Historical Society, USA/Bridgeman, Berlin
Karte von Stefan Priwitzer
Autorenfotos von Marijan Murat

www.klett-cotta.de

Titel erhältlich unter Buch24.de
Titel erhältlich unter Booklooker.de

Im August 410 plünderten die Westgoten unter Alarich Rom und zogen nach drei Tagen wieder ab. Dieses Ereignis markiert eine Wende in der Geschichte der bis dahin als uneinnehmbar geltenden Stadt. Wirklich uneinnehmbar? Schon sehr viel früher gab es Einfälle gallischer Stämme, die einmal bis zur Hauptstadt vordrangen (387 v. Chr.), und germanische Übergriffe, die jedoch noch abgefangen werden konnten. Rom verlor seinen Nimbus und an Bedeutung. Die weströmischen Kaiser verlegten ihre Residenzen in andere Städte, und die Kluft zu Ostrom wurde immer größer. 455 erfolgte die zweite Eroberung und Plünderung Roms durch die Vandalen unter Geiserich. 476 wurde Romulus Augustulus als letzter weströmischer Kaiser abgesetzt und der Germane Odoaker zum König von Italien gekrönt.

Über das, was nun im Jahr 410 passierte, gibt es keine Berichte von Augenzeugen, sondern lediglich Schilderungen Dritter, die entweder die Erzählungen und Behauptungen, die ihnen zugetragen wurden, festgehalten haben oder die anhand der Folgen die Geschehnisse rekonstruierten, sie dabei aus der Sicht ihrer Zeit interpretierten. Das ist kein Einzelfall, denn auch zu anderen historischen Ereignissen finden sich oft bloß jüngere Quellen, die wegen der zeitlichen Distanz, ihrer Subjektivität und der Ziele, die der Verfasser verfolgte, mit Vorsicht zu genießen sind. Mischa Meier, Professor für Alte Geschichte, und Steffen Patzold, Professor für Mittelalterliche Geschichte, beide an der Universität Tübingen, haben nicht versucht, den August 410 und seine Konsequenzen für Rom ein weiteres Mal aufzurollen. Stattdessen befassten sie sich mit den dazu vorliegenden Quellen, von denen die älteste kurz vor dem Überfall der Goten geschrieben wurde und die jüngste den aktuellen Stand der Forschung und Interpretation repräsentiert.

Claudius Claudianus beschreibt die Weltsicht Roms vor Alarich. In den Augen des Dichters und in denen der meisten Zeitgenossen ist das Imperium uneinnehmbar, die Stadt selber absolut sicher. Es ist unvorstellbar, dass Barbaren die mächtigen Heere Roms überwinden könnten. Umso größer ist der Schock, als genau das passiert. Kirchenvater Hieronymus weilt selber nicht in Rom, erfährt aber durch Flüchtlinge und Reisende von den Vorgängen. Für ihn ist Alarichs Sieg nur die logische Konsequenz seit dem Vordringen der Hunnen und Rom identisch mit dem vierten Reich aus den endzeitlichen Prophezeiungen des Daniel. Er nutzte die Tragödie, um für einen besseren und asketischen Lebenswandel der römischen Christen zu appellieren.

Kirchenvater Augustinus stößt in ein ähnliches Horn und sieht in der Eroberung ein Zeichen: Gott hat Rom und die Christenheit gezüchtigt, aber sein Reich wird kommen. Nach dem Machtverfall und dem Ende des Römischen Imperiums wurde Rom zu einer Idee, wie sie das heilige römische Reich deutscher Nation widerspiegelt. In einer anderen Darlegung werden die siegreichen Germanen (Goten) über die anderen Völker gehoben, ein Motiv, dessen sich der Nationalsozialismus ebenfalls bediente. Wieder andere Historiker betrachten das Stichdatum distanziert und inszenieren sich und ihre Sichtweise durch provokative Interpretationen.

Die Verfasser der hier zu Rate gezogenen Quellen, aus denen reichlich zitiert wird, sind alle Kinder ihrer Zeit. Sie beschreiben und bewerten das Jahr 410 gemäß ihrer Denkweise und Ziele. Der Wandel der Sichtweisen ist so faszinierend und spannend wie das Geschehnis selbst. Mischa Meier und Steffen Patzold berichten flüssig und kompetent, so dass man sich gern auf einen Ausflug durch die Zeitalter einlässt. Dieser eröffnet völlig neue Perspektiven, die dem Leser künftig erlauben, auch andere Ereignisse und Quellen mit kritischem Auge zu betrachten.

Alles in allem ist „August 410 – Ein Kampf um Rom“ ein faszinierendes Sachbuch, das ein historisches Ereignis auf etwas andere Weise beleuchtet, dabei die menschliche Interpretation berücksichtigt und neue Betrachtungsweisen erlaubt. Der Titel wendet sich an alle Leser, die sich für (römische) Geschichte interessieren, insbesondere an Schüler, Studenten, Lehrer und Historiker. Ein sehr informatives und angenehm zu lesendes Sachbuch! (3xPRT)

Copyright © 2010 by Irene Salzmann (IS)

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