Cthulhu Mittelalter – Die dunklen Jahre

Heiko Gill (Redaktion)
Cthulhu Mittelalter – Die dunklen Jahre
Cthulhu-Quellenband

(sfbentry)

Pegasus Press Hardcover (2010)
310 Seiten, ISBN 978-3-937826-84-4
Illustrationen: Daniel Jödermann, Chris Schlicht

Dunkel und düster, von der Aufmachung her sehr gediegen und anhand der Tentakeln eindeutig mit cthuloidem Bezug, kommt aus dem Hause Pegasus der Quellenband „Cthulhu Mittelalter – Die dunklen Jahre“ daher. Das Buch umfasst mehr als dreihundert Seiten schweren Papiers, wie bei allen Publikationen üblich in Graustufen.

Das Mittelalter. Nun, das ist ein harter Brocken, den die deutsche Redaktion im vorliegenden Buch zerkleinern und schmackhaft machen will. Eintausend Jahre Historie sollen zwischen den beiden Buchdeckeln Platz finden, dazu Informationen zum Rollenspiel. Das klingt nach einer beinahe unlösbaren Aufgabe, aber nur beinahe.

Redakteur Heiko Gill und sein Autorstamm gehen die Sache sehr trocken und strukturiert an. Sie teilen das Mittelalter in drei große Blöcke: Frühmittelalter, Hochmittelalter und Spätmittelalter. Das Material ist natürlich weitgehend im Internet und in gängigen Geschichtsbüchern nachzulesen, aber für weitreichende Recherchen muss der Erzähler erst einmal Zeit und Muse finden. Hier bekommt die Leserschaft komprimiert alle wichtigen Informationen angeboten. Zum Spielen ist das allemal ausreichend. Wer tiefer gehen will, dem bleiben noch immer die eigenen Recherchen. „Cthulhu Mittelalter – Die dunklen Jahre“ bietet hier wenigstens ein gutes Sprungbrett.

Nach dem allgemeinen Überblick geht es ans Eingemachte. Auch hier gliedert die Redaktion sämtliche Informationen in drei große Abschnitte und beleuchtet das Mittelalter aus weltlicher Sicht, aus geistlicher Sicht und aus cuthuloider Sicht. Kernpunkt liegt dabei auf der mittelalterlichen Gesellschaft, den Machtgruppe und dem Leben eines Menschen aus dieser Epoche. Diese Kapitel sind um einiges spannender geschrieben und vermitteln einen guten Eindruck.

Nachdem alles Wissenswerte vermittelt wurde und sacken konnte, wendet sich das Quellenbuch einem weiteren zentralen Thema des Rollenspiels zu: den Charakteren. Es gibt natürlich einige Unterschiede zu Charakteren der Moderne und darauf wird hier eingegangen. Sei es nun die Charaktererschaffung, die damaligen Reisemöglichkeiten, Preistabellen, Kampf, Wahnsinn, Magie und einiges mehr. Hier vermischen sich die Regeln schön mit dem Quellenmaterial und ergeben ein harmonisches Ganzes. Ein entsprechend angepasster Charakterbogen findet sich übrigens im Anhang.

Den Abschluss des Buches bilden zwei Abenteuer: „Die Diener der Schlange“ und „Kinder der Dunkelheit“. Im ersten Abenteuer verschlägt es die Spieler nach Island, in die Wikingerzeit. Die Handlung ist recht gradlinig und kampflastig. Ganz anders sieht es im zweiten Abenteuer aus, dort wird mehr Wert auf höfisches Gebaren gelegt und können die Spieler auch freier agieren. Beide Abenteuer haben jeweils ihre eigenen Reize und runden das Buch hervorragend ab.

Bei einem so großen Thema wie dem Mittelalter muss natürlich Einiges auf der Strecke bleiben. Die Autoren haben sich Mühe gegeben, alles wichtige zusammenzufassen, einige bisher unbekannte Fakten vorzustellen und mit einigen Klischees aufzuräumen. Neben dem Umfang sorgt natürlich auch der Wahrheitsgehalt und der tatsächliche wissenschaftliche Stand für Probleme. Vieles ist einfach Spekulation oder geriet in Vergessenheit. Auch darauf geht die Redaktion kurz ein, was eine schöne Sache ist. Da es sich hier um ein Quellenbuch zu einem Rollenspiel handelt, und Realität und Fiktion miteinander verschmelzen, können sich die Autoren natürlich den Luxus der freien Schaffenskraft leisten. Das führt zu einem etwas textlastigen und leicht staubigem Buch, das trotzdem einen runden Gesamteindruck hinterlässt.

Einziges wirkliches Manko stellen einige Illustrationen bei den Abenteuern dar. Hier hat sich die Redaktion bei einigen Bilder der NSC offensichtlich aus dem etablierten Fundus der 20er und 30er Jahre bedient. Ein Blick auf Seite 304 reicht aus, um das Problem zu verdeutlichen. Bei den abgebildeten Filmsternchen kommt einfach keine rechte Mittelalterstimmung auf. Die Illustrationen im Informationsteil des Buches sind dagegen allesamt schlicht, aber sehr passend.

„Cthulhu Mittelalter – Die dunklen Jahre“ ist ein schöne Nachschlagewerk und ein gutes Quellenbuch, hat allerdings seine Schwächen. Etwas trocken zu lesen und einige unpassende Bilder, ansonsten aber in Ordnung.

Copyright © 2010 by Günther Lietz

Bei Buch24.de

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