Das Haus an der Düne

Agatha Christie
Das Haus an der Düne
(Hercule-Poirot-Serie, Bd. 12)

Originaltitel: Peril at End House (London : Collins Crime Club/William Collins Sons 1932/New York : Dodd, Mead & Co. 1932)
Deutsche Erstausgabe: 1933 (Wilhelm Goldmann-Verlag/Goldmanns Kriminal Romane)
Übersetzung: Otto Albrecht van Bebber
264 S.
[keine ISBN]
Neuausgabe: Januar 2001 (Scherz-Verlag/Scherz-Krimi Nr. 1768)
Übersetzung: Monika Gripenberg
222 S.
ISBN-10: 3-502-51768-1
Neuausgabe: November 2008 (Fischer-Verlag/TB Nr. 50680)
Übersetzung: Monika Gripenberg
222 S.
ISBN-13: 978-3-596-18215-2
Neuausgabe: September 2016 (Atlantik Verlag)
Übersetzung: Monika Gripenberg
222 S.
ISBN-13: 978-3-455-65129-4
eBook: September 2016 (Atlantik Verlag)
599 KB
ISBN-13: 978-3-455-17117-4

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Das geschieht:

Hercule Poirot, der große Kriminalist aus Belgien, hat sich aus dem aktiven Berufsleben zurückgezogen. So behauptet er jedenfalls, der mit seinem alten Freund Arthur Hastings, Wasserträger bei vielen früheren Abenteuern, einen Urlaub an der englischen Meeresküste von Cornwall verbringt. Dort lernen sie Magdala „Nick“ Buckley kennen, die mit einigen Familienangehörigen und Freunden in „End House“, ihrem Haus an der Düne, lebt.

Poirots Lebensgeister kehren rasch zurück, als aus dem Hinterhalt ein Schuss auf Nick abgefeuert wird. Intensives Nachforschen lässt ihn erkennen, dass bereits drei Anschläge auf die junge Frau verübt wurden! Poirot lädt sich selbst und Hastings in Nicks Haus ein, um dort hinter das Geheimnis der Mordversuche zu kommen. Denn Nick ist arm, der Besitz mit Hypotheken belastet. Niemand kann durch ihren Tod gewinnen.

Während einer nächtlichen Party schlägt der Täter erneut und dieses Mal erfolgreich zu. Freilich hat er nicht Nick, sondern irrtümlich deren Cousine Maggie Buckley erwischt. Während Nick zur eigenen Sicherheit in einer Nervenheilanstalt einquartiert wird, nimmt sich Poirot die Festgäste vor. Eines weiß er sicher: Der Täter oder die Täterin muss sich unter den Bewohnern des Dünen-Hauses befinden!

Eine Herausforderung für Hercule Poirot, der zudem entdecken muss, dass ihm der Mörder einen Zeitungsartikel hinlegt, der seine Ankunft in der Seefrische meldet. Ist dies etwa ein Fehdehandschuh, der ihm da hingeworfen wird? Mehr braucht es nicht, den reizbaren Belgier zurück ins „Große Spiel“ zu bringen, was den Täter zunehmend nervös reagieren lässt …

Geheimnisvoller Mord ohne Schutz der Dunkelheit

Im siebten Hercule-Poirot-Roman bleibt alles beim Alten, auch wenn die Kulisse zunächst verwirren mag: Ein lupenreiner „Whodunit“ wird hier abgespult, d. h. es gilt, unter den Mitgliedern einer fest umrissenen Gruppe einen (männlichen oder weiblichen) Mörder zu ermitteln. Dabei ist es praktisch, besagte Personen gut unter Kontrolle zu halten – in einem einsam gelegenen Haus an einer Düne beispielsweise. Soweit ist alles in Ordnung. Das Klima stimmt jedoch nicht: Es ist weder kalt noch dunkel, es regnet nicht, es stehen keine finsteren Wälder ums Haus, aus dem sich lichtscheues Gesindel hinein- und herausschleichen kann. Stattdessen scheint die Sonne auf einen flachen Strand: Das Böse müsste folglich gut sichtbar sein.

Agatha Christie spielt indessen nicht grundlos mit den Regeln des Genres, das sie berühmt, reich und adlig werden ließ. In einem gewissen Rahmen sind sogar den Fans des wahrlich klassischen Kriminalromans – eine überaus konservative Gesellschaft – Veränderungen lieb. Christie, zum Zeitpunkt der Niederschrift von „Das Haus an der Düne“ längst ein Profi, bindet sich quasi einen Schreibarm auf den Rücken. Sie legt Wert darauf ihrem Publikum zu verdeutlichen, dass es keine Geheimtüren und Tunnel im Haus am Strand gibt. Nachdem Hercule Poirot die Bewohner hier konzentriert hat, kann sich der Mörder (oder die Mörderin) nur noch unter ihnen befinden.

Die Leser wissen, doch sie begreifen nicht

Damit haben wir prinzipiell Gleichstand mit dem Detektiv erreicht. Tatsächlich müssen wir uns natürlich schon glücklich schätzen, wenn mir dem wackeren aber notorisch begriffsstutzigen Colonel Hastings Schritt halten können. Poirot ist uns ständig mindestens einen Schritt voraus. Das muss er sein, und obwohl uns die spätere Lady Agatha die Bausteine des Krimi-Puzzles durchaus aushändigt, achtet sie sorgfältig darauf, dass uns der Zusammenbau nicht schneller als ihr Detektiv gelingt.

Leider bedient sie sich dabei eines unfairen Tricks: Poirot, der uns Leser (bzw. Colonel Hastings, der als unser Vertreter fungiert), über den Stand seiner Nachforschungen in Kenntnis setzen sollte, hüllt sich penetrant in Schweigen. Anscheinend weiß er schon recht früh mehr, aber er begnügt sich damit, Hastings und uns mit vagen Andeutungen, düsteren Prophezeiungen oder leeren Versprechungen abzuspeisen. Das macht die Lektüre anstrengend und lässt sich nicht damit entschuldigen, dass Poirot ein eitler Zeitgenosse ist. Dieses Mal spreizt er sich ein wenig zu aufdringlich als kriminalistisch schillernder Pfau.

Armer Watson!

Wer so genial wie Hercule Poirot ist, der benötigt einen normal sterblichen Zeitgenossen neben sich, der staunend die Taten des Meisters beobachtet, kommentiert und vor allem die notwendigen Fragen stellt. Anders ausgedrückt: Jeder große Detektiv braucht seinen Watson. Hastings ist kein Arzt, aber ein alter Soldat, was hier und da nützlich ist, wenn grober körperlicher Einsatz erforderlich wird, den Denkmaschine Poirot nicht leisten kann.

Stellt sich die Frage, worauf sich Poirots Dankbarkeit in dieser Hinsicht gründet. Ständig ärgert und verspottet er den braven Hastings, der sich ebenso redlich wie vergeblich bemüht, die einander widersprechenden Indizien zu deuten. Poirot scheint den Verstand seines Freundes als leere Wand zu schätzen, an die er die Bälle diverser deduktiver Gedankenspiele prallen lässt; es ist wohl ersprießlicher, als mit sich selbst zu sprechen …

Aber die Damen erst!

Wobei Hastings wenigstens das Privileg eines eigenständigen Lebens zugebilligt wird. Das ist mehr, als die arme Nick Buckley für sich beanspruchen darf. Anfangs tritt sie als unabhängige Frau auf, die auf sich allein gestellt den Schwierigkeiten des Alltags zu trotzen weiß. Sobald ihr zu dämmern beginnt, dass sie bedroht ist, bricht sie a) umgehend psychisch zusammen und gibt b) die Kontrolle über ihr Leben ab. Für die weitere Handlung ist sie erst einmal sekundär geworden. Hercule Poirot lagert sie in einer netten Privat-Klapsmühle zwischen.

Aber man unterschätze Lady Agatha nicht! Sie schafft es sogar, den missbilligenden Kritiker des 21. Jahrhunderts aufs Glatteis zu führen. Die Frauen von End House sind letztlich doch nicht so einfach gestrickt wie man es zunächst glaubt und glauben sollte. Überhaupt lüftet Poirot im Finale mehr als eine Maske. Das klappt mal mehr, mal weniger gut und vervollständigt den Eindruck eines Krimis, der gerade so eben die Kurve kriegt und nicht zu Agatha Christies Meisterwerken zählt.

„Das Haus an der Düne“ multimedial

Agatha Christie war durchaus nicht abgeneigt, ihr Schriftstellerhonorar durch weitere Zuwendungen aufzustocken. Theater und Radio, später Film und Fernsehen interessierten sich für ihre Romane und Geschichten. Sie schrieb selbst einige Stücke, aber „Das Haus an der Düne“ wurde von Arnold Ridley und Bernard Merrivale adaptiert. Der Vorhang öffnete sich am 1. Mai 1940 – d. h. während des II. Weltkriegs – im Vaudeville Theatre zu London; der Schauspieler Francis L. Sullivan (1903-1956) gab den Poirot

Ein halbes Jahrhundert später fand „Das Haus an der Düne“ den Weg ins englische Fernsehen. LWT produzierte 1989 im Rahmen der Serie „Agatha Christie‘s Poirot“ (1989-2013) eine spielfilmlange Episode, in dem David Suchet die Hauptrolle spielte.

Autorin

Agatha Miller wurde am 15. September 1890 in Torquay, England, geboren. Einer für die Zeit vor und nach 1900 typischen Kindheit und Jugend folgte 1914 die Hochzeit mit Colonel Archibald Christie, einem schneidigen Piloten der Königlichen Luftwaffe. Diese Ehe brachte eine Tochter, Rosalind, aber sonst wenig Gutes hervor, da der Colonel seinen Hang zur Untreue nie unter Kontrolle bekam. 1928 folgte die Scheidung.

Da hatte Agatha (die den Nachnamen des Ex-Gatten nie ablegte, da sie inzwischen als „Agatha Christie“ berühmt geworden war) ihre beispiellose Schriftstellerkarriere bereits gestartet. 1920 veröffentlichte sie mit „The Mysterious Affair at Styles“ (dt. „Das fehlende Glied in der Kette“) ihren ersten Roman, dem sie in den nächsten fünfeinhalb Jahrzehnten 79 weitere Bücher folgen ließ, von denen die Krimis mit Hercule Poirot und Miss Marple weltweite Bestseller wurden.

Ein eigenes Kapitel, das an dieser Stelle nicht vertieft werden kann, bilden die zahlreichen Kino und TV Filme, die auf Agatha Christie Vorlagen basieren. Sie belegen das außerordentliche handwerkliche Geschick einer Autorin, die den Geschmack eines breiten Publikums über Jahrzehnte zielgerade treffen konnte (und sich auch nicht zu schade war, unter dem Pseudonym Mary Westmacott sechs romantische Schnulzen zu schreiben).

Mit ihrem zweiten Gatten, dem Archäologen Sir Max Mallowan, unternahm Christie zahlreiche Reisen durch den Orient, nahm an Ausgrabungen teil und schrieb auch darüber. 1971 wurde sie geadelt. Dame Agatha Christie starb am 12. Januar 1976 als bekannteste Krimi Schriftstellerin der Welt. (Wer mehr über Leben und Werk der A. C. erfahren möchte, wende sich hierher.)

Copyright © 2016 by Michael Drewniok (md)

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