Das Weltreich der Deutschen – Von kolonialen Träumen, Kriegen und Abenteuern

Guido Knopp
Das Weltreich der Deutschen – Von kolonialen Träumen, Kriegen und Abenteuern

Pendo im Piper Verlag, München,
überarbeitete TB-Ausgabe: 09/2011
TB 6489, Sachbuch, Geschichte
ISBN 978-3-492-26489-1
Titelgestaltung von semper smile, München nach einem Entwurf
von glanegger.com
unter Verwendung von Abbildungen von Paul Almasy/Corbis und SZ Photo Scherl
Fotos und Abbildungen im Innenteil aus verschiedenen Quellen

www.piper.de

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Als das deutsche Kaiserreich Mitte des 19. Jahrhunderts nach Kolonien strebte, um im Reigen der Imperialmächte mittanzen zu können, war die Welt schon weitgehend von diesen aufgeteilt worden. Dennoch gelang es, Gebiete in Afrika und Asien/Ozeanien zu beanspruchen. Der Traum von Reichtümern und Lebensraumgewinn war jedoch sehr schnell ausgeträumt, da sich die Kolonien als überaus kostenintensiv entpuppten und obendrein die meisten Auswanderer Nordamerika bevorzugten. Vor allem Händler ließen sich in Deutsch-Südwest, Ostafrika und auf den Südsee-Inseln nieder, beuteten die Einheimischen aus und beraubten sie jeglicher Würde durch unmenschliche Gesetze.

Unruhen, Aufstände und Kriege waren die Folge und forderten auf beiden Seiten viele Opfer, die vermeidbar gewesen wären. Tatsächlich findet man in den Legitimierungsversuchen für die Unterdrückung und das Töten bereits das Motiv vom ‚Herrenvolk„ und den ‚minderwertigen Wilden„, das später in die Ideologie des Dritten Reichs Eingang fand. Eine gegenteilige Entwicklung lässt sich aber auch beobachten: So mancher, der die Kriegsgräuel erlebte, stellte die Kämpfe, das Töten und den Sinn der Kolonien infrage, doch fanden diese frühen Pazifisten kein Gehör und wurden zu Außenseitern in einer Gesellschaft, die die Übersee-Besitzungen aus Prestigegründen erhalten wollte und mit wohligem Schaudern die Zeitungsartikel über blutige Massaker und Menschenfresser las.

Nach dem Ersten Weltkrieg wurden Deutschland sämtliche Kolonien aberkannt, mit der Begründung, dass die Besatzer den Einheimischen keinen Fortschritt sondern nur Schaden gebracht hätten – etwas, das auch den anderen Kolonialmächten anzulasten ist, aber der Sieger bestimmt bekanntlich die Regeln. Sachlich, kompetent und aus vielen Quellen zitierend schildert Prof. Dr. Guido Knopp die kurze Zeit Deutschlands als Kolonialmacht. Anders als in diversen Filmen, in denen edle Abenteurer, Händler, Politiker und Soldaten den sogenannten Wilden den Segen der Zivilisation bringen, sie als Freunde gewinnen und von ihnen unterstützt werden im Kampf gegen ihre eigenen verblendeten Stammesgenossen, wird in diesem Buch nichts romantisiert, beschönigt oder sogar verdreht.

Man erfährt, welche schwierige Situation die wenigen Kolonisten vorfanden, die ihr Glück in Deutsch-Südwest, in Ostafrika und in der Südsee machen wollten, welche Probleme auf sie zukamen, die sie teilweise durch die schlechte Behandlung der Einheimischen selbst verschuldet hatten, und die Folgen daraus. Während die Eingeborenen oft nur bemüht waren, der Folter und dem Hungertod zu entkommen, versuchten die Kolonialherren, mit Gewalt ihre Ansprüche durchzusetzen und kannten auch gegenüber Flüchtenden keine Gnade. Die Zahlen der Opfer sind erschütternd. Untermauert werden die Texte durch zahlreiche Abbildungen in Farbe und Schwarz-Weiß, die passend ausgewählt wurden und nicht minder eindringlich sind. Eine Zeittafel, ein Personenregister und ein Verzeichnis weiterführender Bücher runden ab.

Zu Recht steht „Das Weltreich der Deutschen“ auf der Spiegel-Bestseller-Liste, denn der Autor informiert wertfrei und fachkundig über das Thema. Dank der vielen Zitate und Fotos liest sich das Buch auch nicht trocken. Es wendet sich an geschichtsinteressierte Personen, die mehr über die deutschen Kolonien erfahren wollen und bietet sich darüber hinaus als begleitendes Material für den Geschichtsunterricht in der Schule an.

Copyright © 2011 by Irene Salzmann (IS)

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