Der Pate von Florenz

Rainer M. Schröder
Der Pate von Florenz
Die Medici-Chroniken 2

(sfbentry)
Arena Verlag, Würzburg, 07/2010
HC mit Schutzumschlag
Jugendbuch 06199, Historischer Thriller
ISBN 978-3-401-06199-3
Titelillustration von Klaus Steffens

www.arena-verlag.de
www.rainermschroeder.com

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Der neuste Streich von Rainer M. Schröder führt in das Italien der Renaissance zurück. Er widmet sich in seiner Trilogie „Die Medici-Chroniken“ einer der schillerndsten Familien dieser Zeit und Region, die wie keine andere den Geist dieser Epoche des Aufbruchs verkörperte und lebte. Stand im ersten Buch noch der Mann im Mittelpunkt, der die unumschränkte Macht seines Geschlechts begründete, so ist es in „Der Pate von Florenz“ Lorenzo de Medici, den man bereits zu Lebzeiten den ‚Prächtigen„ nannte. Unter seiner Führung erreichte die Machtfülle der Familie ihren Höhepunkt, aber das kostete auch seinen Preis.

Auch nach fast fünfzig Jahren liegt die Macht in Florenz immer noch in den Händen der Medici. Der junge Lorenzo de Medici herrscht unangefochten über seine Familie und diejenigen, die sich ihm angeschlossen haben. Er scheint in politischem Geschick, Weitsicht und List noch seinen Vorfahren Cosimo zu übertreffen. Aber er hat auch eine Schwäche: seinen jüngeren Zwillingsbruder Giuliano, dem er zwar keine Macht zugesteht, aber in Liebe zugetan ist. Lorenzo ist klar, dass er Feinde unter den anderen Mächtigen der Stadt und der Kirche hat, aber auch er ist nicht allwissend. Obwohl er ahnt, dass ständig Intrigen gegen ihn geschmiedet werden, kann er doch nicht sagen, wer die Verschwörer sind und wann sie zuschlagen werden. So ist er immer auf der Hut und vertraut nur wenigen.

Zu diesen gehört Sandro Fontana, der den Medici schon seit fünfzig Jahren treu dient. Er hat nach dem Tod seiner ersten Frau Tessa wieder geheiratet. Seine Zwillingssöhne Marcello und Alessio sind als Spielgefährten der Medici-Brüder aufgewachsen. Doch da ist auch noch Silvio, der Sohn seines ersten Kindes Jacopo. Im Gegensatz zu den beiden anderen Jungen ist dieser zu einem haltlosen Spieler und Verführer geworden, der den Ärger förmlich anzieht. Während hinter den Kulissen die Verschwörer ihre Messer zu wetzen beginnen, verliebt sich Marcello in Fiora Bellisario, die Tochter eines Goldschmiedes, die eigentlich unter seinem Stand ist. Sie ist nicht nur schön, sondern auch selbstbewusst, ganz anders als die Frauen, die sein Vater ihm vorschlägt. Noch ahnt er nicht, dass genau diese Liebe die Verbindungen knüpft, die einige Feinde der Medici noch brauchen, um näher an Giuliano und Lorenzo heran zu kommen. Denn da sind einige, die für Geld alles tun würden – aber nicht über die Folgen nachdenken.

Wie im ersten Band nutzt Rainer M. Schröder die Handlungsebene um die Medici, um die politischen Entwicklungen und Intrigen im Staat in Worte zu fassen, während die Haupthandlung wieder einmal ein junges Paar in den Mittelpunkt stellt, das aufgrund seiner Abstammung eigentlich nicht zusammen kommen dürfte. Durch Fiora lernt der Leser ein wenig mehr von dem Florenz der einfachen Leute aus der Handwerker-Schicht kennen. Auch hier nimmt die Heldin eine besondere Stellung ein, ist sie doch zur geheimen Gehilfin ihres Vaters geworden, der aufgrund seiner zitternden Hände eigentlich nicht mehr arbeiten kann, obwohl Frauen in diesem Handwerk nichts zu suchen haben. Durch die Familie Fontana erfährt man mehr über die Strukturen, die die Gefolgschaft der Medici zusammen halten – und tatsächlich erinnert dies an das Verhältnis von Treue und Fürsorge, das heute noch in den Mafia-Clans zu finden ist.

Die Figuren selbst sind vielschichtig. Lorenzo de Medici wird weder glorifiziert noch als Monster dargestellt. Er hat seine konsequent skrupellosen Seiten, ist aber auch ein fühlender Mensch, der zu denen steht, die ihm vertrauen. Man merkt ihm und den anderen Helden durchaus das Dilemma an, in dem sie stecken, auch wenn sie oft nicht viel anders handeln als ihre Widersacher. Doch im Gegensatz zu diesen opfern sie keine Unschuldigen. Was den Verlauf der Romanze angeht, so gleich das Buch seinem Vorgänger. Auch diesmal wird das Mädchen zum Spielball zwischen den Medici und ihren Feinden. Der einzige Unterschied ist, dass die Heldin nicht nur mit ihrem Geliebten zu tun hat sondern auch mit dessen bestem Freund. Alles in allem erfährt man aber einiges über das Leben der Menschen und die politischen Intrigen und Machenschaften der mächtigen Familien im Florenz der Medici und der näheren Umgebung der Stadt.

Der Roman ist nicht ganz so dramatisch wie der erste, aber durchaus spannend, da man nie weiß, inwieweit die Liebenden sich bereits in das Netz der Verschwörer verstrickt haben. „Der Pate von Florenz“ verknüpft einmal mehr historische Ereignisse mit einer abwechslungsreichen Geschichte, die auch das Leben zu dieser Zeit plastisch darstellt. Darüber hinaus vergisst der Autor nicht, seine spannende Handlung voran zu treiben, so dass es keine Längen gibt und es bis zum Ende dramatisch bleibt.

Copyright © 2010 by Christel Scheja (CS)

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