Die Planeten

Dava Sobel
Die Planeten

Originaltitel: The Planets (New York : Viking 2005)
Übersetzung: Thorsten Schmidt
Deutsche Erstausgabe (geb.): August 2005 (Berlin Verlag)
270 S.
ISBN-10 3-827-00267-9
Neuausgabe: 2007 (Berlin Verlag/TB Nr. 463)
272 S.
ISBN-13: 978-3-8333-0463-7
eBook: September 2010 (Berlin Verlag)
747 KB
ISBN-13: 978-3-8270-7238-2

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Inhalt:

Modellwelten (Überblick), S. 11-20: Welche Gründe faszinieren den ‚vernünftigen‘ Menschen ausgerechnet am schwer begreif- und fassbaren Sonnensystem? Die Autorin beantwortet diese Frage aus ihrer persönlichen Sicht.

Genesis (Die Sonne), S. 21-34: Sie steht wie selbstverständlich am Himmel und ist doch verantwortlich für die Existenz & Garant für den Bestand des Sonnensystems und des Lebens, das sich auf der Erde und vielleicht auf anderen Planeten oder Monden tummelt.

Mythologie (Merkur), S. 35-52: Er trägt den Namen eines griechischen Gottes und ist mitverantwortlich für die ‚Geburt‘ der Astronomie als Wissenschaft – Merkur, der sonnendurchglühte und tiefgekühlte innerste Planet des Sonnensystems, dessen Tage länger dauern als seine Jahre.

Schönheit (Venus), S. 53-72: Sie ist wird auf ewig von dichten Wolken eingehüllt, unter denen man lange eine zweite, vielleicht noch urzeitliche Erde vermutete; statt dessen ist die Venus ein Höllenplanet mit Schwefelsäure-Atmosphäre – ein Paradebeispiel dafür, was „Treibhauseffekt“ bedeuten kann.

Geographie (Erde), S. 73-98: Dies ist der Planet, auf dem wir Menschen seit jeher leben; hier haben wir gelernt zu reisen, zu vermessen, zu kartieren, während wir mit dem Blick zum Himmel versuchten zu lernen, wie die Welt beschaffen ist, von der die Erde nur ein Teil ist.

Mondsucht (Der Mond), S. 99-116: Er ist immer da, auch wenn wir ihn nicht sehen, war ursprünglich ein Teil der Erde und beschäftigt die Menschen, seit es sie gibt; kein Wunder, denn er steht mit ihr und mit ihnen in ständiger Wechselwirkung. Dabei ist der Mond ein denkbar toter Trabant, allerdings einer, den man erreichen kann und erreicht hat, was seine Faszination eher noch steigert.

Science-Fiction (Mars), S. 117-134: Ein unscheinbarer Meteorit stürzte einst vom Mars auf die Erde. Er könnte Spuren marsianischen Lebens enthalten und ist das Objekt intensiver Untersuchungen (und wissenschaftlicher Streitigkeiten). Hier erzählt er seine Geschichte, die gleichzeitig die Geschichte eines Planeten ist, der zumindest in seiner Vorzeit belebt gewesen sein könnte.

Astrologie (Jupiter), S. 135-154: In der universalen Schicksalsmaschine der Astrologen nimmt der größte Planet des Sonnensystems eine zentrale Stellung ein. Die Zukunft lässt sich indes nur nachträglich per Horoskop voraussagen, während die Wissenschaft mit Fakten über einen bizarren aber sehr realen Ort dienen kann.

Sphärenmusik (Saturn), S. 155-170: Der Riesenplanet mit seinen Ringen beflügelte nicht nur den Komponisten Gustav Holst 1914/16 zu seiner „Planeten“-Suite, sondern regte die Fantasie vieler Künstler und Wissenschaftler gleichermaßen an.

Entdeckung (Uranus und Neptun), S. 171-200: Viel Beharrlichkeit am Teleskop und ein wenig Glück führten 1781 zur Entdeckung des Planeten Uranus. 1846 waren es exakte wissenschaftliche Berechnungen, die den Neptun auftauchen ließen; die Geschichte/n ihrer Entdeckung/en sind damit Momentaufnahmen von der Entwicklung der Astronomie als Wissenschaft.

UFO (Pluto), S. 201-217: Erst 1930 wurde ein neunter Planet aufgespürt. Noch zu Lebzeiten seines Entdeckers stellte sich heraus, dass er gar keiner ist, sondern ‚nur‘ der erste von unzähligen Kleinplaneten, die seltsame Namen wie Sedna, Quaoar oder Varuna tragen und das Sonnensystem wie eine gigantische, locker gesponnene Kugelschale umfangen.

Planetenforscher (Schluss), S. 217-223: Die Entdeckungsreise durch das Sonnensystem geht weiter. Teilweise noch im 20. Jahrhundert, teilweise schon im neuen Jahrtausend gestartet, werden weitere Forschungssonden die bekannten und unbekannten Planeten und Planetoiden anfliegen und zweifellos neue und immer wieder überraschende Erkenntnisse und Fotos zur Erde funken.

Einer ausführlichen Danksagung (S. 225/6) folgt ein nützliches Glossar (227-233), das dem astronomisch weniger bewanderten Leser über die Klippen diverser Fachtermini führt. Dava Sobel verzichtet auf Fußnoten, geht aber im Anhangskapitel „Einzelheiten“ (S. 235-254) auf diverse Aspekte ein, die erwähnenswert sind aber den Rahmen des Haupttext gesprengt hätten. Wie es sich für ein gutes Sachbuch gehört, fehlen auch Quellen- (S. 255), Literaturverzeichnis (S. 257-262) und Register (S. 263-269) nicht.

Die Poesie harter Fakten

Ein Wort der Warnung (oder Beruhigung): Hinter dem schlichten Titel „Die Planeten“ verbirgt sich kein astronomisches Sachbuch. Zwar sind harte Fakten ein integraler Bestandteil der Darstellung, doch sie werden gemischt mit philosophischen Betrachtungen. Auch das Wort ‚philosophisch‘ könnte abschreckend wirken: Sprechen wir deshalb besser von wissenschaftlichem Infotainment, was zwar nicht ganz den Kern der Sache trifft, aber vermutlich der „Galileo“-Generation verständlicher vermittelt, worum es hier geht. Diese Mischung ist in der Konsequenz, mit der Sobel sie betreibt, nicht jedes Kritikers Sache. Böse Worte kann man deshalb manchmal lesen, mit denen der Verfasserin eine „Mythologisierung“ der Astronomie vorgeworfen wird, die doch eine harte Wissenschaft sei. Schlimmer noch: Eine Animistin sei sie, die hinter dem Zusammenwirken von Planeten, Kometen und anderen handfesten Erscheinungen des Weltalls göttliche Kräfte am Werke sähe.

Solche Meinungen lassen sich begründen, greifen allerdings ein wenig kurz. Sobel behauptet an keiner Stelle ihre Leser naturwissenschaftlich oder philosophisch belehren zu wollen. Sie strebt eine Synthese beider Bereiche an, um in der Schnittmenge das Bild eines Sonnensystems zu zeichnen, das wir Menschen uns aus Fakten und Vorstellungen gebildet haben und weiterhin bilden. Sobel wählt aus und scheut nicht davor zurück, primär auf jene Informationssteinchen zurückzugreifen, die ihr persönliches Mosaik des Sonnensystems bilden. Ihr Weltbild ist weit aber nur bedingt objektiv. Darauf weist sie in ihrem Vorwort hin. Dieses Buch sollte deshalb vielleicht besser „Dava Sobels Planeten“ heißen.

Dass wir uns nicht falsch verstehen: Sobel ist eine überaus fähige Wissenschaftsjournalistin. Die von ihr zitierten Fakten sind dort, wo sie diese zum argumentativen Einsatz bringt, korrekt und auf dem aktuellen Stand. (Deshalb beinhaltet die Taschenbuch-Neuausgabe von 2007 ein Nachwort der Autorin, in dem sie darauf angeht, dass und wieso Pluto im August 2006 der Planetenstatus aberkannt wurde.) Zumindest diesen Punkt gestehen ihr eigentlich alle Kritiker zu.

Fakten als intellektuelles Spielzeug

Die Beurteilung philosophischer, religiöser, mythologischer oder künstlerischer Äußerungen und Werke fällt schwer. Diese Bereiche des menschlichen Geistes sind präsent und wichtig aber nicht einfach zu erfassen; ihre Grenzen sind fließend, die Inhalte schwammig. Dies gilt vor allem, wenn die Worte und Taten von Menschen in Worte gefasst worden, die längst tot sind, während ihre Lebensquellen nur lückenhaft überliefert wurden.

Sobel liefert Daten, Funktionsbeschreibungen, Träume, Anekdoten. Sie spielt mit diesen und vielen anderen Elementen. Ihre Sprache ist deshalb nie nüchtern oder sachlich, sondern elegant und geschliffen. Wissenschaftler haben so vor langer Zeit geschrieben; ihre Werke waren dort, wo das entsprechende Talent vorhanden war, auch Literatur. Das ist in modernen Zeiten aus der Mode genommen und gilt als verpönt, weil – die Begründung ist durchaus stichhaltig – ein natur- oder geisteswissenschaftlicher Sachverhalt möglichst klar, ohne persönliche Färbung und damit unmissverständlich ausformuliert werden soll.

In diese Kategorie fällt Sobels Werk sicherlich nicht. Es bietet intellektuelles Vergnügen mit Niveau. Das mag die treuen Fans von Dan Brown, DMAX und DSDS verdächtig oder unheimlich dünken, ist aber auch heutzutage kein Verbrechen. „Die Planeten“ ist ein Buch, das sich vergnüglich liest und zum Nachdenken bringt, obwohl (oder weil?) es recht dünn geraten ist: Nicht umsonst gibt es das Sprichwort vom getretenen Quark!

Autorin

Dava Sobel, geboren am 15. Juni 1947 in der Bronx der Großstadt New York City, besuchte bis 1964 die Bronx High School of Science ebendort. Sie wechselte zum Antioch College und zum City College und studierte später an der State University of New York, die sie mit dem Grad eines „Bachelors of Art“ verließ.

Sobel arbeitete dreißig Jahre als Wissenschaftsjournalistin für die „New York Times“ sowie für Magazine wie „Life“, Audubon“ oder „Discover“. Außerdem war sie als Mitherausgeber für das „Harvard Magazine“ und „Omni“ tätig und griff als Co-Autorin sechs Sachbuchverfassern hilfreich unter die Arme.

In den 1990er Jahren begann Sobel mit großem Erfolg selbst Sachbücher zu schreiben. „Longitude“ (1995; dt. „Längengrad“), eine Geschichte der frühneuzeitlichen Kartografie, und „Galileo‘s Daughter“ (1999; dt. „Galileos Tochter“), eine Biografie der Astronomen-Tochter Virginia, wurden von Kritik und Leserschaft gleichermaßen gewürdigt.

Mit ihrer Familie lebt Dava Sobel in East Hampton, New York. Über ihr Werk informiert sie auf ihrer Website.

Copyright © 2016 by Michael Drewniok (md)

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