Die Sünderin von Siena

Brigitte Riebe
Die Sünderin von Siena

Nach dem gleichnamigen Roman „Die Sünderin von Siena“
Diana Verlag (HC), München, 8/2007 und Heyne Verlag (TB), München, 11/2008
steinbach sprechende bücher, Schwäbisch Hall, 7/2008
6 CDs in aufklappbarer Papphülle mit Stecktaschen
Hörbuch, historischer Krimi, Drama, Romance
ISBN 9783886986453
Laufzeit: ca. 466 Min.
Autorisierte Hörfassung, Textbearbeitung von Hannelore Limpach und Holger Michel
Gelesen von Nadja Schulz-Berlinghoff
Titelgestaltung von N. N.
Fotos von Jorinde Gersina und Sandro Most
www.sprechendebuecher.de
www.brigitteriebe.com/
www.schulz-berlinghoff.de/

Siena 1348: Gemma, die Tochter eines wohlhabenden Salzhändlers, ist mit dessen Geschäftspartner verheiratet. Allerdings ist Lupo di Cecco ein grausamer Ehemann, der Freude empfindet, wenn er andere quälen und demütigen kann. Als Gemma zu ihrem Vater flieht, wird sie bitter enttäuscht, denn statt Hilfe erwarten sie moralische Bedenken: Den heiligen Bund der Ehe vermag bloß der Tod aufzulösen, und eine verheiratete Frau gehört in das Haus ihres Mannes.

Aufnahme und Trost findet Gemma schließlich bei Lina, die ein halbes Dutzend Waisenkinder aufzieht und eine helfende Hand gebrauchen kann. Dass sich Gemma schon bald in den Maler Matteo, der in der Nachbarschaft wohnt, verliebt, missfällt Lina, die nicht wünscht, dass ihr Haus in Verruf gerät. Die Situation eskaliert, als ein Kind tot aufgefunden wird und es keinerlei Spuren von Gewalteinwirkung gibt.

Gemma macht sich Vorwürfe, weil sie die Nacht bei Matteo verbracht hatte. Hätte sie das Unglück verhindern können, wenn sie bei den Kindern geblieben wäre? Prompt gerät sie in den Verdacht, eine Mörderin zu sein und darf sich nicht einmal verteidigen, denn das Eingeständnis des Ehebruchs hätte ihre gesellschaftliche Isolation bedeutet und auch Matteo in Schwierigkeiten gebracht. Es wartet jedoch ein schlimmeres Schicksal auf sie als der Kerker: Man unterstellt sie Lupos Obhut. Und noch ein Kind stirbt. Um Gemmas Unschuld zu beweisen, beschließt Matteo, ein Tabu zu brechen. Er obduziert heimlich die Leichen und muss sich die Gelegenheit dafür durch eine Affäre erkaufen. Es ist jedoch der Zufall, der ans Licht bringt, wie die Kinder zu Tode kamen und wer dahinter steckt…

Brigitte Riebe lässt ein Kapitel italienischer Geschichte lebendig werden. Vor der Kulisse der Stadt Siena, in der sich ein politischer Umsturz anbahnt, spielen sich mehrere Dramen ab. Die junge Gemma läuft ihrem brutalen Mann davon und findet eine neue Liebe, zu der sie sich nicht bekennen darf. Sowohl der Gatte wie auch ihr Vater scheinen in dunkle Machenschaften verstrickt zu sein. Auch Lina hütet ein Geheimnis, das niemand erfahren darf. Die anderen Protagonisten haben ebenfalls Ängste und Träume und nehmen durch ihre Aktionen Einfluss auf die Haupthandlung. Dabei kommen die politischen Ränkespiele etwas zu kurz, denn die Schilderung menschlicher Tragödien und Momente des Glücks sind das Anliegen der Autorin.

„Die Sünderin von Siena“ scheint Gemma zu sein, doch der Titel passt besser zu Lina. Letztlich jedoch entpuppt er sich als Reißer, der mehr verspricht, als das Buch hält. Einige Szenen mögen durchaus deftig sein, aber auch das hält sich im Rahmen dessen, was man mittlerweile in nahezu allen Liebesromanen findet. Die Flucht vor einem brutalen Ehemann, Ehebruch und Prostitution mögen im Mittelalter zu den größten Sünden gezählt haben, aber die Korruption und die politischen Intrigen, durch die viele ins Unglück gestürzt wurden, Lupos Grausamkeiten gegenüber Gemma und anderen Frauen, die Gewalttaten, die seine Handlanger und auch ‚die Kinder Gottes’ begehen, sowie die Morde sind die wahren Verbrechen.

Die Autorin verwebt die Einzelschicksale zu einer atmosphärischen Geschichte, der man gern lauscht, da Nadja Schulz-Berlinghoff mit einer lebhaften Lesung aufwartet, die den Figuren Charakter verleiht. Bis zum Ende werden alle Fragen beantwortet, der Zufall wird dabei reichlich strapaziert – und natürlich sorgt ein Happy End, bei dem jeder bekommt, was er verdient, für Zufriedenheit.

Die Gestaltung des Hörbuchs ist akzeptabel, doch vermisst man ein Booklet mit Informationen zum historischen Hintergrund u. ä.

„Die Sünderin von Siena“ ist ein opulenter historischer Roman bzw. Hörbuch, das vor allem weiblichen Genre-Fans gefallen wird, da es starke Frauenfiguren zur Identifikation bietet und die Autorin eine gelungene Mischung aus spannender Krimi-Handlung und Romanze vorlegt. Schätzt man Titel wie „Die Wanderhure“, „Die Teufelshaube“ oder „Das Spiel der Könige“ wird man auch an dieser Lektüre bzw. Lesung Freude haben. (IS)

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Die Sünderin von Siena. Historischer Roman. 6 CDs

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