Fugger und der Duft des Goldes

fugger-und-der-duft-des-goldesHarald Parigger
Fugger und der Duft des Goldes

Arena-Bibliothek des Wissens
Arena Verlag, Würzburg, 1/2009
TB, Jugendbuch, Sachbuch 05992, Geschichte
ISBN
9783401059921
Titelbild und Innenillustrationen von Klaus Puth
Fotos aus diversen historischen Quellen

www.arena-verlag.de
www.haraldparigger.de
www.klausputh.de

Passend zur Finanzkrise beschäftigt sich ein weiteres Sachbuch aus der Reihe „Arena-Bibliothek des Wissens“ mit dem Thema Geld und Geldvermehrung. Dafür kehrt der Autor gut fünfhundert Jahre in die Vergangenheit zurück und beschreibt die Anfänge des Kapitalismus – mit „Fugger und der Duft des Goldes“. Lange war es Christen verboten, Geldgeschäfte zu betreiben, d. h., sich unangemessen am Lohn und der Arbeit anderer Menschen zu bereichern. So lagen diese lukrativen Einnahmequellen lange Zeit in den Händen der Juden. Das änderte sich allerdings mit der italienischen Renaissance, die in Nord und Mitteleuropa mit der Zeit der Gotik einherging und die Menschen eine ganz andere Richtung einschlagen ließ. Während der Adel und die Geistlichkeit immer mehr an Macht verloren, gelang es einer weiteren Schicht, sich zu etablieren: die Patrizier, die sich vor allem in den freien Reichsstädten angesiedelt hatten. Sie übernahmen mit dem Nah- und Fernhandel nun auch die Geldgeschäfte und gewannen so nach und nach immer mehr Macht, auch über die Könige und Fürsten, die ihre Länder regierten.

Eine der Familien, die besonders von diesen Veränderungen und Aufschwüngen profitierten, war die Nürnberger Familie Fugger, die aus dem Handwerkerstand hervorgegangen war und Handelsunternehmen gegründet hatte. Der berühmteste Sohn der Familie wurde Jacob Fugger, von dessen Geld sogar Kaiser Maximilian I. abhängig war und der die Wahl des Thronfolgers maßgeblich beeinflusste. Aus der Sicht des bärenstarken, aber geistig eher schlicht gestrickten Bauernsohns Johann, der Jacob Fugger das Leben rettet, darf der junge Leser die Glanzpunkte im Leben des Kaufherren miterleben, der auch in seiner Freundlichkeit gewisse Erwartungen an den jungen Mann stellt. Johann soll ihn beschützen, gleichzeitig aber auch lesen und schreiben lernen und ein wenig mehr über die Abläufe beim Handel erfahren. Allerdings stellt der junge Mann recht schnell fest, dass das nicht seine Welt ist, vor allem nicht, als er mitbekommt, wie sich die Rivalen hinter den Kulissen bekriegen. Während die Aktionen eines feindlichen Kaufmanns eher plump und brutal sind, geht Jacob Fugger wesentlich hinterhältiger vor und treibt seinen Gegenspieler mit einer Intrige in den gesellschaftlichen und finanziellen Ruin – etwas, was eigentlich nicht sehr christlich ist. Unterbrochen wird der erzählte Text regelmäßig von kleinen Essays über die historische Wirklichkeit.

Es ist immer einfacher, historische Ereignisse zu verstehen, wenn man durch die Augen eines Zeitgenossen spielerisch in die Materie eingeführt wird. So erzählt auch Harald Parigger eine spannende Geschichte und bettet darin die Erkenntnisse ein, die viele Historiker aus alten Aufzeichnungen und Verträgen gewonnen haben. Er macht mit einfachen Worten deutlich, dass sich seit dem sechzehnten Jahrhundert nicht unbedingt viel verändert hat, heute wie damals beim Handel und in der Finanzwelt mit harten Bandagen gekämpft wird und manch einer über den „Duft des Goldes“ hinweg seine Moral und Menschlichkeit vergisst. Denn auch ein Fugger bereut auf seinem Totenbett die eine oder andere Tat, die er begangen hat.

Auch die geschichtlichen Sachtexte sind so verfasst, dass schon Kinder problemlos damit zurechtkommen. Erwachsene finden geballte Informationen in wenigen Zeilen. Alles in allem ist beides sehr unterhaltsam und kurzweilig geschrieben, ohne dass die Lektüre dabei ihren Wert als Sachbuch verliert. In „Fugger und der Duft des Goldes“ wird Geschichte lebendig und gut verständlich vermittelt, denn anhand von einfachen Bespielen kann jeder – egal ob zehn oder vierzig Jahre alt, problemlos nachvollziehen, wie unsere heutige Geldwirtschaft und der Kapitalismus seinen Anfang nahm. (CS)

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Fugger und der Duft des Goldes

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