Fünf Miss Marple Krimis: Mord im Pfarrhaus

Agatha Christie
Fünf Miss Marple Krimis: Mord im Pfarrhaus

(gekürzte Lesung) The Murder at the Vicarage, GB, 1930, aus dem Englischen von Antoinette Gittinger, gelesen von Hans Kremer, 978-3-89940-792-1, Laufzeit: ca. 189 Min.
16 Uhr 50 ab Paddington, 4.50 from Paddington, GB, 1957, aus dem Englischen von Dinka Mrkowatschki, gelesen von Beate Himmelstoß, 978-3-89940-794-5, Laufzeit: ca. 168 Min.
Bertrams Hotel, At Bertram’s Hotel, GB, 1965, aus dem Englischen von Tanja Handels, gelesen von Beate Himmelstoß, 3-89940-709-1, Laufzeit: ca. 218 Min.
Die Tote in der Bibliothek, The Body in the Library, GB,
1942, aus dem Englischen von Tanja Handels, gelesen von Traudel Sperber, 978-3-89940-786-0, Laufzeit: ca. 218 Min.
Fata Morgana, They Do It with Mirrors, GB, 1952, aus dem Englischen von Susanna Daum, gelesen von Katja Brügger, 978-3-89940-788-1, Laufzeit: ca. 191 Min.
Der Hörverlag, München, 5/2008
15 CDs, je 3 pro Jewel-Case, mit Papp-Banderole, Krimi-Hörbuch, 978-3-80717-169-1, Laufzeit: ca. 975 Min., gesehen 5/09 für ca. EUR 28.99
Hörspielfassung von Sarah Kilgarett, Keith Darvill, Michelene Wandor
Titelfoto auf der Banderole: Margaret Rutherford als Miss Marple in „Mörder Ahoi“ von Cinetext
Titelgestaltung der CDs und der jeweils 4-seitigen Booklets von TÜMMERSdESIGN

www.hoerverlag.de
http://agathachristie.com/
www.tuemmersdesign.de

Die britische Autorin Agatha Christie (1890 – 1976) schrieb zahlreiche Krimis und schuf so originelle Figuren wie Hercule Poirot und Miss Marple, die Dank des Fernsehens ein Gesicht erhielten, wurden sie doch von so großartigen Schauspielern wie Peter Ustinov und Margaret Rutherford glänzend in Szene gesetzt. In Folge sind weder Agatha Christie noch ihre Charaktere in Vergessenheit geraten und erfreuen weiterhin Jung und Alt mit ihren spannenden Fällen.

Der Hörverlag hat nun die zunächst einzeln erschienenen Hörbücher als Box aufgelegt, so dass man zum kleinen Preis von ca. EUR 30.- in den Genuss von gleich fünf Titeln kommt. Es handelt sich hierbei um gekürzte Lesungen, die in unterschiedlicher Lebhaftigkeit und Lautstärke vorgetragen werden. Nur „Mord im Pfarrhaus“ wird von einem Mann gesprochen; alle anderen Hörbücher haben weibliche Vortragende, die man von anderen Hörproduktionen, aus Rundfunk und TV kennt.

Hat man nur die Filme gesehen, nicht aber die Buchvorlage gelesen, dann wird man überrascht: Die Rolle der Miss Marple ist im Buch bzw. Hörbuch verhältnismäßig klein. Sie mischt sich zwar überall ein, ist aber überwiegend eine heimliche Beobachterin und Lauscherin, die sich selber nicht in Gefahr begibt.

Stattdessen findet sie den einen oder anderen Helfer und Zuträger, dessen Aktionen im Film auf die Titelfigur übertragen wurden. Dadurch stehen die Nebencharaktere stärker im Fokus, was der Handlung jedoch nicht zum Nachteil gereicht.

Die Autorin lässt die Protagonisten so agieren, denken und sprechen, wie es seinerzeit und in den jeweiligen Schichten üblich war. Mit einem Funke Selbstironie wird dabei auch die Dünkelhaftigkeit der upper classes auf die Schippe genommen, die einen Mensch nach Herkunft und Äußerlichkeiten, nicht aber nach seiner Intelligenz und seinen Leistungen beurteilt(e).

Mord im Pfarrhaus: Oberst Protheroe ist ein unangenehmer Zeitgenosse, und es gibt mehrere Personen, die ihn gern tot sehen würden. Als er dann tatsächlich ermordet in der Pfarrei aufgefunden wird, kommen eine Menge persönlicher Dramen ans Licht, bis der Täter überführt werden kann.

16 Uhr 50 ab Paddington: Eine Freundin von Miss Marple glaubt, in einem vorbeifahrenden Zug einen Mord beobachtet zu haben, doch niemand wird vermisst, und es scheint auch keine Leiche zu geben. Miss Marple entdeckt den einzigen Ort, an dem die Tote heimlich hätte aus dem Zug geschafft werden können.
Eine junge Bekannte von ihr lässt sich dort als Bedienstete anstellen und beginnt herumzustöbern.

Bertrams Hotel: Das geschichtsträchtige Londoner Etablissement hat sich den Flair der guten, alten Zeit bewahrt, sehr zur Freude einheimischer Gäste, die in Erinnerungen schwelgen, und der Touristen, die sich England und die Engländer genau so vorgestellt haben. Die Polizei glaubt jedoch, guten Grund dafür zu haben, das Hotel im Auge zu behalten, und einige Beobachtungen der aufmerksamen Miss Marple liefern wichtige Hinweise.

Die Tote in der Bibliothek: Ein junges Mädchen wird ermordet in der Bibliothek der Bantrys entdeckt. Miss Marple findet heraus, dass Mr. Jefferson, ein älterer Witwer, Ruby hatte adoptieren wollen. Hat er sich ihrer entledigt, nachdem er erfahren hatte, dass es bereits einen Mann in ihrem Leben gab? Sind es die Verwandten, die sich sorgten, dass ihr erhofftes Erbe geringer ausfallen würde? Oder hatte noch jemand ein Motiv?

Fata Morgana: Miss Marple besucht eine alte Freundin. Es scheint, als versuche jemand, diese zu vergiften. Dann geschieht ein Mord nach dem anderen. Wer und vor allem was steckt dahinter?

Alle Krimis sind spannend, sorgfältig aufgebaut und atmosphärisch dicht. Bis zum Schluss kann man nur spekulieren, sich irren und erneut raten, wer der Mörder und was sein Motiv ist. Zwar hat Miss Marple keine Glanzauftritte wie in den Filmen, aber sie gibt regelmäßig wichtige Hinweise, weil sie als alte Dame übersehen und unterschätzt wird und darum vieles sieht und hört, was andere verbergen wollen. Durch Nachdenken und Dank ihres Erfahrungsschatzes zieht sie aus allen Informationen die richtigen Schlussfolgerungen. Ihr kommt die Rolle des Deus ex Machina zu, aber trotzdem hat man nie den Eindruck, als würde die Handlung ohne Miss Marple in einer Sackgasse stecken bleiben.

Mag man Krimis ‚von früher’, die mehr auf Charme und Subtilität als auf Action setzen, wird man viel Freude an den Hörbüchern haben. Fehlt es an Zeit oder Lust zum Lesen, dann sind die „Fünf Miss Marple Krimis“ des Hörverlags ein idealer Begleiter z. B. während der Hausarbeit, in der U-Bahn oder im Auto. Der kleine Preis für die Box erfreut außerdem. (IS)

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Fünf Miss Marple Krimis

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