Historisch-kritisches Wörterbuch des Feminismus 2: Hierarchie/Antihierarchie bis Köchin

Frigga Haug (Hrsg., im Auftrag des Instituts für kritische Theorie)
Historisch-kritisches Wörterbuch des Feminismus 2: Hierarchie/Antihierarchie bis Köchin

Argument Verlag, Hamburg, 1. Auflage: 10/2011
PB, Argument Sonderband 311
Sachbuch, Lexikon, Feminismus, Politik, Sozialwissenschaften, Geschichte
ISBN 978-3-86754-311-8
Titelgestaltung von Martin Grundmann

www.argument.de
www.friggahaug.inkrit.de/
www.martingrundmann.de

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Es hat mehrere Jahre gedauert, bis auf das „Historisch-kritische Wörterbuch des Feminismus 1“ der zweite Band mit 41 Begriffen von „Hierarchie/Antihierarchie bis Köchin“ folgte. Im Vorwort nennt Herausgeberin Frigga Haug die Gründe hierfür, insbesondere die Kritik eines Lesers, der offenbar ein ähnliches Projekt zu realisieren gedachte und sich an der Wechselbeziehung von Feminismus und Marxismus störte.

Frigga Haug setzte sich mit diesem und anderen Aspekten auseinander und kam zu dem Schluss, dass sich der Kritiker und sie selbst dem Thema von gegensätzlichen Standpunkten aus näherten und dabei nach wie vor die Definierung der Geschlechterrollen eine Schlüsselrolle einnimmt. Auch der Marxismus weist, was die Frau betrifft, Klischeeformulierungen auf. Dennoch gibt er viele Denkanstöße, denen die Autorinnen und Autoren des Wörterbuchs nachgehen. Ihr Anliegen ist es, die Stichwörter historisch, soziologisch, politisch und immer feministisch zu beleuchten, dabei selbstverständlich die unterschiedlichen Sichtweisen zu berücksichtigen. In Folge ist Frigga Haugs Werk nicht wirklich ein „Wörterbuch“, sondern eine Sammlung von Essays, unter Berücksichtigung zahlreicher Zitate, Quellenhinweisen und ausführlichen Bibliografien. Der Leser erhält keine knappe Definition; vielmehr wird er durch anspruchsvolle Aufsätze sachlich und mit Querverweisen in die Thematik eingeführt – hier einige Beispiele:

„HIV, AIDS“ befasst sich mit der historischen Entwicklung und Betrachtung der Krankheit, ihrer sich wandelnden soziologischen Einstufung und den aktuellen Konsequenzen. Unter „Inquisition“ findet man insbesondere eine historische und religionswissenschaftliche Abhandlung, die schließlich auf die Ökonomie ausgeweitet wird, da auch der Handel, laut Engels, seine Kreuzzüge aufweist. Das Wort „Job“ wird etymologisch beleuchtet und hinsichtlich seiner Bedeutung im Laufe der Jahre und im engl. Slang definiert. Unter „Kinderarbeit“ wird die geschichtliche Entwicklung des Begriffs aufgearbeitet bis hin zur Abschaffung in vielen Ländern und der Initiierung von Gesetzen zum Schutz der Kinder. Das „Klonen“ erfährt eine Ausführung unter historischen, wirtschaftlichen und ethischen Aspekten.

Stets wird jedem Essay das Stichwort in den Sprachen Arabisch, Englisch, Französisch, Spanisch, Russisch und Chinesisch (mit Lautschrift in Pinyin) vorangestellt. Ein ausführlicher Anhang ergänzt mit sinnvollen Hinweisen, die den Gebrauch des Buchs vereinfachen sollen. Zweifellos ist das „Historisch-kritische Wörterbuch des Feminismus“ kein Werk, das man wie einen Roman liest. Man blättert hier, blättert da, studiert den Eintrag, der einen besonders interessiert. So soll der Band auch gehandhabt werden: Aufgeschlossene, wissbegierige Leser können sich mit den 41 Stichwörtern auseinandersetzen und durch die Essays Themen unter feministischen Gesichtspunkten erschließen, die man im ersten Moment vielleicht gar nicht mit der Rolle der Frau in Verbindung bringt. Dabei wird im Kontrast zu den gängigen Darstellungen vom männlichen Standpunkt aus die weibliche Sicht ausdrücklich berücksichtigt.

Das macht diese Reihe, der hoffentlich weitere Bände folgen werden, zu einem interessanten Nachschlagewerk nicht nur für Feministinnen, sondern für jeden, der sich mit historischen, soziologischen und politischen Themen beschäftigt, ein entsprechendes Fach studiert oder sich beruflich in diese Richtung orientiert hat.

Copyright © 2012 by Irene Salzmann (IS)

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