Lagerküche – Mittelalterlich kochen auf offenem Feuer

lagerkuche-e28093-mittelalterlich-kochen-auf-offenem-feuerTatjana Junker
Lagerküche – Mittelalterlich kochen auf offenem Feuer

Verlag J. Neumann-Neudamm, Melsungen
1. Auflage: 11/2009
HC, Sachbuch, Essen & Trinken, Esskultur, Geschichte
ISBN 9783788813017
Titel- und Fotos im Innenteil von Markus Rupprecht

www.neumann-neudamm.de
www.baculus.de

Gruppen, die sich mit dem Mittelalter beschäftigen und das damalige Leben nachzustellen versuchen, Live-Rollenspieler, die aktiven Fans von Mittelaltermärkten, Pfadfinder, Schulklassen… und auch jene, die etwas anderes ausprobieren wollen als das übliche Picknick, werden sicher der „Lagerküche“ viel Interesse entgegen bringen. Tatjana Junker, die sich mit Geschichte und Küche beschäftigt, verband kurzerhand das Mittelalter mit dem Kochen, um eine Rezeptsammlung zusammenzustellen, die den genannten Zielgruppen von Nutzen ist. Dabei ging es ihr weniger um die historischen als um die pragmatischen Aspekte. Sie griff auf überlieferte Anleitungen zurück, scheute sich aber nicht, sie den gegenwärtigen Begebenheiten etwas anzupassen. Auch wollte sie den Irrglauben beenden, man könne nur Eintöpfe kochen, denn Ragouts, Nachspeisen etc. lassen sich ebenfalls am offenen Feuer herstellen. Alle Rezepte wurden erprobt, die Speisen nicht gestylt und die Fotos nicht retuschiert!

Tatsächlich kann man die Gerichte auch zu Hause nachkochen, nur fehlt dann das ‚Lager-Flair’. Das Buch beginnt mit einigen Hinweisen zum Aufbau einer Kochstelle, dem Kühlen von verderblichen Lebensmitteln, den notwendigen Küchenutensilien und speziellen Hinweisen zum Feuer, denn beispielsweise genügt etwas Glut zum Warmhalten, während man Flammen zum Anbraten benötigt.

Der Rezeptteil ist in verschiedene Rubriken gegliedert: „Zum Frühstück und für Zwischendurch“, „Eintöpfe und Suppen“, „Gemüse und Kräuter“, „Beilagen und Teigwaren“, „Fleisch und Geflügel“, „Fisch und Meeresfrüchte“, „Nachtisch und mehr“, „Zusätzliche Schmankerl“. Im Anhang finden sich Quellenangaben und Warenkunde. Die Einteilung ist nicht anders als in einem konventionellen Kochbuch, und viele Rezepte lesen sich vertraut. Sie bestehen oft aus wenigen Grundzutaten, die leicht zu besorgen und zuzubereiten sind. Zum Nachkochen laden „Haferbrei“, „Eier mit Zwiebeln“, „Lauch und Brotbrocken in Wein“, „Zanzarelli“, „Lauch mit Walnüssen“, „Gehackter Mangold und Spinat mit aromatischen Kräutern“, „Gebratene Brote“, „Blancmanger“, „Huhn in Bier“, „Rehkeule“, „Omelett mit Räucherfisch“, „Forelle in Zimtsauce“, „Holunderblütenmus“, „Aprikosen nach Apicius“, „Honigbutter“, Salbeiöl“ u. v. m. ein. Nicht immer verrät der Name auf Anhieb, worum es sich handelt, während anderes eindeutig ist. Verwendet werden im Mittealter bekannte Zutaten, wobei auch der Einfluss der Römischen Küche hin und wieder zu bemerken ist.

Zu jedem Gericht gibt es eine Zutatenliste, inklusive Personenangabe. Dem folgt eine genaue Anleitung, oft ergänzt durch zusätzliche Tipps. Kleine und große Abbildungen bzw. Farbfotos von den Zutaten, den fertigen Gerichten und auch vom Lagerleben runden ab. Ein schnelles und einfach zu bereitendes Gericht, das auch Anfängern gelingt, ist „Gebratene Möhren“ (für 4 Personen), das als Beilage zu Fleisch- und Fischgerichten gereicht werden kann: 2 Zwiebeln und 2 Knoblauchzehen fein hacken und in 1 EL Butter dämpfen. 1,5 kg Möhren putzen, in ca. 1 cm große Stücke schneiden, zum Zwiebelgemüse geben und kurz anbraten. 1 l Gemüsebrühe angießen und alles garen, bis die Möhren bissfest oder weich – je nach Geschmack – sind. Die Brühe abgießen und in einem anderen Gefäß auffangen. Das Gemüse mit 2 EL Mehl bestäuben, 2 EL Butter hinzufügen und kräftig anbraten. Mit Pfeffer abschmecken. Die aufgefangene Brühe ergibt mit Pfeffer, Butter und Kräutern eine schmackhafte Suppe.

Wenn man die leckeren Rezepte liest und die stimmungsvollen Bilder betrachtet, bekommt man schnell Lust, selber das Lagerleben auszuprobieren (oder wenigstens einige der Gerichte nachzukochen). Die nützlichen Hinweise und genauen Beschreibungen ermuntern auch Neulinge, es zu versuchen, und nach einiger Zeit wird man eine gewisse Routine erworben haben. Für Mittelalterfreunde, Rollenspieler, aber auch Jugendgruppen dürfte ein Wochenende auf einer Burg mit „Lagerküche“ ein unvergessenes Erlebnis sein. Ein wirklich empfehlenswertes Buch für alle, die mal aus dem Alltagstrott ausbrechen, etwas Ungewöhnliches erleben und Spaß haben wollen!

Irene Salzmann (IS)
 
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Lagerküche – Mittelalterlich kochen auf offenem Feuer

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