Mord im Gerichtshof

Craig Rice
Mord im Gerichtshof


Originaltitel: Trial by Fury (New York : Simon & Schuster 1941)
Deutsche Erstveröffentlichung: 1962 (Verlag Kurt Desch/Die Mitternachtsbücher 109)
Übersetzung: Rosmarie u. Georg Kahn-Ackermann
175 S.
[keine ISBN]
Neuausgabe (gekürzt u. unter dem Titel „Mr. Malone greift ein“): 1972 (Heyne Verlag/Heyne Crime Classic 1503)
Übersetzung: Christiane Nogly
141 S.
[keine ISBN]
Neuausgabe (ungekürzt u. unter altem Titel): 1981 (Heyne Verlag/Heyne Crime Classic 1968)
Übersetzung: Rosmarie u. Georg Kahn-Ackermann
235 S.
ISBN-13: 978-3-453-10571-3

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Das geschieht:

In Jackson, einer allgemein unbekannten Kleinstadt irgendwo im US-Staat Wisconsin, haben die beiden Urlauber Jake und Helene Justus eigentlich nur angehalten, um sich im Gerichtshof eine Angellizenz ausstellen zu lassen. Während sie im Erdgeschoss warten, rollt ihnen über die Treppe aus dem ersten Stock die Leiche von Ex-Senator Gerald Peveley vor die Füße: Man hat dem wenig beliebten aber einflussreichen Mann eine Kugel in den Rücken geschossen.

Der erste Mord in Jackson seit 32 Jahren sorgt nicht nur für allgemeine Aufregung, sondern überfordert die örtlichen Gesetzeshüter bei weitem. Sheriff Marvin Kling ist ebenso grob wie dumm: Kurzerhand erklärt er Jake zum Hauptverdächtigen, da den braven Bürgern von Jackson eine solche Tat nicht zuzutrauen sei.

In ihrer Not telegrafiert Helene einem alten Freund in Chicago. Dort genießt Rechtsanwalt John J. Malone einen guten Ruf als Privatdetektiv. Er musste Jake und Helene schon mehrfach aus der Bredouille helfen, denn das Paar ist groß darin, sich in kriminelle Aktivitäten verwickeln zu lassen.

Dabei ist die Gruppe der Verdächtigen durchaus groß, zumal jene Bürger, Politiker und Angestellten, die sich zum Zeitpunkt des Mordes im Gerichtshof aufhielten, sämtlich keine wasserdichten Alibis vorweisen können. Malone gelingt es deshalb, Jake freizubekommen. Als er kurz darauf einen Scheck in der Bank einlösen möchte, explodiert im Schalterraum eine Bombe, die neben dem Kassierer auch wichtige Geschäftsbücher in Stücke reißt.

Obwohl selbst angeschlagen, beginnt Malone die vielfältig verwobenen Familienbande, Freundschaftsverhältnisse und Feindschaften der an beiden Bluttaten anwesenden Personen unter die Lupe zu nehmen. Eile tut not, denn der Attentäter beginnt, mörderisch auch die letzten Spuren in seine Richtung zu tilgen …

Niemals eine trockene Kehle!

Die 1930er und frühen 1940er Jahre waren die Hochzeit der US-amerikanischen „Screwball“-Komödie. Erwachsene Männer und erstaunlich selbstbewusste Frauen, die der Notwendigkeit enthoben waren, sich ihren Lebensunterhalt durch schnöde Lohnarbeit zu verdienen, benahmen sich wie Kinder und erlebten fröhliche Abenteuer, während sie sich und ihre Umwelt mit knochentrockenen Witzen beharken und sich ebensolche Drinks in ungeheuerlichen Mengen einverleibten. Der Alkohol befeuerte höchstens den Wortwitz und hatte ebenso wie die in Ketten gerauchten Zigaretten keinerlei gesundheitliche Nebenwirkungen; jedenfalls blieb dieser Aspekt ausgespart.

Vor allem im Kino ging es geistreich zu, wobei der Komödie gern andere Genres beigemischt wurden. Der Krimi passte gut in diesen Cocktail, gilt doch das Verbrechen üblicherweise als buchstäblich toternste Sache. Die „Screwball“-Krimis verstießen unbekümmert gegen diesen und jeden anderen politisch korrekten Ernst, ohne die klassische Verbrecherjagd dadurch ins Lächerliche zu ziehen.

Das regierende Königspaar dieser rasanten Krimi-Komödien waren Nick und Nora Charles. Ursprünglich eine Schöpfung des Schriftstellers Dashiell Hammett (1894-1961), gelang ihnen noch im Jahr der Erstveröffentlichung von „The Thin Man“ (dt. „Mordsache Dünner Mann“) 1934 der Sprung nach Hollywood, wo sie von den Schauspielern William Powell (Nick) und Myrna Loy (Nora) kongenial verkörpert wurden. „The Thin Man“ wurde ein Kino-Blockbuster und ging in Serie; bis 1947 folgten fünf weitere Filme. Powell & Loy bereiteten das Feld für eine Vielzahl ähnlich angelegter Krimi-Komödien vor.

Lebe lieber ungewöhnlich

Fünf Jahre nach dem „Dünnen Mann“ schuf die Autorin Craig Rice das Ehepaar Jake und Helena Justus. Sie bildeten das typische „Screwball“-Paar – er stattlich und abenteuerlustig, sie schön und wagemutig, beide sehr ironisch sowie verliebt. Als wir sie in „Mord im Gerichtshof“ treffen, haben sie u. a. bei einer Wette einen Nachtclub gewonnen: Realität genießt in diesem Romanumfeld nicht die oberste Priorität.

Anders als Nick und Nora Charles lösen Jake und Helena Justus die Fälle, in die sie ‚zufällig‘ immer wieder verstrickt werden, nicht selbst. Jake ist kein ehemaliger Polizist oder Detektiv, ihm fehlen die einschlägigen Erfahrungen. Dritter im Bund wird deshalb immer wieder Jack J. Malone, der ebenfalls screwball-typisch als höchst unkonventioneller Jurist und Ermittler auftritt. Malone ist (scheinbar) geldgierig und arbeitsfaul und muss zur Arbeit förmlich genötigt werden. Gleichzeitig beherrscht er seinen Job, den er ohne lästige Alltagsroutinen als Kette genialer (oder besser: genialischer) Einfälle meistert.

Dabei ist er sogar noch durstiger als seine Auftraggeber und Freunde. Daraus resultieren weitere Episoden, die in einem ‚richtigen‘ Kriminalroman denkbar fehl am Platze wären. So ‚adoptiert‘ Malone den riesigen Bluthund Hercules, mit dem er sich zuvor auf einer Spurensuche gemeinschaftlich betrunken hatte.

Kleine aber gar nicht feine Stadt

Ebenfalls hart am Rande der offenen Karikatur ist Rices Darstellung des provinziellen Kleinstadtlebens. In Jackson ist in jeder Hinsicht die Zeit etwa um das Jahr 1900 stehengeblieben. Vor allem die (selbsternannte) Prominenz hat sich selig in ihrem Kokon eingesponnen und schätzt Störungen seitens der modernen Außenwelt wenig. Jeder kennt sich und ist befreundet oder voreinander auf der Hut. Weil man miteinander auskommen muss, werden selbst Feindschaften kultiviert. Vergessen wird nichts, das kollektive Gedächtnis reicht bis in die Zeit der Pilgerväter zurück.

Cover der dt. Erstausgabe

Ohne falsche Scham oder gar Erbarmen stellt Rice Jackson als Hort der Dummen und Ewiggestrigen bloß. Läuft das städtische Leben tatsächlich einmal aus dem Ruder, ist stets ein Hohlkopf wie Sheriff Kling zur Stelle, der die Schuld erleichtert einem zufällig anwesenden Fremden zuschiebt; kommt dieser zusätzlich „aus der Stadt“, ist er endgültig verloren. Stets liegt Lynchmord in der Luft; es bedarf nur einiger gut platzierter Drinks, um die dummen Dörfler in einen Mob zu verwandeln.

Dieser Charakterisierung wohnt durchaus ein grimmiger Grundton inne. Der Dorffrieden gleicht eher einem gegenseitigen Belauern. Wer gegen ungeschriebene Regeln oder die ‚Moral‘ verstößt, schwebt in Lebensgefahr, wie die allzu lebenslustige Cora Belle erfahren muss. Sie hat ihre Mitbürger lustvoll und absichtlich immer wieder vor die Köpfe gestoßen. So schreibt sie sich quasi selbst in die Liste jenes Mörders ein, der in Jackson sein Unwesen treibt.

Die Verpackung übertrifft den Inhalt

Craig Rice läuft zu großer Form auf, wenn sie beschreibt, wie mit der ‚großen Welt‘ das Chaos nach Jackson kommt. Sie steigert sich zum allgemeinen Tohuwabohu, wozu inzwischen zum Klischee geronnene Erscheinungen wie der allgegenwärtige Schwarm neugieriger, lästiger, dreister Reporter ihren Teil betragen. Selbstverständlich gibt es darüber hinaus den kauzigen Dorftrottel, den unfähigen Sheriff, seinen debilen Vertreter, den aufgeplusterten Provinz-Politiker u. a. ‚komische‘ Gestalten.

Demgegenüber fällt der eigentliche Krimi-Plot ab. Rice löst das Geheimnis, das vier Menschen auf erstaunlich blutige Weise das Leben kostete, logisch auf. Dabei muss der Leser sich jedoch auf Malones Eingebungen verlassen; ein Miträtseln ist wenig erfolgversprechend, weil Rice mit Informationen knausert. Ihr ist es eindeutiger wichtiger, spielerisch die Spannung zu schüren. Dabei setzt sie gern auf Wendungen, die vor allem dem Effekt geschuldet sind; so taucht ein aus der Anatomie gestohlenes Skelett an gruseliger Stätte und unter bizarren Umständen wieder auf.

Als sich der aufgewirbelte Staub über Jackson schließlich wieder senkt, haben unsere drei Helden ihn längst von ihren Schuhen geschüttelt und sind auf der Fahrt ins nächste, mindestens ebenso surreale Abenteuer. Aus Schaden werden sie nicht klug; sie dürfen es nicht werden, denn ihre naive Unbekümmertheit ist es, die dem Leser den Nachschub an neuen Malone-&-Justus-Episoden garantiert.

Autorin

Craig Rice, am 5. Juni 1908 als Georgiana Ann Randolph Walker Craig in Chicago, US-Staat Illinois, geboren, sah sich früh gezwungen, auf eigenen Beinen zu stehen. Sie arbeitete in der Werbung und für das Radio. Außerdem komponierte und schrieb sie Gedichte, Storys und Romane, die jedoch bis 1939 unveröffentlicht blieben. „Eight Faces at Three“ (dt. „Drei Stunden nach Mitternacht“) wurde Rices Debüt. Schon in diesem ersten Roman um den Anwalt und Detektiv John Joseph Malone mischte Craig auf gelungene Weise Mystery und Screwball-Comedy. Sie legte dabei einen gesunden Sinn für schrägen bis absurden Humor an den Tag, für den sie oft – die Medien lieben Schubladen –  mit Dorothy Parker (1893-1963) verglichen wurde.

Für ihren Erfolg arbeitete Rice hart. Sie schrieb nicht nur unter eigenem Namen, sondern auch als Ghostwriter (u. a. für den Schauspieler George Sanders und möglicherweise für die ‚Schönheitstänzerin‘ Gipsy Rose Lee). Zusätzlich verfasste sie Drehbücher für Radio, Kino und Fernsehen. Im Januar 1946 kam ihr Foto aufs Cover des berühmten „Time Magazine“; Rice war der erste Genre-Autor überhaupt, dem diese Ehre zu Teil wurde.

Über Rices Privatleben ist wenig bekannt. Sie war mindestens einmal verheiratet und hatte drei Kinder. In ihrem Lebenswandel orientierte sich Rice an ihren Romanhelden, was in chronischem Alkoholismus und Depressionen mündete. Nach mehreren Selbstmordversuchen und aufgrund ihres sich rapide verschlechternden Gesundheitszustandes starb Craig Rice kurz nach ihrem 49. Geburtstag am 28. August 1957 in Los Angeles.

Copyright © 2012/2016 by Michael Drewniok (md)

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Comments

  1. Hier kann die Antwort nur eindeutig ja laeutn, hier ein beispiel aus das Mordschlodf Da in dem Augenblick ein Wagen mit Heu von dem Schloss wegfuhr, so sagte die alte Frau, es we4re das einzige Mittel, um das Leben zu behalten, sich unter das Heu zu verstecken und dann da mit wegzufahren; welches sie auch te4t. Da inzwischen der Herr nach Haus kam, fragte er, wo die Mamsell we4re. Oh , sagte die alte Frau, da ich heut keine Arbeit mehr hatte und sie morgen doch dran musste, hab ich sie schon geschlachtet, und hier ist eine Locke von ihrem Haar, und das Herz, wie auch was warm Blut, das fcbrige haben die Hunde alle gefressen, und ich schrapp die De4rme. Der Herr war also ruhig, dass sie tot war.Also das ist nicht nur grausam, das grenzt schon an Perversion des Verfassers, auch wenn es die Gebrfcder Grimm waren. Heute nennt man sowas Snuff Ich kann nur hoffen das diese Art der Me4rchen , die sich bei Grimm he4ufiger befinden, wie zum Beispiel auch in Fitchers Vogel, da werden auch Me4dchen geschlachtet, sich nicht in irgendeine Kinderausgabe verirren. Dies Art Literatur ist hf6chstens etwas ffcr Snuff-Freaks und nichts ffcr Kinder.

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